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Jobsuche ist längst digital, Orientierung oft nicht: Wie Joshua Sievert mit Utably einen Karrierebegleiter baut, der den Kandidaten vom Berufseinstieg an unterstützt

Kelly Ejiofor

7. Oct 2026

Joshua hatte bereits Großkonzerne bei komplexen IT-Transformationen begleitet, als er beschloss, selbst noch einmal bei null anzufangen. Nach einem Studium in Medizintechnik und Maschinenbau, Stationen in der Automobilindustrie und schließlich in der Beratung, gründete er gemeinsam mit zwei Freunden ein Start-up in London.

Die Idee dahinter entstand aus einem Problem, das auf den ersten Blick längst gelöst scheint: Jobsuche.

Stellen findet man heute innerhalb weniger Sekunden. Lebensläufe lassen sich mit KI erstellen, Bewerbungen digital verschicken und Karriereplattformen liefern Tausende offene Positionen. Was dabei jedoch häufig fehlt, ist die Antwort auf die Fragen davor und danach: Was kann ich eigentlich? Wo will ich hin? Wie erzähle ich meine eigene Geschichte vernünftig? Und wie entwickle ich mich weiter, wenn ich den Job schließlich bekommen habe?

Genau dafür entstand Utably.

Die Entwicklung der ersten Version begann, als Utably noch ein Londoner Start-up war. Doch das Gründerteam merkte irgendwann, dass ihre Lebenssituationen und langfristigen Vorstellungen  nicht mehr zusammenpassten. Die drei trennten sich im Guten. Joshua baute Utably in Deutschland neu auf, passte es an den hiesigen Markt an und entwickelt es heute zunächst allein weiter. Utably sitzt in Leipzig, wird in der EU gehostet und ist von Anfang an auf den europäischen Datenschutz ausgelegt.

Aus der ersten Gründung wurde damit gleichzeitig ein zweiter Anlauf.  Aus einem Tool für Bewerbungen soll langfristig ein digitaler Begleiter werden, der Menschen vom Berufseinstieg an durch ihre Karriere begleitet. 

I · Warum das eigentliche Problem bei der Jobsuche oft beginnt, bevor die erste Bewerbung geschrieben ist

Eine Bewerbung lässt sich heute schneller erstellen als jemals zuvor. Das bedeutet allerdings nicht, dass Menschen besser wissen, auf welche Stelle sie sich überhaupt bewerben sollten.

Joshua sieht genau darin eine Lücke.

Gerade am Anfang der Karriere fehlt vielen Menschen Orientierung. Sie kennen ihre Ausbildung, ihre bisherigen Stationen und vielleicht eine ungefähre Richtung. Schwieriger wird es bei der Frage, welche Fähigkeiten sie tatsächlich auszeichnen, wie sie diese dem potenziellen Arbeitgebern vermitteln und welche nächsten Schritte zu ihnen passen.

Hinzu kommt eine emotionale Ebene, über die im Zusammenhang mit Karriere vergleichsweise selten gesprochen wird.

Jobsuche kann unangenehm sein. Menschen verlieren ihre Stelle, bekommen Absagen oder wissen nicht, wie es weitergeht. Gerade dann fällt es vielen schwer, offen darüber zu sprechen oder das eigene Netzwerk um Unterstützung zu bitten.

„Gerade am Anfang sind Jobsuche und Karriere sehr emotional. “

Utably soll deshalb nicht erst dort beginnen, wo ein fertiger Lebenslauf hochgeladen wird.

Nutzer sollen zunächst besser verstehen können, wer sie sind, welche Fähigkeiten sie besitzen und welche Richtung zu ihnen passen könnte. Darauf baut alles Weitere auf. Die Bewerbung ist dabei nur die erste Etappe. Utably verbindet, was heute über viele Werkzeuge verstreut ist, in einem durchgehenden Workflow: von der Frage nach der eigenen Richtung über die Bewerbung bis in den neuen Job. Begleitet wird dieser Weg von Uta, der KI-Assistenz von Utably. Uta kennt die eigenen Ziele, bereitet auf Gespräche vor und hilft im Anschluss, diese gemeinsam auszuwerten. Dabei geht es Joshua ausdrücklich nicht darum, einen weiteren KI-Lebenslaufgenerator zu bauen. Dokumente sollen die tatsächliche Geschichte einer Person erzählen, statt lediglich bestehende Stichpunkte neu zu formulieren.

Auch nach einer erfolgreichen Bewerbung soll die Plattform relevant bleiben. Gerade in den ersten Berufsjahren fehlt vielen, was gute Führung eigentlich leisten sollte: ehrliches Feedback, klare Ziele und jemand, der nachfragt. Hier setzt der Career Compass an. Er hilft zu verstehen, wo man steht, den nächsten Karriereschritt zu planen und diesen Plan im Alltag zu verfolgen. Herzstück ist ein Drei-Minuten-Journal, ein kurzer Rückblick auf den Tag oder die Woche. Was lief gut? Gab es Schwierigkeiten mit dem Manager? Wurde ein wichtiges Meeting geleitet oder neues Feedback erhalten? Aus diesen Einträgen erkennt Uta Muster und Entwicklungen über die Zeit, spiegelt Fortschritte zurück und schlägt im Wochenrückblick konkrete nächste Schritte vor. So entsteht greifbares Feedback und ein Begleiter, der hilft, am eigenen Plan dranzubleiben und Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen.

Utably soll damit weniger ein Bewerbungswerkzeug als eine Art Karrierebegleiter werden: von der ersten Orientierung bis in den Berufsalltag und darüber hinaus.

II · Warum Karriere kein Einzelprojekt sein muss und Utably Freunde bewusst in die Jobsuche einbezieht

Ein Teil des Problems liegt für Joshua auch darin, wie individuell Karriere heute behandelt wird.

Jeder optimiert seinen eigenen Lebenslauf, sucht seine eigenen Stellen und versucht, die eigene Position möglichst gut darzustellen. Gleichzeitig entstehen viele der besten beruflichen Möglichkeiten über persönliche Empfehlungen und Kontakte.

Utably soll deshalb auch einen Community-Aspekt in die Jobsuche bringen.

Nutzer sollen sich mit Freunden verbinden und sich gegenseitig unterstützen können: Übungs-Interviews miteinander vereinbaren, Unterlagen gegenlesen, passende Stellen weitergeben oder gemeinsam zur Karrieremesse gehen. Wer sich beim selben Unternehmen bewirbt, kann sich austauschen. Was sichtbar ist, entscheidet jeder selbst. Notizen, Gehälter und Absagen bleiben immer privat. Es ist kein öffentliches Forum, sondern ausschließlich der vertraute Kreis. Die Plattform soll damit einen Prozess öffnen, der sich für viele Menschen sonst erstaunlich isoliert anfühlt.

Gerade für Menschen am Anfang ihrer Karriere kann das entscheidend sein. Wer noch kein großes professionelles Netzwerk besitzt, hat häufig trotzdem Freunde, ehemalige Kommilitonen oder Kollegen, die interessante Stellen sehen, Feedback geben oder Kontakte herstellen können.

Joshua möchte diesen ohnehin stattfindenden Austausch strukturierter in das Produkt integrieren. Die ersten Testnutzer stammen teilweise noch aus dem eigenen Umfeld. Parallel versucht er, Kooperationen mit Universitäten aufzubauen, um das Produkt mit Menschen zu testen, die unmittelbar vor dem Einstieg in den Arbeitsmarkt stehen. Langfristig will Joshua Utably für viele zugänglich machen, was Beratungsstellen, wie die Arbeitsagentur, mit ihren begrenzten Kapazitäten oft nur für wenige leisten können. Kooperationen mit öffentlichen Institutionen sind deshalb ein wichtiges Ziel.

III · Vom Londoner Gründerteam zum Solo-Founder in Deutschland: Warum Joshua heute anders über Co-Founder denkt

Utably war ursprünglich kein Solo-Projekt. In London gründete Joshua das Unternehmen gemeinsam mit zwei Freunden. Das Team ergänzte sich gut: Joshua als Ingenieur und Berater mit Verantwortung für Technik, Produkt und die übergeordnete Vision, ein MBA und Hochschullehrer mit Erfahrung in Produkt- und UI/UX-Design sowie ein Spezialist für Suchmaschinenoptimierung, Wachstum und Content. Gemeinsam entwickelten die drei den ersten POC von Utably und brachten ihn samt Browser-Erweiterung für britische Jobbörsen an den Start.

Mit der Zeit zeigte sich, dass sich die Lebenssituationen der drei und die Zeit, die jeder für Utably aufbringen wollte, sich unterschiedlich entwickelten. Statt dies zu überspielen, sprachen sie offen darüber und entschieden sich für eine Trennung. Joshua blickt dankbar auf diese Zeit zurück. 

Joshua began anschließend, Utably in Deutschland  für den hiesigen Markt neu aufzusetzen. Heute baut er Utably zunächst allein weiter und ist offen für neue Mitgründer. 

Die Erfahrung aus London hat seinen Blick darauf verändert, worauf es bei einem Gründerteam tatsächlich ankommt.

„Das Team, ganz klar.“

Für Joshua ist genau das eine der am meisten unterschätzten Herausforderungen beim Gründen. Ein beeindruckender Lebenslauf reicht nicht. Auch eine scheinbar perfekte Verteilung von Kompetenzen garantiert noch nicht, dass Menschen gemeinsam durch schwierige Phasen kommen.

Fachwissen könne man lernen. Schwieriger sei es, Menschen zu finden, die dieselbe Vision tragen und auch dann noch am Produkt arbeiten, wenn es spät wird, das Geld knapp ist oder die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns plötzlich sehr real wirkt.

Gerade weil Joshua diese Erfahrung bereits gemacht hat, weiß er heute genauer, worauf es ankommt: Ein Gründerteam braucht mehr als starke Lebensläufe. Es braucht die passende Lebensphase, die gleiche Bereitschaft, alles zu geben, sowie eine gemeinsame Vision.

IV · Das Produkt steht, aber 60 bis 70 Prozent der Arbeit stecken inzwischen in einem Thema, das Nutzer kaum sehen

Technisch ist Utably inzwischen weit entwickelt. Joshua plant, die Webplattform in absehbarer Zeit live zu bringen; eine Mobile App soll langfristig folgen. Die größte technische Herausforderung liegt inzwischen allerdings nicht mehr unbedingt in den sichtbaren Funktionen. Sie liegt im Hintergrund. Compliance.

Utably verarbeitet Informationen, die kaum sensibler sein könnten. Namen, berufliche Historien, Bewerbungsunterlagen und persönliche Angaben gehören zwangsläufig zu einer Karriereplattform. 

Gleichzeitig arbeitet das Produkt mit künstlicher Intelligenz. Damit treffen Datenschutz, Datensicherheit und Anforderungen des europäischen AI Acts aufeinander.

„60 bis 70 Prozent ist Compliance, der Rest ist Produktentwicklung zum aktuellen Zeitpunkt.“

Für ein junges Unternehmen ist das eine bemerkenswerte Verschiebung.

Joshua recherchiert deshalb intensiv selbst, nutzt KI als Unterstützung und profitiert gleichzeitig von seinem beruflichen Alltag. Parallel zu Utably arbeitet er als Senior Consultant in der Automobilindustrie. Als Application Manager und IT-Projektmanager beschäftigt er sich dort mit Produktion, Prozessautomatisierung und dem verantwortungsvollen Einsatz von KI in Unternehmen. Wie man neue Technologie in stark regulierten Umgebungen sauber einführt, begleitet ihn also auch jenseits von Utably. 

Sein bislang größter Meilenstein in Deutschland klingt deshalb weniger spektakulär als ein großer Funding-Abschluss, ist für das Produkt aber fundamental:

„Ich habe mich erfolgreich durch den Compliance-Dschungel gekämpft.” 

Zumindest so weit, dass der Marktstart näher rückt.

V · Warum KI das Gründen gleichzeitig einfacher und schwieriger gemacht hat

Joshua kennt Produktentwicklung aus Großunternehmen und aus dem Start-up und der Unterschied ist enorm. Noch nie war es so einfach, innerhalb kurzer Zeit erste Software zu bauen. KI-Tools reduzieren technische Einstiegshürden, beschleunigen Entwicklung und ermöglichen kleinen Teams Dinge, für die früher deutlich mehr Personal notwendig gewesen wäre.

Doch damit entsteht ein neues Problem. Wenn jeder schneller bauen kann, gibt es auch mehr Produkte.

„Es gibt 27.000 Tools. Warum sollten Nutzer ausgerechnet meins verwenden?“ 

Genau deshalb lassen sich Produktentwicklung und Vertrauen für Joshua kaum voneinander trennen. Einen MVP zu entwickeln, sei heute vergleichsweise einfach. Ein Produkt in der notwendigen Tiefe zu bauen, Compliance sicherzustellen und gleichzeitig Nutzer davon zu überzeugen, dass genau diese Plattform einen Mehrwert bietet, bleibe hochkomplex.

Besonders als Solo-Founder wird diese Realität sichtbar. Joshua kann nicht gleichzeitig mit voller Kraft Entwickler, CEO und CMO sein. Solange er tief in der Produktentwicklung steckt, fehlt Zeit für Marketing. Sobald das Produkt live ist, muss sich sein eigener Schwerpunkt deshalb verschieben.

„Dann muss ich die Entwicklermütze absetzen und mehr in die CEO- und CMO-Rolle schlüpfen.“

VI · Warum beglaubigt.de beim zweiten Anlauf vor allem eines lösen sollte: keine Zeit mehr an Bürokratie verlieren

Nach der Erfahrung in London wollte Joshua die deutsche Neugründung möglichst pragmatisch abwickeln. Diesmal baute er das Unternehmen allein auf, arbeitete parallel wieder im Consulting und musste gleichzeitig Produktentwicklung, Compliance und den bevorstehenden Launch koordinieren. Zeit für einen weiteren komplizierten Prozess hatte er wenig. Auf beglaubigt.de stieß er über Google. Er informierte sich darüber, welche Schritte für die Unternehmensgründung notwendig waren, sah sich das angebotene Leistungsspektrum an und entschied sich relativ schnell dafür.

„Faire Preise, gute Dienstleistung.  No-Brainer am Ende des Tages.“

Besonders wichtig war ihm dabei nicht, dass während des gesamten Prozesses überhaupt keine Fragen oder Schwierigkeiten auftreten. Sondern wie damit umgegangen wurde.

„Unfassbar guter Support. Anfragen wurden innerhalb von Minuten, spätestens Stunden bearbeitet.“

Für Joshua passte das zu seiner Situation. Die Bürokratie musste erledigt werden – aber sie sollte nicht zum eigentlichen Projekt werden.

VII · Was Joshua anderen Gründern mitgeben würde: Gut, dass man vorher nicht weiß, was alles kommt

Wenn Joshua heute über Gründen spricht, klingt er weder naiv optimistisch noch desillusioniert. Er kennt inzwischen beide Seiten. Die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden können. Die enorme Lernkurve. Das Gefühl, ein Produkt vollständig selbst gestalten zu können. Aber auch die langen Arbeitszeiten, Unsicherheit, Teamkonflikte und die realistische Möglichkeit, dass ein Unternehmen trotz aller Arbeit scheitert.

„Gründen ist anspruchsvoll, die Arbeitszeiten sind unglaublich.  Und vermutlich wird man scheitern.“

Trotzdem würde er es wieder tun. Vielleicht sogar gerade deshalb.

In einem Großkonzern gibt es Sicherheit, Strukturen und klar definierte Verantwortlichkeiten. Ein Start-up zwingt dagegen dazu, sich permanent in neue Themen einzuarbeiten. Heute Produkt. Morgen Datenschutz. Danach Marketing, Finanzierung oder Vertrieb. Joshua glaubt deshalb, dass es sogar hilfreich ist, vor der ersten Gründung nicht vollständig zu verstehen, was auf einen zukommt.

Für ihn überwiegt trotzdem, was man dabei gewinnt. Die Möglichkeit, schneller zu arbeiten. Mehr Verantwortung zu übernehmen. Und sich in einer Breite weiterzuentwickeln, die in klassischen Unternehmensstrukturen kaum möglich wäre.

„Dynamisch und schlecht bezahlt. Aber am Ende des Tages ist das, was man daraus mitnimmt, massiv viel wert.“

Utably selbst steht dabei noch vor seinem wichtigsten Test. Die Plattform muss live gehen, Nutzer gewinnen und beweisen, dass aus der Vision eines digitalen Karrierebegleiters ein Produkt werden kann, das Menschen tatsächlich vom Berufseinstieg an  begleitet. Eine Garantie dafür gibt es nicht.  Nach London, einer Trennung im Gründerteam  und dem kompletten Neustart in Deutschland scheint genau das allerdings kein besonders guter Grund mehr zu sein, es nicht zu versuchen.


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