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Gründerstory

Wie vier Produktentwickler die Immobilienvermarktung emotionaler machen wollen - und daraus eine KI-Plattform bauten

Kelly Ejiofor

16. Jun 2026

Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Und trotzdem beginnt dieser Prozess oft erstaunlich nüchtern: ein Immobilienportal, ein paar Zahlen, schlecht belichtete Fotos, ein PDF-Exposé voller Fakten. Erst viel später, wenn man tatsächlich mit einem Makler durch die Räume läuft, entsteht etwas, das über Quadratmeter und Kaufpreis hinausgeht: Atmosphäre.

Genau dieser Moment hat Sebastian Matern und seine Mitgründer beschäftigt.

An einem verregneten norddeutschen Novemberwochenende saßen Sebastian und sein Bruder zusammen, sprachen über Ideen und landeten irgendwann bei der Frage, warum Immobilienvermarktung eigentlich so unpersönlich beginnt. Warum emotionale Geschichten erst ganz am Ende des Prozesses auftauchen, obwohl genau diese oft darüber entscheiden, ob Menschen sich ein Zuhause vorstellen können.

Weniger als einen Tag später stand bereits ein erster Prototyp.


Die Lage auf Immobilienportalen: Warum Exposés oft funktionieren wie technische Datenblätter

Die meisten Immobilienanzeigen folgen bis heute demselben Muster: Lage, Preis, Quadratmeter, Grundriss, ein paar Bilder. Funktional, aber selten emotional. Selbst hochwertige Exposés bleiben häufig faktisch, obwohl Immobilienkauf kaum eine rein rationale Entscheidung ist.

Sebastian beschreibt genau darin die eigentliche Lücke.

Es fängt erst an richtig Spaß zu machen, wenn man mit dem Makler durch die Räume geht.“
— Sebastian Matern

Dort entsteht plötzlich Kontext: Warum wurde die Küche so gebaut? Wie fällt das Licht morgens ins Wohnzimmer? Welche Geschichte steckt hinter dem Haus? Für Interessenten wird aus einer Immobilie erst dann ein möglicher Lebensraum.

Die Frage der Gründer war deshalb nicht, wie man noch mehr Bilder produziert, sondern wie man diesen emotionalen Teil deutlich früher in den Prozess holen kann.

Die Gründer hinter der Plattform Haustour: Vier Produktmenschen, ein verregnetes Wochenende und ein schneller Prototyp

Sebastian Matern arbeitet seit rund zehn Jahren in der digitalen Produktentwicklung. Mal näher am Produktmanagement, mal stärker technisch, aber immer in Rollen, in denen digitale Produkte gebaut werden. Irgendwann entstand daraus der Wunsch, nicht mehr nur für andere Unternehmen zu entwickeln, sondern selbst etwas Eigenes aufzubauen.

Gemeinsam mit seinem Bruder und zwei weiteren Mitgründern entstand daraus schließlich die Idee hinter Haustour.

Was auffällt: Niemand im Team kommt aus klassischem „Wir gründen jetzt einfach mal“-Aktionismus. Alle bauen seit Jahren digitale Produkte, kennen Prozesse, Produktzyklen und technische Umsetzung. Genau deshalb ging vieles ungewöhnlich schnell.

Die beiden Brüder waren von den Ergebnissen des ersten Prototypen positiv überrascht. Danach wurde das Team direkt erweitert. Gezielt mit Menschen aus dem eigenen Netzwerk, die bereits Erfahrung mit Produktentwicklung und teilweise auch mit der Immobilienbranche hatten.

Was die Firma Haustour wirklich macht: KI-generierte Video-Exposés statt Videografen und PDF-Dateien

Das Produkt selbst ist im Kern erstaunlich einfach erklärt:

Immobilienmakler laden ein bestehendes PDF-Exposé hoch. Die Plattform analysiert Bilder, Inhalte und Struktur und erstellt daraus automatisiert ein vollständiges Video-Exposé — inklusive Kamerafahrten, Musik und deutschem Voice-over.

Der entscheidende Unterschied: Makler müssen dafür keinen Videografen mehr beauftragen.

„Nach ein paar Minuten kommt ein komplett fertiges Video raus.“
— Sebastian Matern

Klassische Immobilienvideos kosten schnell mehrere hundert Euro, dazu kommen Terminabsprachen, Freigaben und zusätzlicher Aufwand vor Ort. Die Plattform soll genau diesen Prozess vereinfachen und gleichzeitig emotionalere Vermarktung ermöglichen.

Besonders wichtig war dem Team dabei, nicht einfach nur „irgendeinen KI-Layer“ zu bauen. Sebastian betont mehrfach, dass die eigentliche Herausforderung darin lag, klassische Produktentwicklung mit den Möglichkeiten aktueller KI-Systeme sauber zu verbinden.

Das klingt abstrakt, wird aber schnell konkret: Selbst die Länge eines Sprechertexts für ein Video wurde plötzlich zu einer komplexen technischen Herausforderung.

„Dann aber darauf zu kommen, wie man einen Text schreibt, der wirklich eine Minute vorgelesen dauert — das war deutlich aufwendiger als gedacht.“
— Sebastian Matern

Zwischen Produktbau und Bürokratie: Warum die eigentliche Arbeit oft nicht der schwierigste Teil ist

Von der ersten Idee bis zum offiziellen Start verging etwa ein halbes Jahr. Nicht, weil die technische Umsetzung so langsam gewesen wäre, sondern weil plötzlich alles gleichzeitig mitgedacht werden musste: rechtliche Themen, AGBs, Gründung, Verträge, Prozesse.

Besonders die Bürokratie bremste das Team zeitweise aus.

Vier Gründer, verteilt von Lübeck bis München, machten klassische Notartermine schnell kompliziert. Genau deshalb wurde das Thema Video Notar für sie überhaupt relevant.

„Nachdem wir uns für das digitale Verfahren entschieden haben, hat beglaubigt.de uns viel Arbeit abgenommen.“
— Sebastian Matern


Die Rolle von beglaubigt.de: Warum Geschwindigkeit für Sebastian Matern mehr ist als nur Komfort

Auf beglaubigt.de stieß das Team schließlich über Qonto. Für Sebastian war vor allem entscheidend, dass ihnen der organisatorische Aufwand abgenommen wurde — ohne die typischen Schleifen und Unsicherheiten klassischer Kanzleisuche.

Gerade bei digitalen Teams, die über ganz Deutschland verteilt arbeiten, wurde der Video Notar-Prozess dadurch deutlich einfacher.

Die Erfahrung passte gleichzeitig erstaunlich gut zu dem, was sie selbst mit ihrem Produkt erreichen wollen: Prozesse vereinfachen, Reibung reduzieren und Zeit sparen.

Die Vision: Immobilienvermarktung soll emotionaler, schneller und einfacher werden


In den nächsten Jahren will das Team vor allem eines erreichen: Videomaterial in der Immobilienvermarktung deutlich zugänglicher machen.

Nicht nur für große Maklerbüros mit eigenen Produktions Budgets, sondern auch für kleinere Unternehmen, die bisher kaum mit Video gearbeitet haben. Gleichzeitig soll sich das Produkt weiterentwickeln - neue Funktionen, bessere Automatisierung, noch intelligentere Verarbeitung von Exposés.

Die Plattform versteht sich dabei weniger als reine KI-Spielerei, sondern als Werkzeug, das einen bestehenden Prozess tatsächlich verbessert.

Was Sebastian Matern über Gründen gelernt hat - und warum Arbeit plötzlich überall auftaucht

Eine Sache habe ihn beim Gründen besonders überrascht. Sebastian sagt, dass einem die Arbeit schlicht nie ausgeht.

„Man hätte wahrscheinlich Monate oder Jahre 24/7 genug zu tun”
— Sebastian Matern

Vielleicht ist genau das der größte Unterschied zwischen Produktentwicklung im Unternehmen und dem Aufbau einer eigenen Firma: Jede Entscheidung wirkt plötzlich direkter, persönlicher und größer.

Trotzdem klingt bei ihm keine überzogene Gründerromantik durch. Eher die Freude daran, Dinge selbst gestalten zu können - und zuzusehen, wie aus einer Idee ein funktionierendes Produkt wird.

Kontakt und Links

Die Gründer von Haustour: Sebastian Matern, Benedikt Matern, Bastian Schöning und Roland Lehle