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Gründerstory

Wie Benjamin Kapell die Gepäckaufbewahrung neu denken will – und warum eine Handvoll Sneaker der Anfang von Keeper Lockers war

Kelly Ejiofor

3. Aug 2026

Jahrelang verliefen Benjamins Wochenenden nach demselben Muster. Freitags fuhr er von Berlin nach Hamburg, um seine Freundin zu besuchen. Samstags stand zunächst etwas auf dem Plan, das mit Romantik wenig zu tun hatte: limitierte Sneaker kaufen.

Am Ende des Tages trug er zehn Paar Schuhe in jeder Hand durch die Hamburger Innenstadt bis zum Hauptbahnhof. Dort begann jedes Mal dieselbe Prozedur. Schließfach suchen, passende Münzen bereithalten, Gepäck verstauen und hoffen, den Schlüssel später nicht zu verlieren.

Während er vor den Schließfächern stand, beobachtete er eine Frau, die genau dieses Problem hatte. Sie hatte ihren Schlüssel verloren und kam nicht mehr an ihr Gepäck.

Für Benjamin Kapell war das einer dieser seltenen Momente, in denen aus einem alltäglichen Ärgernis plötzlich eine Geschäftsidee wird.

Heute entwickelt der 20-Jährige mit Keeper Lockers eine neue Generation digitaler Schließfächer, mit dem Ziel, Reisen einfacher und flexibler zu machen.

Was Keeper Lockers eigentlich anders macht als bestehende Schließfächer

Auf den ersten Blick wirken Schließfächer wie ein gelöstes Problem.

Sie stehen an Bahnhöfen, Flughäfen und touristischen Orten in ganz Europa. Trotzdem funktionieren sie heute fast genauso wie vor zwanzig Jahren. Man bezahlt einen festen Tagespreis. Ob das Gepäck zwei Stunden oder einen ganzen Tag dort liegt, spielt kaum eine Rolle.

Für Benjamin ergibt das wenig Sinn.

Gerade Städtereisende benötigen ihre Gepäckaufbewahrung oft nur für wenige Stunden – etwa zwischen Hotel-Check-out und Rückfahrt oder während eines kurzen Aufenthalts in der Innenstadt. Genau dort setzt Keeper Lockers an.

Das Unternehmen entwickelt digitale Schließfächer, die minutengenau abrechnen. Erst wenn eine bestimmte Nutzungsdauer erreicht ist, greift automatisch der reguläre Tagestarif. Für Benjamin geht es dabei nicht nur um günstigere Preise. Es geht um Fairness.

„Wir sind einfach extrem user-centric.“

Langfristig soll daraus jedoch deutlich mehr entstehen als ein neues Preismodell. Keeper Lockers versteht sich als moderne Infrastruktur für Reisende – digital, flexibel und ohne die typischen Hürden klassischer Gepäckaufbewahrung.

Warum Benjamin nicht das nächste KI-Start-up bauen wollte

Dass Benjamin gründet, überrascht eigentlich nicht.

Bereits mit 16 Jahren baute er sein erstes Unternehmen auf. Damals kaufte und verkaufte er limitierte Sneaker – ursprünglich aus einem ganz einfachen Grund: Er wollte genug Geld verdienen, um regelmäßig seine damalige Freundin in Hamburg besuchen zu können.

Aus diesem Nebenprojekt entwickelte sich schnell ein echtes Geschäft. Nach dem Abitur zog es ihn an die Code University nach Berlin. Dort entstehen jedes Jahr zahlreiche Software-Start-ups, viele davon rund um künstliche Intelligenz.

Benjamin entschied sich bewusst dagegen.

Nicht, weil er KI uninteressant findet. Sondern weil ihn etwas anderes antreibt.

„Ich mache lieber das, wo ich selber diesen Pain gespürt habe.“

Keeper Lockers entstand deshalb nicht aus einem Trend, stattdessen aus einem Problem, das ihn über Jahre selbst begleitet hatte.

Der schwierigste Teil war nicht die Technik, sondern die richtigen Menschen zu finden

Die eigentliche Produktentwicklung lief überraschend gut. Was Benjamin deutlich stärker beschäftigte, war die Zusammenarbeit mit anderen.

Zu Beginn arbeitete er mit mehreren Mitgründern zusammen. Rückblickend beschreibt er diese Phase als sein größtes Learning. Nicht jede Person, die eine Idee spannend findet, teilt auch dieselbe langfristige Vision.

Heute arbeitet Benjamin deshalb mit einem kleinen Team aus Spezialisten zusammen – darunter ein Hardwareentwickler, dessen Bachelorarbeit sich bereits mit Smart Lockern beschäftigte, ein Backend-Entwickler sowie zwei Branding-Interns. Statt sofort langfristige Verträge abzuschließen, setzt er zunächst bewusst auf eine gemeinsame Testphase.

„Ich würde heute viel genauer schauen, mit wem ich zusammenarbeite.“

Für ihn ist das keine Frage von Sympathie, sondern von gemeinsamen Zielen.

Warum ausgerechnet die Deutsche Bahn heute zu den wichtigsten Partnern gehört

Einer der bisher größten Meilensteine wirkt fast ironisch.

Keeper Lockers entstand ursprünglich aus Frust über die Schließfächer der Deutschen Bahn. Heute arbeitet das Unternehmen mit DB mindbox, dem Innovationsprogramm der Deutschen Bahn, zusammen.

Für Benjamin ist das mehr als nur eine Kooperation. Es ist der erste Beweis dafür, dass die Idee nicht nur bei Reisenden funktioniert, sondern auch von etablierten Akteuren ernst genommen wird. Noch wichtiger ist für ihn allerdings das direkte Feedback potenzieller Nutzer. Immer wieder erzählen ihm Menschen dieselbe Geschichte: zu teuer, zu unflexibel, zu umständlich.

„Viele sagen einfach: Bitte zieh das durch.“

Genau diese Gespräche geben ihm das Gefühl, an einem echten Problem zu arbeiten.

Die Rolle von beglaubigt.de

Die eigentliche Unternehmensgründung wollte Benjamin möglichst unkompliziert hinter sich bringen.

Über das Young Founders Network (YFN) sowie ein Gespräch mit einem Mitarbeiter von beglaubigt.de lernte er den Service kennen. Ausschlaggebend war für ihn vor allem die Geschwindigkeit.

Statt wochenlang auf Termine beim Notariat zu warten und jeden Schritt selbst koordinieren zu müssen, wollte er seine Zeit lieber in den Aufbau des Unternehmens investieren.

Für einen Gründer, der ohnehin parallel Produkt, Hardware, Software und Partnerschaften koordiniert, war genau das entscheidend.

Die Vision: Nicht Schließfächer bauen, sondern Reisen leichter machen

Wenn Benjamin über die Zukunft spricht, redet er erstaunlich selten über Umsatz oder Standorte. Natürlich soll Keeper Lockers irgendwann in den wichtigsten europäischen Tourismus Städten vertreten sein – von Berlin über Paris bis nach Rom oder London.

Doch das eigentliche Ziel beschreibt er ganz anders.

Für ihn bedeutet Reisen vor allem Freiheit. Und genau diese Freiheit geht verloren, sobald man den ganzen Tag einen schweren Koffer hinter sich herziehen muss.

Es geht ihm deshalb weniger darum, möglichst viele Schließfächer aufzustellen. Sondern darum, den Moment zwischen Ankunft und Abreise wieder nutzbar zu machen.

Was Benjamin heute jedem Gründer raten würde

Seinen wichtigsten Rat hat Benjamin nicht aus einem Buch. Er stammt aus einem Praktikum in China. Dort sagte ihm sein damaliger Chef einen Satz, der ihn bis heute begleitet:

„Du musst Situationen immer mitnehmen.“

Für Benjamin bedeutet das, Chancen nicht deshalb verstreichen zu lassen, weil man sich noch nicht bereit fühlt. Natürlich werde man Fehler machen. Natürlich werde man scheitern. Aber genau dort entsteht das eigentliche Lernen.

Vielleicht erklärt genau das auch, warum aus einem Studenten mit einer Handvoll Sneaker irgendwann ein Gründer wurde, der die Art verändern möchte, wie Millionen Menschen künftig reisen. 


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