
Die Idee für YOUspan entstand nicht in einem klassischen Gründermeeting. Sie begann Jahre früher, zwischen Lehramtsstudium, Schichten im Fitnessstudio und der Frage, wie sich körperliche Gesundheit eigentlich sinnvoll messen lässt.
Andreas Ostermann arbeitete schon während seines Studiums in Fitnessstudios und machte zusätzliche Trainerlizenzen. Später wechselte er vom Lehramt in die Ernährungswissenschaften und beschäftigte sich zunehmend mit der Frage, was Blutwerte, Körperzusammensetzung und Leistungsfähigkeit tatsächlich über die biologische Gesundheit eines Menschen aussagen können.
Im Studium entstand daraus ein BioAge-Modell, das verschiedene Messwerte zu einem verständlicheren Gesamtbild zusammenführt. Aus der wissenschaftlichen Arbeit wurde eine Thesis, daraus eine Bewerbung für das EXIST-Gründerstipendium – und irgendwann die Frage, ob sich daraus nicht ein reales Produkt für Fitnessstudios entwickeln ließe.
Maximilian Holland kannte Andreas zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als zehn Jahren. Nach dem gemeinsamen Abitur waren beide unterschiedliche Wege gegangen. Maximilian studierte BWL in Passau und arbeitete gerade an seiner Masterarbeit, als plötzlich eine Nachricht von seinem alten Schulfreund kam.
Andreas hatte eine Idee.
Wenige Monate später stand ein fünfköpfiges Gründerteam, ein EXIST-Stipendium über 135.000 Euro war gesichert und rund 160 Fitnessstudios hatten bereits Interesse an der Lösung signalisiert.
Ab September soll YOUspan in den ersten Studios tatsächlich eingesetzt werden.
Warum Menschen ihren Körper im Fitnessstudio vermessen können – für einen vernünftigen Bluttest aber noch immer zum Arzt müssen
Fitnessstudios haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Moderne Anlagen messen längst nicht mehr nur Körpergewicht. Bioimpedanzwaagen analysieren Körperfett und Muskelmasse, Leistungsdiagnostik liefert Daten zur Ausdauer und Trainer dokumentieren Fortschritte über Monate hinweg.
Ein wichtiger Teil des gesundheitlichen Gesamtbildes fehlt jedoch häufig: das Blut.
Wer heute wissen möchte, wie bestimmte Blutmarker aussehen, muss normalerweise einen separaten Termin beim Arzt vereinbaren. Selbst dann beginnt häufig erst die Diskussion darüber, welche Werte überhaupt untersucht werden. Liegen die Ergebnisse schließlich vor, folgt für viele Menschen das nächste Problem: Was bedeuten diese Zahlen eigentlich?
Genau diese Reibung wollen Andreas, Maximilian und ihr Team reduzieren.
„Bluttest ist immer ein richtiger Friction Point.“
YOUspan richtet sich deshalb zunächst an Fitnessstudios. Diese sollen ihren Mitgliedern Blutanalysen direkt im bekannten Trainingsumfeld anbieten können. Für Studios entsteht damit ein zusätzlicher Service, über den sie sich vom Wettbewerb differenzieren können. Für Mitglieder soll aus einem bisher komplizierten Prozess eine deutlich einfachere Gesundheitsanalyse werden.
Der Bluttest ist dabei allerdings nur ein Teil des Systems.
Werte wie Testosteron oder weitere Biomarker werden mit Informationen kombiniert, die im Studio ohnehin erhoben werden können: Körperfettanteil, fettfreie Masse, Ausdauerwerte und weitere Parameter.
Das Herzstück ist das daraus entstehende BioAge-Modell.
Statt Nutzern lediglich eine lange Liste medizinischer Laborwerte zu präsentieren, soll daraus ein verständliches Gesamtbild entstehen, mit dem sowohl Mitglieder als auch Trainer tatsächlich arbeiten können.

Aus einzelnen Messpunkten wird so ein Bild des gesamten Körpers – und im besten Fall eine Grundlage dafür, Training und Lebensstil gezielter anzupassen.
Warum diese Idee ausgerechnet jetzt möglich wird
Die offensichtliche Frage lautet: Wenn Bluttests im Fitnessstudio einen echten Mehrwert bieten können, warum gibt es solche Angebote nicht längst flächendeckend?
Die Antwort liegt in einer Kombination aus Regulierung, Geschäftsmodell und Technologie.
Blutentnahme ist kein gewöhnliches Fitnessprodukt. Rechtliche Anforderungen, medizinische Prozesse, Laborlogistik und Datenschutz müssen sauber zusammenspielen. Schon ein einzelner dieser Bereiche kann ein Geschäftsmodell kompliziert machen. Hinzu kommt die technische Entwicklung. Viele kennen noch klassische Fingerstich-Tests, bei denen eine kleine Menge Blut aus der Fingerkuppe gewonnen wird. YOUspan arbeitet dagegen mit einem vakuumbasierten Verfahren am Oberarm, über das eine größere Blutmenge gewonnen werden kann. Nach Einschätzung des Teams ist diese Methodik erst seit vergleichsweise kurzer Zeit so ausgereift, dass daraus ein skalierbarer Prozess für Fitnessstudios entstehen kann.

Für Andreas und Maximilian ist genau das der Grund, warum sich gerade jetzt ein neues Marktfenster öffnet.
Das zeigte sich bereits bei der ersten Validierung.
Als das Team eine Landingpage veröffentlichte, meldeten sich innerhalb der ersten Woche mehrere Studioinhaber. Einige hatten bereits selbst nach Wegen gesucht, Bluttests anzubieten – bis hin zu Überlegungen, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, weil ihnen eine praktikable Lösung fehlte. Für die Gründer war das ein wichtiges Signal. Sie mussten den Studios nicht erst erklären, dass ein Problem existiert. Ein Teil der Zielgruppe suchte bereits aktiv nach einer Lösung.
Von einer wissenschaftlichen Arbeit zum fünfköpfigen Gründerteam.
Dass Andreas und Maximilian heute gemeinsam gründen, war zehn Jahre zuvor kaum abzusehen. Beide kennen sich seit ihrer Schulzeit. Danach trennten sich ihre Wege zunächst. Andreas ging nach München, begann mit Lehramt und arbeitete parallel in Fitnessstudios. Maximilian zog nach Passau und studierte Betriebswirtschaftslehre bis zum Master.
Bei Andreas rückten Sport und Gesundheit währenddessen immer stärker vom Nebenjob in den Mittelpunkt. Während der Corona-Zeit absolvierte er weitere Trainerlizenzen und wechselte schließlich in die Ernährungswissenschaften.Dort entstand die wissenschaftliche Grundlage von YOUspan.
Aus dem BioAge-Modell wurde zunächst eine akademische Arbeit. Anschließend bewarb sich das Projekt erfolgreich für das EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.
Während Maximilian noch an seiner Masterarbeit arbeitete, meldete sich Andreas bei ihm.
Die Idee war inzwischen groß genug geworden, dass sie nicht mehr allein umgesetzt werden konnte.
Heute besteht das Kernteam aus fünf Gründern, darunter zwei Fullstack-Entwickler. Gerade die technische Teamfindung bezeichnet Andreas rückblickend als einen der wichtigsten Erfolge der frühen Phase. Er führte zahlreiche Gespräche über die Plattform von Y Combinator, um passende technische Mitgründer zu finden.
„Die Teamfindung ist das Wichtigste.“
Dass die Rollen heute funktionieren, halten beide nicht für selbstverständlich. Denn YOUspan ist kein reines Softwareprodukt. Technologie, Labor, Logistik, medizinische Abläufe, B2B-Vertrieb und regulatorische Anforderungen müssen gleichzeitig beherrscht werden. Entsprechend wichtig war es, nicht einfach möglichst schnell ein Team aufzubauen, sondern Menschen zu finden, deren Fähigkeiten tatsächlich ineinandergreifen.
Von sechs interessierten Studios zu rund 160: Warum die erste echte Validierung schneller kam als erwartet
Als die Gründer mit ersten Studios sprachen, rechneten sie zunächst mit deutlich mehr Überzeugungsarbeit. Das Gegenteil passierte.
Viele Studiobetreiber reagierten anfangs zwar skeptisch auf die Vorstellung, Bluttests direkt im Fitnessstudio anzubieten. Sobald sie den Prozess jedoch verstanden und praktisch gesehen hatten, änderte sich die Reaktion häufig.
Für Maximilian war genau diese Erfahrung eines der wichtigsten Learnings der vergangenen Monate. Das Problem sei weniger, dass Studios kein Interesse hätten. Vielmehr wissen viele noch gar nicht, dass ein solches Angebot technisch und organisatorisch inzwischen möglich ist.
Von März bis zum Zeitpunkt des Interviews entstand so Interesse von rund 160 Studios. Für ein Unternehmen, das noch vor dem eigentlichen Marktstart steht, ist das ein deutliches Signal. Gleichzeitig brachte diese Nachfrage neue Herausforderungen mit sich. Denn ein Health-Tech-Produkt lässt sich nicht einfach über eine Website skalieren. Blutentnahme, Transport zum Labor, Analyse, Datenverarbeitung und die Abläufe im Studio müssen zuverlässig ineinandergreifen.
In den ersten Piloten lernte das Team deshalb vor allem, an welchen Übergängen Prozesse noch nicht sauber genug funktionieren. Logistik musste angepasst werden. Abläufe im Studio mussten verständlicher werden. Verträge und Angebote mussten überarbeitet werden. Das Produkt entstand dadurch nicht nur am Schreibtisch, sondern vor allem im Kontakt mit den ersten Kunden.
„Das sind die Punkte, wo man sagt: Genau das müssen wir jetzt noch verbessern, weil wir sonst nicht richtig an den Markt gehen können.“
Der geplante Marktstart im September ist deshalb weniger das Ende der Produktentwicklung als der nächste Schritt einer Validierung, die bereits Monate vorher begonnen hat.
135.000 Euro EXIST-Stipendium – und warum Investoren trotzdem noch warten können
Der Aufbau von YOUspan wurde bisher nicht über eine klassische große Venture-Capital-Runde finanziert. Stattdessen erhielt das Team ein EXIST-Gründerstipendium in Höhe von 135.000 Euro und konnte damit einen wesentlichen Teil der frühen Entwicklung finanzieren. Aktuell beschreibt das Team seinen Ansatz scherzhaft als „Bootstrap Light“.
Weitere Finanzierung soll zunächst über Fördermöglichkeiten beziehungsweise Kredite erfolgen. Gespräche mit Investoren gab es bereits, doch Andreas und Maximilian möchten Kapital nicht um jeden Preis aufnehmen.
Das Geschäftsmodell ist vergleichsweise wenig kapitalintensiv. Dadurch kann das Team zunächst selbst in den Markt gehen, Umsätze generieren und anschließend aus einer stärkeren Position über Beteiligungskapital sprechen.
Vor allem suchen die Gründer nicht einfach Geld. Sie suchen strategische Investoren.
Der richtige Partner müsste also mehr mitbringen als Kapital: Branchenzugang, Wissen oder Strukturen, die YOUspan beim nächsten Wachstumsschritt tatsächlich helfen. Größere Investorengespräche plant das Team deshalb eher für das erste oder zweite Quartal des kommenden Jahres. Bis dahin soll das Unternehmen beweisen, dass der Markt nicht nur Interesse zeigt, sondern tatsächlich bezahlt.
Eine Gründung mit fünf Gesellschaftern, mehreren Holdings – und plötzlich der Anruf, dass es doch geht
Technisch und organisatorisch war nicht nur das Produkt komplex. Auch die Gesellschaftsstruktur hatte es in sich.
Das Kernteam besteht aus fünf Gründern, dazu kamen mehrere vorgeschaltete Holdinggesellschaften und internationale Hintergründe einzelner Beteiligter. Entsprechend komplex wurde die Frage, wie sich die Gesellschaft rechtlich sauber und innerhalb der geplanten Timeline aufsetzen lässt.
Das Team sprach im Vorfeld mit Steuerberatern und Rechtsanwälten. Teilweise wurden für die Erstellung der notwendigen Verträge Summen von 6.000 bis 7.000 Euro aufgerufen. Gleichzeitig blieb lange offen, ob die gewünschte Struktur überhaupt schnell genug umgesetzt werden konnte.
„Da hatten wir zweimal Punkte, wo wir gesagt haben: Können wir überhaupt gründen? Schafft man das so schnell?“
Über beglaubigt.de kam schließlich Bewegung in den Prozess.
Besonders heben Andreas und Maximilian ihren Ansprechpartner Felix sowie die Unterstützung aus dem Legal-Team hervor. Fragen konnten kurzfristig geklärt werden, selbst bei dem ungewöhnlich komplexen Setup.
Ein Moment blieb Andreas besonders im Gedächtnis. Nach mehreren Gesprächen, in denen ihnen keine zufriedenstellende Lösung angeboten worden war, saßen die Gründer an einem Freitag in München. Dann kam ein Anruf.
„Da ruft der Felix mich an und sagt: Ja, das ist gar kein Problem.“
Von diesem Moment an lief die Gründung.
Für das Team war die Erfahrung auch ein Learning darüber, wie wichtig die richtigen Partner in der Frühphase eines Unternehmens sein können. Nicht jeder Prozess muss intern gelöst werden – und nicht das teuerste Angebot ist automatisch das passendste.
Die Vision: Wenn jemand beiläufig erzählt, dass er seinen Bluttest gerade im Fitnessstudio gemacht hat
Fragt man Andreas nach dem größten möglichen Erfolg von YOUspan, nennt er keine Unternehmensbewertung.
Er erzählt stattdessen von einer Autofahrt mit Maximilian. Die beiden waren auf Studiotour in Stuttgart und machten Pause. Irgendwann stellte Andreas sich eine Szene vor: Sie stehen irgendwo bei McDonald's in der Schlange und hören zufällig ein Gespräch hinter sich. Jemand erzählt einem Freund, dass er gerade im Fitnessstudio seinen Bluttest gemacht hat. Mehr nicht.
„Das wäre für mich das Größte.“
Denn in diesem Moment wäre etwas, das heute noch erklärungsbedürftig klingt, vollkommen normal geworden. Genau darin liegt die langfristige Vision.
Kurzfristig möchte das Team zunächst 50 bis 100 operative und zufriedene Studiokunden gewinnen und einen Punkt erreichen, an dem die Gründer und das Team vom Unternehmen leben können.
Später könnte YOUspan über den Fitnessmarkt hinauswachsen.
Betriebliches Gesundheitsmanagement ist eine Möglichkeit. Weitere Gesundheitsservices eine andere. Auch das Team selbst soll wachsen – von heute fünf Gründern auf vielleicht 15 Menschen. Das Ziel bleibt jedoch dasselbe: Gesundheitsdaten so verfügbar und verständlich zu machen, dass Menschen sie tatsächlich nutzen können. Nicht einmal im Jahr in einer Arztpraxis. Sondern dort, wo sie ohnehin an ihrer Gesundheit arbeiten.

Was Andreas und Maximilian anderen Gründern raten: Erst ein relevantes Produkt bauen, dann kommt das Netzwerk
In der Start-up-Welt fällt ein Satz besonders häufig: Das Netzwerk ist alles. Andreas sieht das inzwischen differenzierter. Natürlich sind gute Kontakte wichtig. YOUspan selbst hat stark davon profitiert – vom EXIST-Umfeld über die Hausbank bis zu Partnern bei der Unternehmensgründung. Trotzdem glaubt er, dass Gründer Networking nicht mit Fortschritt verwechseln sollten.
„Entwickle erstmal ein Produkt, das wirklich Leute bewegt, und dann geht das Netzwerken von alleine.“
Auch das musste das Team selbst lernen.
Anfangs entstand schnell das Gefühl, auf jedem Event präsent sein, jede Person kennenlernen und jede mögliche Verbindung verfolgen zu müssen. Irgendwann reduzierten die Gründer diesen Aufwand und konzentrierten sich stärker auf das Produkt.
Dann passierte etwas Interessantes. Die richtigen Menschen kamen zunehmend von selbst auf sie zu.
Für Maximilian gehört dazu noch eine zweite Erkenntnis: Gute Partnerschaften sollte man nicht ausschließlich nach dem günstigsten Preis auswählen. Eine Hausbank, ein Rechtsberater oder ein anderer Dienstleister kann auf dem Papier etwas teurer wirken – und langfristig trotzdem deutlich wertvoller sein, wenn die Unterstützung stimmt.
Am Ende geht es deshalb weniger darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Sondern die richtigen Strukturen um ein Produkt zu bauen, das ein reales Problem löst.
Und vielleicht beschreibt genau das die bisherige Geschichte von YOUspan am besten: Aus einer wissenschaftlichen Arbeit wurde nicht deshalb ein Unternehmen, weil fünf Gründer möglichst laut darüber gesprochen haben.
Es funktionierte, weil die ersten Fitnessstudios die Idee sahen und sagten: Genau danach haben wir gesucht.


