Zwei Freelancer, eine gemeinsame Idee und die Frage, wie man das Ganze rechtlich sauber aufstellt. Die GbR ist für viele Freelancer-Duos der naheliegendste Einstieg: kein Mindestkapital, keine Pflicht zur Handelsregistereintragung, minimaler bürokratischer Aufwand. Aber genau diese Einfachheit führt dazu, dass viele Gründer wichtige Punkte übersehen und später teuer dafür bezahlen. Wer direkt loslegen will, kann die eGbR jetzt online gründen.

Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Was eine GbR für Freelancer ist: Die einfachste Möglichkeit, als Duo gemeinsam aufzutreten, Aufträge anzunehmen und Einnahmen zu teilen, ohne Stammkapital und ohne Notar
- Was ihr unbedingt braucht: Einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag, eine klare Gewinnverteilung und eine gemeinsame Steuernummer
- Größter Fehler: Ohne Vertrag starten und davon ausgehen, dass alles schon irgendwie geregelt ist
- Für wen es sich lohnt: Für kreative Duos, Beratungsteams und Freelancer, die gemeinsam Projekte akquirieren und langfristig zusammenarbeiten wollen
Was ist eine GbR für Freelancer und wann macht sie Sinn?
Eine GbR entsteht automatisch, sobald zwei oder mehr Personen gemeinsam unternehmerisch tätig werden, auch ohne Vertrag, auch ohne Eintragung. Das klingt praktisch, ist aber auch eine Falle: Wer gemeinsam Projekte annimmt und Rechnungen schreibt, betreibt rechtlich gesehen bereits eine GbR, ob er es weiß oder nicht.
Für Freelancer-Duos ist die GbR die einfachste Möglichkeit, gemeinsam aufzutreten. Sie ist schnell gegründet, kostet kein Stammkapital und lässt sich flexibel gestalten. Wer langfristig zusammenarbeitet, gemeinsames Vermögen aufbaut oder professionelle Außenwirkung braucht, sollte die eingetragene eGbR in Betracht ziehen.
Ob eine Gewerbeanmeldung notwendig ist oder ihr als Freiberufler agiert, macht einen erheblichen Unterschied — steuerlich und rechtlich. Eine klare Einordnung bietet der Artikel Gewerbeanmeldung vs. Freiberuflichkeit: Was passt zu deinem Business.
GbR oder eGbR: was ist für Freelancer-Duos besser?
Die klassische GbR reicht für viele Freelancer-Duos aus — zumindest am Anfang. Sobald ihr gemeinsam Vermögen aufbaut, Mitarbeiter einstellt oder Immobilien kauft, ist die eingetragene eGbR die deutlich sicherere Wahl.

Klassische GbR: Kein Register, kein Notar, sofort einsatzbereit. Ideal für kurzfristige Projekte und kleine Kooperationen ohne gemeinsames Vermögen.
Eingetragene eGbR: Offiziell im Gesellschaftsregister eingetragen, gesetzlich klar geregelt seit dem MoPeG 2024. Immobilien und Rechte können direkt auf die Gesellschaft eingetragen werden. Stärkt das Vertrauen bei Banken und Geschäftspartnern.
Insider-Tipp: Wer heute eine eGbR gründet, legt gleichzeitig die Basis für eine spätere Umwandlung in eine GmbH. Die Strukturen sind bereits formalisiert, das spart Zeit und Kosten beim Rechtsformwechsel.
Checkliste: Das müsst ihr vor der Gründung klären
Bevor ihr die erste gemeinsame Rechnung schreibt, sollten diese Punkte geklärt sein.
Gesellschaftsvertrag aufsetzen
Auch wenn er nicht gesetzlich vorgeschrieben ist: Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist das Fundament eurer Zusammenarbeit. Er regelt Gewinnverteilung, Entscheidungsprozesse, Kündigungsfristen und was passiert, wenn einer der Partner aussteigt.
Gewinnverteilung festlegen
Wie wird der Gewinn aufgeteilt? 50/50 ist nicht immer die fairste Lösung — besonders wenn einer mehr Arbeit einbringt als der andere. Regelt das schriftlich, bevor es zum ersten Streit kommt.
Haftung klären
In einer GbR haften beide Gesellschafter persönlich und unbeschränkt — auch für Fehler des anderen. Das bedeutet: Wenn dein Partner einen Schaden verursacht, haftest du mit deinem Privatvermögen. Wer das vermeiden will, braucht eine GmbH oder UG. Wie sich die Rechtsformwahl auf Steuerpflichten auswirkt, erklärt der Artikel Wie wirkt sich die Rechtsform auf meine Steuerpflichten aus.
Steuernummer beantragen
Eine GbR braucht eine eigene Steuernummer beim Finanzamt. Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung kann man heute vollständig digital als Steuernummer beantragen.
Gewerbeanmeldung prüfen
Ob ihr ein Gewerbe anmelden müsst, hängt von eurer Tätigkeit ab. Freiberufler wie Journalisten, Designer oder Berater sind häufig von der Gewerbeanmeldung befreit. Wann eine Gewerbeanmeldung Pflicht ist, erklärt der Artikel Wann ist eine Gewerbeanmeldung Pflicht.
Geschäftsadresse sichern
Eine ladungsfähige Geschäftsadresse ist Pflicht für Impressum, Behördenpost und Verträge. Wer keine eigene Büroadresse hat, kann eine professionelle Geschäftsadresse nutzen.
Bankverbindung einrichten
Ein gemeinsames Geschäftskonto trennt private und geschäftliche Finanzen und macht die Buchhaltung erheblich einfacher.
Die häufigsten Fehler beim GbR gründen als Freelancer-Duo

Fehler 1: Kein schriftlicher Gesellschaftsvertrag
Die häufigste und teuerste Nachlässigkeit. Ohne Vertrag gilt das gesetzliche Leitbild — und das entspricht selten dem, was beide Partner wirklich wollen. Besonders bei Themen wie Gewinnverteilung, Kündigung und Haftung entstehen ohne klare Regelung schnell Konflikte.
Fehler 2: Scheinselbstständigkeit nicht ausschließen
Wenn ein Freelancer dauerhaft nur für einen Auftraggeber arbeitet und dabei in dessen betriebliche Abläufe eingebunden ist, droht Scheinselbstständigkeit — mit erheblichen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen. Was Scheinselbstständigkeit bedeutet und wie ihr sie vermeidet, erklärt der Artikel Was bedeutet Scheinselbstständigkeit und wie vermeide ich sie.
Fehler 3: Haftungsrisiko unterschätzen
Viele Freelancer-Duos sind sich nicht bewusst, dass sie für die Fehler ihres Partners persönlich haften. Eine berufliche Haftpflichtversicherung ist für Freelancer-GbRs deshalb kein Nice-to-have, sondern ein Muss.
Fehler 4: Keine klare Ausstiegsregelung
Was passiert, wenn einer der Partner aussteigen will? Ohne Regelung im Gesellschaftsvertrag kann das zur Auflösung der gesamten GbR führen. Regelt Kündigungsfristen, Abfindungen und die Fortführung der Gesellschaft von Anfang an.
Fehler 5: Steuern nicht getrennt planen
Die GbR selbst zahlt keine Einkommensteuer — jeder Gesellschafter versteuert seinen Anteil am Gewinn individuell. Das bedeutet: Beide Partner müssen selbst vorsorgen und Rücklagen für Steuervorauszahlungen bilden. Die wichtigsten Finanz- und Rechtsdokumente, die ihr von Anfang an sauber aufsetzen solltet, beschreibt der Artikel Die wichtigsten Finanz- und Rechtsdokumente für Start-ups.
So gründet ihr eure GbR: Schritt für Schritt

- Gesellschaftsvertrag aufsetzen: Regelt Zweck, Gesellschafter, Gewinnverteilung, Haftung und Ausstiegsszenarien. Notarielle Beurkundung ist nicht verpflichtend, aber empfehlenswert.
- Steuernummer beim Finanzamt beantragen: Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung digital einreichen. Die GbR bekommt eine eigene Steuernummer.
- Gewerbeanmeldung prüfen und ggf. einreichen: Bei gewerblicher Tätigkeit beim zuständigen Gewerbeamt anmelden. Freiberufler sind häufig ausgenommen.
- Geschäftskonto eröffnen: Ein gemeinsames Konto trennt private und geschäftliche Finanzen und vereinfacht die Buchhaltung.
- Geschäftsadresse und Impressum einrichten: Eine ladungsfähige Adresse ist Pflicht für alle Außenauftritte, von der Website bis zum Briefkopf.
Was kostet die Gründung einer GbR als Freelancer-Duo?
Die klassische GbR ist die günstigste aller Gesellschaftsformen. Kein Stammkapital, kein Notarzwang, keine Handelsregistereintragung.
- Gesellschaftsvertrag (Muster): kostenlos bis ca. 200 Euro beim Anwalt
- Gewerbeanmeldung: ca. 20 bis 60 Euro je nach Gemeinde
- Steuernummer: kostenlos
- Geschäftskonto: je nach Anbieter kostenlos bis ca. 20 Euro im Monat
Wer die eGbR eintragen lassen will, kommt mit Notarkosten von 100 bis 300 Euro und Gerichtsgebühren von 30 bis 70 Euro aus und hat dafür deutlich mehr Rechtssicherheit. Im Vergleich zu einer GmbH-Gründung mit Stammkapital von 25.000 Euro und Gründungskosten von 1.000 bis 2.500 Euro ist die eGbR der günstigere Einstieg.
GbR, eGbR oder GmbH: Was passt zu eurem Freelancer-Duo?
Frage 1: Wie hoch ist das Haftungsrisiko eurer Arbeit?
Bei hohem Schadenspotenzial — zum Beispiel in der Rechts- oder Technikberatung — ist eine GmbH oder UG mit Haftungsbeschränkung sinnvoller.
Frage 2: Plant ihr gemeinsames Vermögen aufzubauen?
Dann ist die eGbR die bessere Wahl gegenüber der klassischen GbR. Immobilien und Rechte können direkt auf die Gesellschaft eingetragen werden.
Frage 3: Wie wichtig ist die Außenwirkung?
Investoren und große Unternehmenskunden bevorzugen GmbHs. Für kreative Duos, Beratungsteams und Freelancer in der Frühphase ist die eGbR der smartere Einstieg — mit minimalem Aufwand und maximaler Flexibilität. Eine detaillierte Entscheidungshilfe bietet der Artikel GmbH oder UG: Welche Rechtsform passt zu mir.
Gründerstory: Kein Investor, kein Tech-Hintergrund — trotzdem gegründet
Zwei Sportler, eine Lücke im Markt und der Mut, einfach anzufangen. Die Geschichte von Circle Up zeigt, wie man ohne Investor und ohne technischen Hintergrund eine funktionierende Gesellschaft aufbaut — mit der richtigen Struktur von Anfang an.
Die vollständige Geschichte gibt es hier bei unseren Gründerstories.

FAQ: GbR gründen als Freelancer-Duo
Brauchen wir einen Notar für die GbR-Gründung?
Nein. Die klassische GbR entsteht formlos, auch ohne Notar und ohne Eintragung. Für die eingetragene eGbR ist eine notarielle Beglaubigung der Gesellschafterliste notwendig.
Können zwei Freiberufler eine GbR gründen?
Ja. Zwei oder mehr Freiberufler können gemeinsam eine GbR gründen. Ob eine Gewerbeanmeldung notwendig ist, hängt von der konkreten Tätigkeit ab.
Wie wird der Gewinn in einer GbR versteuert?
Die GbR selbst zahlt keine Einkommensteuer. Jeder Gesellschafter versteuert seinen Gewinnanteil individuell in seiner persönlichen Einkommensteuererklärung.
Was passiert, wenn einer der Partner aussteigt?
Ohne Regelung im Gesellschaftsvertrag kann das zur Auflösung der gesamten GbR führen. Deswegen ist eine klare Ausstiegsregelung im Gesellschaftsvertrag unverzichtbar.
Haften wir für Fehler des anderen?
Ja. In einer GbR haftet jeder Gesellschafter persönlich und unbeschränkt — auch für Fehler des Partners. Eine berufliche Haftpflichtversicherung ist daher dringend empfohlen.
Kann eine GbR Mitarbeiter einstellen?
Ja. Eine GbR kann Mitarbeiter einstellen und ist dann als Arbeitgeber zugelassen.
Fazit
Die GbR ist für Freelancer-Duos der unkomplizierteste Einstieg in die gemeinsame Selbstständigkeit — vorausgesetzt, ihr macht es richtig. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag, eine klare Haftungsklärung und eine saubere steuerliche Aufstellung sind keine Kür, sondern Pflicht. Wer langfristig zusammenarbeitet und gemeinsam Vermögen aufbaut, sollte die eingetragene eGbR von Anfang an in Betracht ziehen. Der Mehraufwand ist gering, die Rechtssicherheit erheblich. Jetzt eGbR gründen und auf einem soliden Fundament starten.


