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Wissenswertes

Gesellschaftsvertrag GbR: Was muss drinstehen und was ist optional?

Alina Hoinski

13. May 2026

Die GbR ist die einzige Gesellschaftsform im deutschen Recht, die ohne schriftlichen Vertrag auskommt — und genau das wird vielen Gründern zum Verhängnis. Wer ohne klare Vereinbarung startet, überlässt die Spielregeln dem Gesetz. Und das gesetzliche Leitbild entspricht selten dem, was beide Partner wirklich wollen. Dieser Artikel zeigt, was ein Gesellschaftsvertrag zwingend enthalten muss, was dringend empfohlen wird und was ihr weglassen könnt. Wer nach dem Lesen direkt loslegen will, kann die eGbR jetzt online gründen.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Was ein Gesellschaftsvertrag ist: Die rechtliche Grundlage eurer Zusammenarbeit — er regelt alles, was das Gesetz offenlässt
  • Was passiert ohne Vertrag: Die gesetzlichen Standardregelungen greifen — gleichmäßige Gewinnverteilung, Gesamtgeschäftsführung, keine Ausstiegsregelung
  • Was zwingend rein muss: Gesellschaftszweck, Gesellschafter, Beiträge und Vertretungsregelung
  • Was ihr nicht vergessen dürft: Gewinnverteilung, Ausstiegsszenarien, Kündigungsfristen und Nachfolgeregelungen

Braucht eine GbR überhaupt einen Gesellschaftsvertrag?

Rechtlich gesehen: nein. Eine GbR entsteht formlos — ohne Vertrag, ohne Notar, ohne Eintragung. Sobald zwei oder mehr Personen gemeinsam unternehmerisch tätig werden, besteht rechtlich eine GbR, ob sie es wissen oder nicht.

Praktisch gesehen: unbedingt ja. Wer ohne Vertrag gründet, akzeptiert die gesetzlichen Standardregelungen nach §§ 705 ff. BGB. Die sehen unter anderem vor: gleiche Gewinnverteilung unabhängig vom tatsächlichen Einsatz, Gesamtgeschäftsführung bei der alle Gesellschafter zustimmen müssen und keine klare Regelung für den Fall, dass ein Partner aussteigen will.

Das ist in der Praxis selten das, was Gründer wirklich wollen. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ersetzt das gesetzliche Leitbild durch eure eigenen Regeln — und schützt beide Partner voreinander. Wie eine saubere Gründung von Anfang an aussieht, beschreibt der Artikel Firma gründen: Die wichtigsten Schritte von der Idee bis zur Eintragung.

Was muss zwingend drinstehen

Diese Punkte sind nicht optional. Ohne sie ist der Gesellschaftsvertrag entweder unwirksam oder so lückenhaft, dass er kaum Schutzwirkung hat.

Gesellschaftszweck

Was macht eure GbR konkret? Der Zweck definiert den Rahmen eurer Zusammenarbeit und entscheidet darüber, welche Geschäfte die Gesellschaft betreiben darf. Er sollte präzise, aber nicht zu eng formuliert sein — sonst schränkt er euch bei der Weiterentwicklung des Geschäfts ein.

Namen und Anschriften der Gesellschafter

Wer ist Teil der Gesellschaft? Vollständige Namen, Adressen und — bei der eingetragenen eGbR — auch die Identifikationsdaten aller Gesellschafter müssen klar benannt sein.

Firma der Gesellschaft

Wie heißt die GbR nach außen? Bei der eingetragenen eGbR ist der Zusatz "eGbR" Pflichtbestandteil des Namens. Bei der klassischen GbR gibt es mehr Freiheit, aber auch hier sollte der Name schriftlich festgehalten werden.

Beiträge der Gesellschafter

Was bringt jeder Partner ein — Geld, Sachleistungen, Arbeitszeit, Know-how? Die Beiträge müssen klar definiert sein, weil sie die Grundlage für Gewinnverteilung und Haftungsausgleich bilden.

Vertretungsregelung

Wer darf die Gesellschaft nach außen vertreten und in welchem Umfang? Ohne Regelung gilt Gesamtvertretung — beide müssen für jeden Vertrag zustimmen. Das ist unpraktisch. Regelt, wer welche Entscheidungen allein treffen darf.

Was dringend empfohlen wird

Diese Punkte sind rechtlich nicht zwingend, aber in der Praxis unverzichtbar. Wer sie weglässt, riskiert Konflikte, die den Bestand der Gesellschaft gefährden.

Gewinnverteilung und Verlustbeteiligung

Ohne Regelung gilt gesetzliche Gleichverteilung — unabhängig davon, wer mehr Arbeit eingebracht hat. Legt schriftlich fest, wie Gewinne und Verluste verteilt werden, und koppelt die Verteilung wenn möglich an die tatsächlichen Beiträge. Wie sich die Gewinnverteilung steuerlich auswirkt, erklärt der Artikel Wie wirkt sich die Rechtsform auf meine Steuerpflichten aus.

Geschäftsführung und Entscheidungsprozesse

Wer führt das Tagesgeschäft? Welche Entscheidungen brauchen Einstimmigkeit, welche kann einer allein treffen? Je klarer diese Regeln, desto weniger Reibung im Alltag.

Kündigungsfristen und Austrittsregelungen

Was passiert, wenn ein Partner aussteigen will? Ohne Regelung kann jeder Gesellschafter jederzeit kündigen — und damit die Auflösung der gesamten GbR auslösen. Legt Kündigungsfristen fest und regelt, ob die Gesellschaft von den verbleibenden Gesellschaftern fortgeführt werden kann.

Abfindungsregelung

Was bekommt ein ausscheidender Gesellschafter? Der Abfindungsanspruch kann erheblich sein und die Liquidität der Gesellschaft belasten. Eine klare Formel im Vertrag verhindert spätere Streitigkeiten.

Wettbewerbsverbot

Darf ein Gesellschafter parallel für Konkurrenten arbeiten oder ein konkurrierendes Unternehmen gründen? Ohne Regelung gibt es kein automatisches Wettbewerbsverbot in der GbR — anders als bei GmbH-Geschäftsführern.

Nachfolgeregelung

Was passiert, wenn ein Gesellschafter stirbt? Ohne Regelung wird die GbR aufgelöst. Mit einer Nachfolgeklausel kann die Gesellschaft von den Erben oder den verbleibenden Gesellschaftern fortgeführt werden.

Was optional ist, aber sinnvoll sein kann

Diese Punkte braucht nicht jede GbR, können aber je nach Konstellation wichtig sein.

Schiedsklausel

Statt vor Gericht zu gehen, können Gesellschafter Streitigkeiten einem Schiedsrichter übertragen. Das ist schneller und diskreter — aber nur sinnvoll, wenn beide Partner das ausdrücklich wollen.

Vorkaufsrecht

Wenn ein Gesellschafter seinen Anteil verkaufen will, haben die anderen Gesellschafter das Recht, diesen zuerst zu erwerben. Verhindert, dass Dritte ungewollt in die Gesellschaft eintreten.

Geheimhaltungsklausel

Besonders relevant für Gesellschaften mit proprietärem Know-how oder Kundendaten. Regelt, welche Informationen die Gesellschafter nicht nach außen tragen dürfen.

Regelung für externe Investoren

Wenn ihr plant, Investoren aufzunehmen, sollte der Vertrag von Anfang an Klauseln für die Aufnahme neuer Gesellschafter enthalten. Das ist die Basis für eine spätere Umwandlung in eine GmbH. Die wichtigsten Dokumente, die ihr dabei sauber aufsetzen solltet, beschreibt der Artikel Die wichtigsten Finanz- und Rechtsdokumente für Start-ups.

Die häufigsten Fehler beim Gesellschaftsvertrag

Zu vage formuliert Ein Gesellschaftsvertrag, der alles "im gegenseitigen Einvernehmen" regeln will, ist wertlos. Je konkreter die Formulierungen, desto weniger Interpretationsspielraum im Streitfall.

Gewinnverteilung nicht an Beiträge gekoppelt

Wer 80 Prozent der Arbeit macht, aber nur 50 Prozent des Gewinns bekommt, wird früher oder später unzufrieden. Eine faire, transparente Formel verhindert das. Typische Fehler bei Gesellschaftsverträgen und Registereintragungen beschreibt der Artikel Typische Fehler bei Handelsregistereintragungen vermeiden.

Keine Ausstiegsregelung

Der häufigste und teuerste Fehler. Wenn ein Partner aussteigen will und der Vertrag keine Regelung enthält, droht die Auflösung der gesamten Gesellschaft.

Veraltete Version nicht aktualisiert

Ein Gesellschaftsvertrag, der sich nicht mit dem Unternehmen weiterentwickelt, wird zum Problem. Regelmäßige Überprüfung und Anpassung sind Pflicht — besonders bei Gesellschafterwechseln, Umsatzwachstum oder Rechtsformwechsel.

Kein Anwalt einbezogen

Muster aus dem Internet sind ein Ausgangspunkt, kein Ersatz für rechtliche Beratung. Besonders bei komplexen Konstellationen — mehrere Gesellschafter, unterschiedliche Beiträge, geplante Investoren — lohnt sich die Investition in einen Anwalt.

So setzt ihr den Gesellschaftsvertrag Schritt für Schritt auf

  1. Gesellschaftszweck und Firmennamen festlegen: Präzise, aber zukunftsoffen formulieren.
  2. Beiträge und Gewinnverteilung klären: Was bringt jeder ein — und wie wird der Kuchen aufgeteilt?
  3. Geschäftsführung und Vertretung regeln: Wer entscheidet was — allein oder gemeinsam?
  4. Ausstiegs- und Nachfolgeszenarien definieren: Kündigungsfristen, Abfindungsformeln, Fortführungsoptionen.
  5. Vertrag notariell beglaubigen lassen: Bei der eingetragenen eGbR ist das Pflicht — bei der klassischen GbR dringend empfohlen. Die Steuernummer und Geschäftsadresse danach sichern.

Was kostet ein Gesellschaftsvertrag?

  • Muster online: kostenlos — aber ohne Garantie auf Vollständigkeit und Rechtssicherheit
  • Anwalt: ca. 300 bis 1.000 Euro je nach Komplexität und Stundenhonorar
  • Notarielle Beglaubigung bei der eGbR: ca. 100 bis 300 Euro Notarkosten plus 30 bis 70 Euro Gerichtsgebühren

Im Verhältnis zu dem, was ein fehlender oder lückenhafter Vertrag kosten kann — Gerichtsverfahren, Abfindungsstreitigkeiten, Gesellschaftsauflösung — ist die Investition in einen sauberen Vertrag immer günstiger. Wer direkt mit der richtigen Struktur starten will, kann die eGbR jetzt online gründen.

GbR oder eGbR: Was ändert sich beim Gesellschaftsvertrag?

Bei der klassischen GbR ist der Gesellschaftsvertrag formfrei — er kann mündlich geschlossen werden, muss aber schriftlich sein, um praktisch verwertbar zu sein.

Bei der eingetragenen eGbR gelten strengere Anforderungen: Die Gesellschafterliste und der Antrag auf Eintragung müssen notariell beglaubigt werden. Das bedeutet nicht, dass der gesamte Gesellschaftsvertrag beurkundet werden muss — aber die Beglaubigung durch den Notar gibt dem Vertrag mehr rechtliches Gewicht.

Insider-Tipp: Wer den Schritt zur eGbR plant, sollte den Gesellschaftsvertrag von Anfang an so aufsetzen, als würde er eingetragen. Das erspart spätere Anpassungen und macht den Eintragungsprozess reibungsloser. Eine detaillierte Entscheidungshilfe zwischen den Rechtsformen bietet der Artikel GmbH oder UG: Welche Rechtsform passt zu mir.

Gründerstory: Kein Investor, kein Tech-Hintergrund — trotzdem gegründet

Wie zwei Sportler mit Circle Up die Lücke zwischen Runclub und WhatsApp-Gruppe geschlossen haben — ohne externes Kapital, aber mit der richtigen Struktur von Anfang an. Ihre Geschichte zeigt, wie ein sauber aufgesetzter Gesellschaftsvertrag den Unterschied macht, wenn es ernst wird.

Die vollständige Geschichte gibt es hier bei unseren Gründerstories.

FAQ: Gesellschaftsvertrag GbR

Ist ein Gesellschaftsvertrag für die GbR verpflichtend?

Nein. Eine GbR entsteht formlos, auch ohne schriftlichen Vertrag. Ohne Vertrag gelten jedoch die gesetzlichen Standardregelungen — die selten dem entsprechen, was die Gesellschafter wirklich wollen.

Muss der Gesellschaftsvertrag einer GbR notariell beurkundet werden?

Für die klassische GbR nicht. Für die eingetragene eGbR muss die Gesellschafterliste und der Eintragungsantrag notariell beglaubigt werden — der Vertrag selbst muss nicht beurkundet sein, aber es ist empfehlenswert.

Was passiert, wenn wir keinen Gesellschaftsvertrag haben?

Es gelten die gesetzlichen Regelungen: gleiche Gewinnverteilung, Gesamtgeschäftsführung und keine Ausstiegsregelung. Im Streitfall entscheiden Gerichte auf Basis dieser Standardregeln — selten zum Vorteil beider Parteien.

Kann ich einen Mustervertrag aus dem Internet verwenden?

Als Ausgangspunkt ja — als fertige Lösung nein. Muster decken keine individuellen Konstellationen ab und enthalten häufig veraltete Klauseln. Eine rechtliche Prüfung ist immer empfehlenswert.

Wie oft sollte der Gesellschaftsvertrag aktualisiert werden?

Bei jedem relevanten Ereignis: Gesellschafterwechsel, Umsatzwachstum, Aufnahme von Investoren oder geplantem Rechtsformwechsel. Mindestens einmal jährlich überprüfen.

Was kostet es, den Gesellschaftsvertrag durch einen Anwalt aufsetzen zu lassen?

In der Regel zwischen 300 und 1.000 Euro — abhängig von der Komplexität der Gesellschaft und dem Stundenhonorar des Anwalts.

Fazit

Ein Gesellschaftsvertrag ist das wichtigste Dokument eurer GbR — und gleichzeitig das am häufigsten unterschätzte. Wer ohne Vertrag startet, überlässt die Spielregeln dem Gesetzgeber. Wer einen lückenhaften Vertrag hat, merkt das spätestens dann, wenn ein Partner aussteigen will oder ein Streit eskaliert. Die Investition in einen sauberen, vollständigen Gesellschaftsvertrag ist immer günstiger als die Folgekosten eines schlechten. Wer die eGbR von Anfang an richtig aufsetzen will, kann jetzt direkt starten — und auf einem soliden rechtlichen Fundament aufbauen.