
Eigentlich begann alles mit einer Frage, die viele Erwachsene irgendwann beschäftigt: Wie gut kenne ich meine Eltern eigentlich wirklich? Nicht als Mutter oder Vater. Sondern als Menschen.
Vedad Taranin stellte sich diese Frage vor einigen Jahren selbst. Durch Studium und Beruf lebte er lange im Ausland, der Kontakt zur Familie wurde oberflächlicher. Man telefonierte, traf sich an Feiertagen, sprach über den Alltag. Aber die großen Fragen blieben oft unausgesprochen.
Gleichzeitig erlebte er in der eigenen Familie, wie zerbrechlich Erinnerungen sein können. Wenn Demenz eine Rolle spielt, verändert sich nicht nur der Alltag. Auch Geschichten, Namen, kleine Details und ganze Lebensabschnitte können Stück für Stück verschwinden. Oft merkt man erst dann, wie vieles nie richtig festgehalten wurde.
Aus dieser Erfahrung entstand FamilyStories: eine App, die Familien dabei helfen soll, Erinnerungen, Lebensgeschichten und Erfahrungen festzuhalten, bevor sie im Alltag verblassen.
I · Warum wir oft am wenigsten über die Menschen wissen, die uns am nächsten stehen
Die meisten Menschen kennen die Eckdaten ihrer Eltern oder Großeltern. Wo sie geboren wurden. Welchen Beruf sie hatten. Vielleicht noch ein paar Familiengeschichten.
Aber vieles bleibt ungesagt.
Welche Träume hatten sie mit zwanzig? Wie haben sie ihren Partner kennengelernt? Welche Entscheidungen haben ihr Leben verändert? Oder einfach: Welche Familienrezepte sollten nie verloren gehen?
Oft fehlt nicht das Interesse, sondern der richtige Moment. Und genau dieser Moment wird immer wieder verschoben.

Und wenn man später zurückblickt, fehlen oft nicht die großen Fakten, sondern die kleinen Geschichten dazwischen.
II · Vom Investment Banking zur Familien-App: Wie Vedad Taranin auf die Idee kam
Taranin kommt nicht aus der Familienforschung oder aus der Sozialarbeit. Sein Weg verlief zunächst deutlich technischer.
Nach dem Studium mit Schwerpunkt Finance, Entrepreneurship und Innovation arbeitete er zunächst in der Unternehmensberatung, absolvierte einen Master in Norwegen und St. Gallen und wechselte später zu J.P. Morgan. Heute arbeitet er in der Tech- und Produktwelt an digitalen Plattformen, Prozessen und Nutzererlebnissen.
Die Idee zu FamilyStories entstand trotzdem nicht aus einem Marktbericht oder einer Businessanalyse. Sie entstand aus persönlicher Frustration.
Zuerst suchte Taranin nach Möglichkeiten, seine eigenen Eltern zu interviewen. Dann stieß er auf bestehende Lösungen, die ihm entweder zu kompliziert oder nicht flexibel genug erschienen. Gleichzeitig wurde ihm bewusst, dass viele Familien vor demselben Problem stehen.
III · Was FamilyStories eigentlich macht – und warum es mehr ist als ein digitales Archiv
FamilyStories richtet sich an Menschen zwischen etwa 30 und 60 Jahren, die die Lebensgeschichten ihrer Eltern oder Großeltern festhalten möchten.
Das Konzept ist bewusst einfach gehalten, und genauso soll sich auch das Produkt anfühlen: klar, ruhig und so zugänglich, dass auch ältere Menschen ohne technische Vorerfahrung gut damit zurechtkommen.
Der Nutzer beantwortet zunächst einige Fragen über die Person, die interviewt werden soll. Auf Basis dieser Informationen erstellt die App einen individuellen Fragenkatalog. Eltern oder Großeltern können die Fragen anschließend beantworten – entweder schriftlich oder per Spracheingabe. Die Sprachaufnahmen werden automatisch transkribiert und gespeichert.
Besonders wichtig war Taranin dabei der Datenschutz. Als zertifizierter Datenschutzbeauftragter wollte er FamilyStories von Anfang an so entwickeln, dass persönliche Erinnerungen privat bleiben. Alle Inhalte werden Ende-zu-Ende verschlüsselt gespeichert.
Doch langfristig soll FamilyStories mehr werden als ein Archiv.
Als nächster Schritt steht bereits „Momente“ auf dem Plan: eine Funktion, mit der Nutzer alltägliche Erlebnisse, Fotos und kleine Geschichten festhalten und privat mit ihrer Familie teilen können.
IV · Zwischen Vollzeitjob und Start-up: Warum ein Sologründer doppelt planen muss
FamilyStories wird aktuell vollständig von Taranin allein aufgebaut. Ohne Co-Founder. Ohne Entwicklerteam. Ohne Investor.
Das bedeutet: Jede Produktentscheidung muss bewusst getroffen werden. Welche Funktion ist wirklich notwendig? Was macht die App einfacher statt komplizierter? Und wie lässt sich ein emotionales Produkt so bauen, dass es technisch zuverlässig, sicher und für ältere Menschen verständlich bleibt?
Dabei stellte sich schnell heraus, dass die eigentliche Herausforderung nicht nur die Technik ist.

Als Solo-Gründer müssen Entscheidungen besonders bewusst geprüft werden. Ohne Co-Founder, mit dem er Ideen direkt diskutieren kann, muss Taranin über manche Produktentscheidungen bewusst auch mal die eine oder andere Nacht schlafen.
V · Wie beglaubigt.de half, den Fokus auf das Produkt statt auf Bürokratie zu legen
Bei der Gründung wollte Taranin vor allem eines vermeiden: Zeitverlust.
„Ich wollte mich nicht in Formalitäten verlieren. Die wichtigste Arbeit ist, ein Produkt zu bauen, das Familien wirklich nutzen.“
— Vedad Taranin
Besonders positiv blieb ihm dabei die Transparenz des Prozesses in Erinnerung.
Das Dashboard zeigte jederzeit den aktuellen Stand, die nächsten Schritte und welche Unterlagen noch benötigt wurden. Dazu kam ein persönlicher Ansprechpartner, der bei Fragen schnell erreichbar war.
VI · Die Vision hinter FamilyStories: Vom Familienarchiv zum digitalen Erinnerungssystem
In den nächsten Monaten soll zunächst die erste Version der App veröffentlicht werden, doch langfristig denkt Taranin deutlich größer.
FamilyStories soll nicht nur Geschichten aus der Vergangenheit bewahren, sondern auch neue Erinnerungen festhalten. Ein Familienausflug in den Zoo. Der erste Schultag eines Kindes. Ein gemeinsamer Urlaub. All diese Momente könnten künftig automatisch dokumentiert, organisiert und langfristig gespeichert werden.
Das Ziel ist dabei nicht einfach eine weitere Foto-App, sondern ein Ort, an dem Familien ihre Geschichte bewusst festhalten.

Ergänzend soll ein digitaler Stammbaum entstehen, der sich einfach erstellen lässt und Familienbeziehungen visuell verständlich macht.
VII · Was Vedad Taranin anderen Gründern raten würde
Eine Sache hat ihn während der Gründung besonders überrascht: wie viel Unterstützung aus dem eigenen Umfeld kommt, sobald man wirklich anfängt. Gleichzeitig hat er gelernt, dass Gründen vor allem Durchhaltevermögen bedeutet, weil fast jede Aufgabe mehr Geduld und Konsequenz verlangt, als man anfangs erwartet.
Trotzdem würde er denselben Weg wieder gehen.
Denn viele Ideen scheitern nicht daran, dass sie schlecht sind. Sie scheitern daran, dass sie nie umgesetzt werden. Und manchmal reicht eine einzige persönliche Erfahrung aus, um zu erkennen, dass man nicht länger warten sollte.
Bei FamilyStories war es die Erkenntnis, dass manche Fragen nur beantwortet werden können, solange die Menschen, die sie beantworten können, noch da sind.
Kontakt
- Website: www.familystories.love
- LinkedIn Vedad Taranin: https://www.linkedin.com/in/vedad-taranin-232115b4/
- LinkedIn FamilyStories: https://www.linkedin.com/company/familystories/


