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Gründerstory

Warum Snoutswipe eine Dating-App für Tieradoptionen baut - und damit helfen will mehr Tieren ein Zuhause zu finden

Kelly Ejiofor

27. Jul 2026

Als Cassandra Beyer, die Gründerin von Snoutswipe einen Hund adoptieren wollte, erwartete sie eigentlich einen einfachen Prozess. Stattdessen verbrachte sie Stunden damit, Webseiten einzelner Tierheime zu durchsuchen, unzählige Formulare auszufüllen und immer wieder dieselben Informationen einzutragen. Wer in Deutschland oder Großbritannien ein Tier adoptieren möchte, braucht oft Geduld – und vor allem Zeit.

Dabei, dachte sie, müsste es doch längst einfacher gehen.

Während ihres Masterstudiums an der London School of Economics begann sie deshalb, an einer Idee zu arbeiten, die Tieradoption so einfach machen sollte wie die Wohnungssuche bei Airbnb oder das Kennenlernen neuer Menschen über eine Dating-App. Nicht, weil Adoption oberflächlicher werden soll, sondern weil der Weg dorthin heute unnötig kompliziert ist.

Aktuell ist nur die Webversion von SnoutSwipe verfügbar, die Nutzern ermöglicht, ein Profil zu erstellen, Artikel zur Tieradoption zu lesen und Benachrichtigungen über verfügbare Tiere in der Umgebung zu erhalten. Die mobile App mit dem vollständigen Swipe- und Matching-Feature wird dann erstmals im August live gehen.

I · Warum Tieradoption heute oft komplizierter ist, als sie sein müsste

Wer ein Tier aus dem Tierheim adoptieren möchte, beginnt meist mit einer langen Suche. Jedes Tierheim betreibt seine eigene Webseite, jede Einrichtung nutzt eigene Formulare und Abläufe. Interessenten müssen sich durch unzählige Profile klicken, dieselben Angaben mehrfach machen und häufig bereits umfangreiche Bewerbungsunterlagen ausfüllen, bevor überhaupt ein erster Kontakt entsteht.

Für viele Menschen wird genau diese Hürde zum Problem.

Doch selbst wenn die Suche einfacher wäre, bleibt für viele Erstadoptierende eine weitere Herausforderung: Welches Tier passt eigentlich zu ihrem Leben? Häufig entscheidet zunächst das Aussehen eines Hundes oder einer Katze über das Interesse - obwohl Charakter, Energielevel und Bedürfnisse im Alltag oft viel wichtiger sind. Ein sehr aktiver Hund kann in einer kleinen Stadtwohnung schnell überfordert sein, während ein ruhigeres Tier für dieselbe Lebenssituation deutlich besser geeignet wäre.

SnoutSwipe versteht sich deshalb nicht nur als Suchplattform, sondern als Matching-Plattform. Mithilfe eines kurzen Fragebogens zu Lebensstil, Wohnsituation und den gewünschten Eigenschaften eines Haustiers berechnet die Plattform einen Match-Score zwischen Mensch und Tier. So werden Interessenten nicht nur Tiere angezeigt, die ihnen optisch gefallen, sondern vor allem solche, die langfristig zu ihrem Alltag passen. Das erhöht nicht nur die Chance auf eine erfolgreiche Vermittlung, sondern trägt auch dazu bei, dauerhafte und stabile Mensch-Tier-Beziehungen zu schaffen.

Cassandra kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Sie besitzt selbst einen Hund und stellte während ihrer Recherche schnell fest, dass moderne Plattformen für Tieradoption praktisch nicht existieren.

Genau daraus entstand schließlich die Idee zu ihrer Plattform.

II · Vom Investment Banking zur Gründerin: Warum Cassandra den sicheren Karriereweg verließ

Auf den ersten Blick wirkt Cassandras Lebenslauf nicht wie der einer klassischen Animal-Tech-Gründerin.

Nach ihrem Bachelor in Finance studierte sie an der London School of Economics, beschäftigte sich intensiv mit Entrepreneurship und Computer Science und arbeitete anschließend im Investment Banking sowie im Consulting. Während ihres Studiums engagierte sie sich zudem in verschiedenen Entrepreneurship Societies und beschäftigte sich früh mit dem Aufbau eigener Unternehmen.

Die eigentliche Gründungsidee entstand jedoch nicht im Hörsaal, sondern im Alltag.

Schon seit rund einem Jahr arbeitete sie immer wieder an ersten Konzepten, testete verschiedene Ansätze und begann, sich selbst Programmieren und den Umgang mit modernen KI-Werkzeugen beizubringen.

Dabei überraschte sie vor allem eine Erkenntnis.

Gerade moderne KI-Tools hätten den Einstieg erheblich erleichtert. Gleichzeitig habe sie schnell gemerkt, dass gute Produkte trotzdem nicht auf Knopfdruck entstehen.

III · Was SnoutSwipe eigentlich macht – und warum der Name an Tinder erinnert

Die Grundidee der Plattform ist bewusst einfach.

Wer ein Tier adoptieren möchte, beantwortet zunächst einige Fragen zu seinen Lebensumständen und Wünschen. Soll es eher ein ruhiger Hund sein oder ein aktiver? Wie groß darf das Tier werden? Welche Entfernung kommt infrage?

Auf dieser Grundlage schlägt die Plattform passende Tiere aus verschiedenen Tierheimen vor.

Die Bedienung erinnert dabei tatsächlich an bekannte Dating-Apps. 

Interessenten können durch Tierprofile swipen, Favoriten speichern und erst dann den eigentlichen Adoptionsprozess starten.

Der Unterschied zu bestehenden Plattformen liegt jedoch im Hintergrund.

Die Tierheime müssen ihre Tiere nicht mehr manuell mehrfach einpflegen. Stattdessen werden die Informationen automatisiert von den bestehenden Webseiten übernommen und regelmäßig aktualisiert. Gleichzeitig übernimmt SnoutSwipe selbst keine Adoptionen, sondern vermittelt lediglich zwischen Interessenten und Tierheimen.

Cassandra beschreibt das Konzept deshalb eher als Infrastruktur. Nicht als Ersatz für Tierheime. Sondern als Plattform, die beide Seiten einfacher zusammenbringt.

IV · Zwischen KI und Handarbeit: Warum moderne Tools trotzdem keine gute Produktentwicklung ersetzen

Obwohl Cassandra intensiv mit KI arbeitet, glaubt sie nicht daran, dass künstliche Intelligenz allein gute Produkte entwickelt.

Gerade die ersten Monate bestanden vor allem daraus, sich technische Grundlagen anzueignen und herauszufinden, welche Aufgaben sich automatisieren lassen – und welche eben nicht.

„KI kann vieles beschleunigen. Geschmack, Liebe zum Detail und ein gutes Produktgefühl kann sie nicht ersetzen.“ - Cassandra Beyer

Viele Bereiche seien heute deutlich einfacher geworden. Gleichzeitig gebe es unzählige Details, die man trotzdem selbst verstehen müsse: Datenschutz, Cookies, europäische Regulierung oder rechtliche Anforderungen.

Unterstützt wird sie dabei von einem kleinen Netzwerk aus Freelancern. Ein UI/UX-Designer entwickelt gemeinsam mit ihr die Nutzerführung, ein Softwareentwickler unterstützt bei der technischen Umsetzung. Das eigentliche Projektmanagement, Produktdesign und Marketing übernimmt Cassandra jedoch selbst.

V · Warum das eigentliche Produkt gar nicht die größte Herausforderung ist

Nicht, weil die technische Entwicklung heute einfacher wäre. Sondern weil sie sich früher Unterstützung holen und weniger Zeit mit Detailentscheidungen verbringen würde. Gerade Gründer neigen dazu, an kleinen Fragen festzuhängen (etwa am perfekten Logo, einzelnen Farben oder Funktionen), obwohl diese Entscheidungen am Anfang selten über den Erfolg eines Produkts entscheiden.

Wichtiger sei es, möglichst früh mit echten Nutzern zu sprechen und das Produkt kontinuierlich weiterzuentwickeln. Jede Veröffentlichung liefere neues Feedback und zeige, welche Funktionen wirklich gebraucht werden und welche Annahmen sich als falsch herausstellen. Genau diese Iterationen seien oft wertvoller als monatelange Planung.

Geschwindigkeit bedeute dabei allerdings nicht, wichtige Themen zu vernachlässigen. Gerade bei Datenschutz, Sicherheit oder rechtlichen Anforderungen müsse von Anfang an sorgfältig gearbeitet werden. Für viele andere Entscheidungen gelte jedoch: Lieber früh veröffentlichen und kontinuierlich verbessern, als auf die vermeintlich perfekte erste Version zu warten.

VI · Die Rolle von beglaubigt.de: Weniger Bürokratie, mehr Zeit für das Produkt

Als es schließlich um die Gründung der UG ging, wollte Cassandra möglichst wenig Zeit mit Behörden verbringen.

Über einen Bekannten stieß sie auf beglaubigt.de und entschied sich zunächst für die eigentliche Unternehmensgründung. Nachdem diese problemlos funktioniert hatte, nutzte sie den Service auch für weitere Behördengänge.

„Ich wollte möglichst wenig Zeit mit Behörden verbringen. Dass beglaubigt.de den Prozess so einfach und persönlich begleitet hat, war für mich ein großer Vorteil.“ - Cassandra Beyer

Gerade bei der ersten Gründung habe ihr das viel Unsicherheit genommen.

Anstatt sich durch unterschiedliche Webseiten und Formulare zu arbeiten, konnte sie sich wieder auf das konzentrieren, worum es ihr eigentlich ging: das Produkt.

VII · Die Vision: Weniger Tiere vom Züchter, mehr erfolgreiche Adoptionen

Langfristig verfolgt Cassandra ein Ziel, das deutlich über die Plattform selbst hinausgeht.

Sie möchte dazu beitragen, dass sich mehr Menschen bewusst für Tiere aus Tierheimen entscheiden und weniger Tiere bei kommerziellen Züchtern kaufen.

In den USA existieren bereits ähnliche Plattformen. Für Europa sieht sie dagegen noch enormes Potenzial.

SnoutSwipe soll deshalb zunächst Tierheime miteinander vernetzen, später weitere Services rund um Tiergesundheit, Beratung und Adoption integrieren. Erste Kooperationen entstehen bereits – unter anderem mit einer KI-Plattform für Gesundheitsfragen von Haustieren.

Die Plattform versteht sie deshalb nicht als einzelnes Produkt. Sondern als Anfang eines größeren Ökosystems.

VIII · Was Cassandra anderen Gründern raten würde

Wenn Cassandra heute noch einmal von vorne beginnen müsste, würde sie nicht länger warten.

Viele Gründer versuchen ihrer Meinung nach, erst alles perfekt zu verstehen, bevor sie überhaupt anfangen. Dabei wird der eigentliche Weg erst sichtbar, wenn man bereits unterwegs ist.

„Man sollte anfangen, bevor man sich bereit fühlt.“ - Cassandra Beyer

Die Möglichkeiten dafür seien heute größer denn je.

KI, Online-Lernplattformen und spezialisierte Experten machten den Einstieg deutlich einfacher als noch vor wenigen Jahren. Entscheidend sei nicht, alles zu können.

Entscheidend sei, bereit zu sein, unterwegs zu lernen.

Denn genau so sei auch SnoutSwipe entstanden: nicht aus Perfektion, sondern aus dem Wunsch, ein Problem zu lösen, das jeden Tag Tausende Menschen und Tiere betrifft.


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