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Gründerstory

Mit 18 zur eigenen App: Wie Lenny Anzalichi mit Gathered Menschen wieder zusammenbringen will

Kelly Ejiofor

13. Jul 2026

Es begann mit einem Video, das kaum geplant war. Im Urlaub stellte Lenny Anzalichi einfach sein Handy auf, sprach ein paar Gedanken in die Kamera und stellte eine Frage, die erstaunlich viele Menschen beschäftigte: Warum gibt es eigentlich keinen Feed, durch den man scrollen kann wie durch TikTok – nur eben für echte Erlebnisse statt Videos?

Die Resonanz kam schneller, als er erwartet hatte. Das Video wurde tausendfach angesehen, Menschen kommentierten ihre eigenen Erfahrungen und schrieben, dass sie genau nach so einer Lösung gesucht hätten. Für den damals 17-Jährigen war das der Moment, an dem aus einer Idee plötzlich ein reales Produkt wurde.

Heute nutzen bereits rund 70.000 bis 80.000 Menschen seine App Gathered. Das Beeindruckende daran ist jedoch nicht nur die Zahl der Nutzer. Es ist die Tatsache, dass Anzalichi das Unternehmen neben seinem Fachabitur aufgebaut hat – als Solo-Gründer, ohne Entwicklerteam und größtenteils mit Unterstützung von KI.

I · Warum spontane Freizeit heute komplizierter geworden ist, als sie eigentlich sein müsste

Wer heute spontan etwas unternehmen möchte, kennt das Problem. Veranstaltungen verstecken sich in Instagram-Stories, WhatsApp-Gruppen, Telegram-Kanälen oder Facebook-Events. Viele interessante Aktivitäten finden überhaupt nur statt, wenn man bereits die richtigen Menschen kennt.

Dabei verbringen Millionen Menschen jeden Tag Stunden damit, durch Social-Media-Feeds zu scrollen.

Für Lenny Anzalichi war genau das der Widerspruch.

Er fragte sich, warum dieselbe Einfachheit, mit der Menschen Videos entdecken, nicht auch für echte Begegnungen funktionieren könnte. Warum sollte man nicht genauso unkompliziert Wasserschlachten, Running Clubs, Picknicks, Kartenspielabende oder spontane Hauspartys finden können?

Die Idee hinter Gathered war deshalb nie, eine weitere Eventplattform zu bauen. Sie sollte vielmehr zu einer Art sozialem Betriebssystem für Freizeit werden – einem Ort, an dem Menschen nicht länger auf ihrem Smartphone bleiben, sondern Gründe finden, es wieder wegzulegen.

Dass diese Idee funktioniert, merkt Anzalichi nicht an Downloadzahlen, sondern an den Nachrichten seiner Nutzer.

II · Vom Importgeschäft zur eigenen Plattform: Warum Unternehmertum für Lenny schon früh selbstverständlich wurde

Obwohl Gathered sein bislang größtes Projekt ist, war Unternehmertum für Lenny nichts völlig Neues.

Schon vor der App importierte er Kleidung aus Thailand und verkaufte sie in Deutschland weiter. Rückblickend beschreibt er diese Zeit weniger als Unternehmen, sondern eher als erste Übung darin, Chancen zu erkennen und einfach auszuprobieren.

Die eigentliche Idee für Gathered entstand jedoch erst im vergangenen Sommer. Damals organisierte er regelmäßig Aktivitäten für andere Menschen und bemerkte dabei, wie schwierig es war, Veranstaltungen sichtbar zu machen. Gute Ideen gab es genug – sie fanden nur oft nicht die richtigen Leute.

Statt lange Businesspläne zu schreiben, begann er einfach zu testen. Anfang Januar startete er seinen TikTok-Kanal, sprach offen über seine Idee und beobachtete, wie Menschen darauf reagierten.

Die Reaktion überraschte selbst ihn.

Spätestens in diesem Moment wusste er, dass das Problem nicht nur ihn beschäftigte.

III · Was Gathered eigentlich macht – und warum Werbung für Lenny nicht die Zukunft ist

Gathered funktioniert auf den ersten Blick wie ein sozialer Feed.

Nutzer entdecken Veranstaltungen in ihrer Umgebung, können selbst Aktivitäten organisieren oder sich bestehenden Gruppen anschließen. Dabei spielt es bewusst keine Rolle, ob es sich um ein großes Event oder ein kostenloses Treffen im Park handelt.

Gerade kostenlose Aktivitäten liegen Anzalichi am Herzen.

Viele junge Menschen hätten heute schlicht nicht das Budget, jedes Wochenende Eintritt zu bezahlen oder teure Freizeitangebote wahrzunehmen. Gute Erlebnisse müssten deshalb nicht teuer sein – sie müssten vor allem sichtbar werden.

Interessant ist auch sein Blick auf Werbung.

Während viele Plattformen möglichst früh Werbeanzeigen verkaufen möchten, glaubt Anzalichi, dass klassische Bannerwerbung langfristig immer weniger funktioniert. Unternehmen müssten stattdessen selbst Teil echter Erlebnisse werden.

Als Beispiel nennt er Marken wie Nike. Anstatt Nutzer mit Anzeigen zu erreichen, könnten Unternehmen deutschlandweit Running Clubs organisieren oder eigene Community-Events veranstalten. Gathered soll dafür künftig die technische Infrastruktur liefern.

Monetarisiert wird die Plattform deshalb zunächst kaum. Erst später sollen Ticketverkäufe über Stripe integriert werden, bei denen Gathered eine kleine Provision erhält.

IV · Allein gründen heißt, jede Entscheidung selbst treffen

Während viele Start-ups mit mehreren Gründern beginnen, entwickelt Anzalichi Gathered bislang komplett allein.

Das bedeutet nicht nur, dass jede technische Entscheidung bei ihm landet. Es bedeutet auch, dass niemand da ist, mit dem man Ideen diskutieren oder schwierige Entscheidungen gemeinsam treffen kann.

Gleichzeitig arbeitet er weiterhin an seinem Fachabitur.

Zeitmanagement beschreibt er deshalb weniger als feste Methode, sondern als ständiges Priorisieren. Freizeit, Schule und Produktentwicklung konkurrieren permanent miteinander.

„Man muss Prioritäten haben.“  - Lenny Anzalichi

Dabei hilft ihm vor allem moderne KI. Die komplette App entstand mit Claude als Entwicklungswerkzeug. Für Anzalichi ist das kein Gimmick, sondern einer der Gründe, warum ein einzelner Gründer heute überhaupt Produkte bauen kann, für die früher ganze Teams notwendig gewesen wären.

Trotzdem gibt es eine Sache, die er heute anders machen würde.

„Ich würde mir von Anfang an direkt jemanden suchen, mit dem man das zusammen machen kann.“  - Lenny Anzalichi

Nicht, weil er die technische Arbeit nicht allein bewältigen könnte. Sondern weil gute Ideen besser werden, wenn jemand kritisch mitdenkt.

V · Der erste große Test kam nicht deutschlandweit, sondern in Frankfurt

Bevor Gathered öffentlich startete, entschied sich Anzalichi bewusst für einen kleineren Test. Rund 3.000 Menschen aus Frankfurt nutzten die erste Version der App über mehrere Wochen. Das Ziel war nicht möglichst schnelles Wachstum, sondern ehrliches Feedback. Erst nachdem zahlreiche Funktionen verbessert und viele kleine Fehler behoben worden waren, wurde Gathered deutschlandweit geöffnet.

Heute zählt die Plattform bereits Zehntausende Nutzer.

Für Anzalichi ist das allerdings eher Zwischenstand als Ziel.

Sein eigentliches Ziel beginnt erst dort, wo Menschen die App nicht mehr wegen der Technik nutzen, sondern wegen der Erlebnisse, die daraus entstehen.

VI · Warum beglaubigt.de genau zur Arbeitsweise eines Solo-Gründers passte

Für die Unternehmensgründung wollte Anzalichi möglichst wenig Zeit verlieren.

Über Empfehlungen stieß er schließlich auf beglaubigt.de. Entscheidend waren für ihn vor allem die guten Bewertungen und die Aussicht, möglichst viele bürokratische Schritte digital erledigen zu können.

Gerade weil er mit ähnlichen Online-Diensten zuvor nicht immer gute Erfahrungen gemacht hatte, wollte er einen Prozess, der einfach funktioniert. Genau diesen Eindruck nahm er am Ende auch mit.

Für ihn bedeutete das vor allem eines: mehr Zeit für das Produkt. Denn jede Stunde, die nicht in Formulare oder Behördengänge fließt, kann in die Weiterentwicklung der App investiert werden.

VII · Die Vision: Nicht die nächste Social-Media-App, sondern die Plattform für echte Begegnungen

Wenn Anzalichi über die nächsten Jahre spricht, fällt auf, dass er selten über Downloads oder Bewertungen spricht.

Deutschland soll zunächst der Ausgangspunkt sein. Danach sollen Österreich, die Schweiz und langfristig ganz Europa folgen.

Viel wichtiger als die geografische Expansion ist ihm allerdings die Rolle, die Gathered künftig spielen soll. Er möchte keine Plattform bauen, die Menschen länger an Bildschirme bindet. Sondern eine, die dafür sorgt, dass Menschen ihre Smartphones wieder einstecken.

Vielleicht ist genau deshalb sein wichtigster Rat an andere Gründer so einfach.

Viele würden sich zu lange fragen, ob sie gut genug seien, genug Geld hätten oder genügend Erfahrung mitbrächten. Er glaubt, dass diese Fragen heute weniger wichtig sind als jemals zuvor.

„Das Wichtigste ist einfach, dass man anfängt.“  - Lenny Anzalichi

Mit KI, YouTube und unzähligen Lernplattformen könne man sich heute fast alles selbst beibringen.

Deshalb endet das Gespräch mit einem Satz, der fast wie eine Zusammenfassung seiner eigenen Geschichte klingt:

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