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Gründerstory

Als eine falsche Quellenangabe zur Gründungsidee wurde: Wie Lilli Kiessling und Constantin Rohrbach den wissenschaftlichen Review-Prozess neu denken wollen

Kelly Ejiofor

19. Jun 2026

Eigentlich suchte Lilli Kiessling nur eine Zahl.

Während ihrer Masterarbeit in Stanford arbeitete sie an einem Thema aus der Retina Forschung und brauchte die Anzahl bestimmter Nervenzellen in einer Ratte. Also machte sie das, was Forschende jeden Tag tun: Sie folgte den Quellen. Ein Paper verwies auf ein anderes, das wiederum auf eine ältere Studie verwies. Doch als sie schließlich beim Original ankam, stellte sie fest, dass die zitierte Zahl dort überhaupt nicht stand.

Dann passierte es wieder.

Und wieder.

Je tiefer sie suchte, desto häufiger fand sie fehlerhafte oder falsch interpretierte Quellenangaben. Teilweise verwiesen wissenschaftliche Arbeiten auf Aussagen, die in den Originalstudien nie getroffen worden waren.

Für Lilli Kiessling stellte sich irgendwann nicht mehr die Frage, warum das passiert. Sondern warum niemand etwas dagegen unternimmt.

I · Warum fehlerhafte Zitate plötzlich zu einem der größten Probleme moderner Forschung geworden sind

Wissenschaft basiert auf Vertrauen. Jede Studie baut auf vorheriger Forschung auf, jedes Paper verweist auf bestehende Erkenntnisse. Genau deshalb werden Zitate und Quellenangaben im wissenschaftlichen Review-Prozess so ernst genommen.

Zumindest theoretisch.

In der Praxis stehen Forschende heute vor einem neuen Problem: Immer mehr wissenschaftliche Texte werden mit KI-Systemen geschrieben oder unterstützt. Gleichzeitig tauchen zunehmend halluzinierte Quellen, falsche Referenzen oder fehlerhafte Interpretationen auf. Selbst renommierte Wissenschaftler diskutieren mittlerweile öffentlich darüber, wie sich die Qualität wissenschaftlicher Publikationen langfristig sichern lässt.

Für Lilli Kiessling war das keine abstrakte Debatte.

II · Wie sich eine Stanford-Forscherin und ein erfahrener Gründer zusammenfanden

Während Lilli Kiessling das Problem aus ihrer Forschung heraus erkannte, brachte Constantin Rohrbach bereits Erfahrung aus früheren Gründungen mit.

Constantin Rohrbach hatte bereits vor mehreren Jahren sein erstes Unternehmen aufgebaut und beschäftigt sich intensiv mit Venture Capital, Unternehmensentwicklung und den typischen Herausforderungen früher Wachstumsphasen. Was ihm damals fehlte, war die Orientierung bei der eigentlichen Gründung. Genau diese Erfahrung hilft ihm heute dabei, Prozesse strukturierter aufzubauen und typische Fehler frühzeitig zu vermeiden.

Und so entstand CiteLM.

Die beiden ergänzen sich dabei bemerkenswert gut.

Lilli Kiessling bringt die wissenschaftliche Perspektive und die technische Produktentwicklung mit. Constantin Rohrbach fokussiert sich stärker auf Strategie, Skalierung und Unternehmensaufbau. Während Lilli Kiessling aktuell aus den USA heraus arbeitet und dort Kontakte in die Technologiebranche und zu Investoren aufbaut, koordiniert Constantin Rohrbach von Berlin aus den Unternehmensaufbau und baut aktiv ein potenzielles Investorennetzwerk auf.

Was beide verbindet, ist die Überzeugung, dass wissenschaftliche Qualität kein Problem ist, das man einfach akzeptieren sollte.

III · Was ist CiteLM?: Eine KI, die wissenschaftliche Aussagen überprüft

Das Produkt befindet sich aktuell noch im Stealth-Modus. Einige zentrale Funktionen beschreiben die Gründer jedoch bereits.

Im Kern soll die Plattform wissenschaftliche Review-Prozesse automatisieren und unterstützen. Sie überprüft Quellenangaben, erkennt falsche Aussagen, identifiziert halluzinierte Referenzen und hilft dabei, wissenschaftliche Arbeiten systematisch auf Fehler zu prüfen.

Das Ziel ist dabei nicht, Wissenschaftler zu ersetzen. Sondern ihnen ein Werkzeug zu geben, das dieselbe Technologie nutzt, die das Problem teilweise erst geschaffen hat.

Oder wie Constantin Rohrbach es formuliert:

IV · Warum Teamstruktur oft wichtiger ist als die eigentliche Idee

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus früheren Gründungen brachte Constantin Rohrbach direkt in das neue Unternehmen ein.

Viele Gründer konzentrieren sich zu Beginn fast ausschließlich auf die Idee. Viel seltener sprechen sie darüber, wie Zusammenarbeit funktioniert, wer welche Verantwortung trägt oder wie man Konflikte löst, bevor sie entstehen.

Genau das wollten die beiden diesmal anders machen.

Die Rollen sind klar verteilt, Entscheidungsbereiche definiert und auch unangenehme Themen werden früh angesprochen. Wer trifft welche Entscheidungen? Wie geht man mit schwierigen Situationen um? Welche langfristige Vision verfolgt das Unternehmen?

Für Constantin Rohrbach gehört genau diese Offenheit zu den wichtigsten Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum.

V · Wie beglaubigt.de half, den Fokus auf das CiteLM statt auf Bürokratie zu legen

Die Gründung selbst sollte möglichst schnell über die Bühne gehen.

Beide wollten ihre Energie lieber in Produktentwicklung und Kundenkontakte investieren als in Behördenprozesse. Gleichzeitig hatten sie unterschiedliche Vorerfahrungen mit Gründungen gesammelt und wussten, wie viel Zeit durch widersprüchliche Informationen, Formulare und Rückfragen verloren gehen kann.

Über eine Internetrecherche stießen sie schließlich auf beglaubigt.de.

Besonders positiv blieb dabei die Geschwindigkeit des Prozesses in Erinnerung.

Constantin Rohrbach hebt vor allem hervor, dass sie während der gesamten Gründung einen festen Ansprechpartner hatten.

„Man konnte sich eher auf das Start-up fokussieren und nicht auf die ganzen bürokratischen Prozesse.“
— Constantin Rohrbach, Gründer von CiteLM

VI · Die Vision: Ein weltweit genutzter Standard für wissenschaftliche Qualitätssicherung

Kurzfristig steht zunächst der Produktlaunch im Mittelpunkt.

Pilotkunden testen bereits erste Versionen, Feedback wird gesammelt und die letzten rechtlichen Rahmenbedingungen werden abgeschlossen. Danach soll die Plattform zunächst in Deutschland und den USA wachsen.

Langfristig denken beide deutlich größer.

Research findet weltweit statt. Entsprechend soll auch das Produkt weltweit eingesetzt werden. Europa, Nordamerika und anschließend weitere Märkte stehen auf der Roadmap. Parallel soll das Team wachsen – insbesondere im technischen Bereich.

Die Vision ist klar formuliert:

Die führende Plattform für automatisierte wissenschaftliche Review-Prozesse zu werden.

VII · Was Lilli Kiessling und Constantin Rohrbach anderen Gründern mitgeben würden

Wer gründet, bekommt viele Ratschläge. Die meisten drehen sich um Finanzierung, Wachstum oder Produktentwicklung. Für Lilli Kiessling liegt der wichtigste Punkt woanders.

Natürlich braucht es Durchhaltevermögen. Natürlich werde es Phasen geben, in denen Dinge langsamer laufen als geplant. Aber aus ihrer Sicht entscheidet vor allem die eigene Denkweise darüber, wie man mit diesen Situationen umgeht.

Während Constantin Rohrbach betont, wie wichtig Kommunikation und klare Rollenverteilungen im Gründerteam sind, beschreibt Kiessling eine Haltung, die sich durch ihre gesamte Geschichte zieht. Schließlich begann das Unternehmen nicht mit einem Businessplan, sondern mit einem Problem, über das sie sich so lange geärgert hatte, bis sie beschloss, es selbst zu lösen.

Und vielleicht steckt genau darin die eigentliche Gründermentalität.

„Es gibt keine Probleme. Es gibt nur Hindernisse, die zu überwinden sind.“
— Lilli Kiessling, Gründer von CiteLM

Eine Denkweise, die ziemlich gut erklärt, warum aus einer fehlerhaften Quellenangabe am Ende ein Start-up entstanden ist.

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