Bereits über 25.000 Beglaubigt.de Kund:innen
Google 4.9 von 5 Sterne bewertetStars
beglaubigt.de
Gründerstory

Als ihre Mutter Osteoporose bekam, begann Julia Keller zu recherchieren – heute baut sie mit HerPhase eine Gesundheits-App speziell für Frauen

14. Sep 2026

Julia Keller hatte nicht vor, ein Health-Tech-Start-up zu gründen. Eigentlich wollte sie verstehen, was im eigenen Körper passiert.

Als Ingenieurin ist sie es gewohnt, Systeme auseinanderzunehmen, Zusammenhänge zu verstehen und aus Informationen konkrete Lösungen abzuleiten. In ihrer Freizeit beschäftigte sie sich deshalb immer intensiver mit Ernährung, Training und der Frage, was Menschen langfristig gesund, belastbar und energiegeladen hält. Dabei stieß sie immer wieder auf Wissen, das wissenschaftlich verfügbar war, im Alltag vieler Frauen aber kaum ankam.

Dann bekam ihre Mutter Osteoporose.

Julia begann erneut zu recherchieren und stieß auf Trainingsansätze, die gezielt auf den Erhalt und Wiederaufbau der Knochendichte ausgerichtet waren. Ihre Mutter setzte das Programm konsequent um – und konnte ihre Werte nach Julias Schilderung so verbessern, dass sich ihre Diagnose von Osteoporose zur Vorstufe Osteopenie entwickelte.

Für Julia war das der Moment, in dem aus persönlichem Interesse ein größeres Problem wurde.

„Ich dachte mir: Boah, krass. Das hat ihr Arzt nicht gewusst und niemand gewusst.“

Heute baut sie gemeinsam mit ihrer Co-Founderin HerPhase auf: eine Plattform, die wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Ernährung und Training speziell für Frauen in konkrete, personalisierte Empfehlungen übersetzen soll. Nicht als weitere Sammlung abstrakter Gesundheitsinformationen, sondern als Begleiter, der daraus eine viel einfachere Frage beantwortet: Was bedeutet dieses Wissen eigentlich für meinen Alltag?

I · Warum Frauen heute auf mehr Gesundheitsinformationen zugreifen können – und trotzdem oft keine konkrete Antwort bekommen

Das Problem, das Julia lösen möchte, ist zunächst paradox. Noch nie waren so viele Informationen über Ernährung, Training und Gesundheit frei verfügbar. Studien lassen sich online finden, Ärztinnen und Wissenschaftler teilen ihr Wissen über Podcasts und soziale Netzwerke, und nahezu jede gesundheitliche Frage führt innerhalb von Sekunden zu Tausenden Suchergebnissen.

Mehr Information bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Orientierung.

Gerade bei Frauengesundheit sieht Julia eine Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischem Alltag. Viele Empfehlungen basierten historisch auf Daten, die nicht ausreichend zwischen männlichen und weiblichen Körpern differenzierten. Gleichzeitig unterscheiden sich hormonelle Voraussetzungen, Nährstoffbedürfnisse und körperliche Veränderungen teilweise erheblich.

Julia kennt das aus eigener Erfahrung. Sie hatte beispielsweise immer wieder mit Eisenmangel zu tun. Dass Eisen wichtig ist, wissen viele. Weniger selbstverständlich sei jedoch das Wissen darüber, welche weiteren Faktoren beeinflussen, wie gut der Körper bestimmte Nährstoffe tatsächlich aufnehmen kann.

Genau diese Details machen für sie den Unterschied zwischen allgemeinem Gesundheitswissen und einer Empfehlung, die im Alltag tatsächlich hilfreich ist.

Hinzu kommt ein zweites Problem: Selbst wenn eine Frau weiß, welche Nährstoffe oder Trainingsformen für sie sinnvoll wären, beginnt danach erst die eigentliche Arbeit. Welche Mahlzeit erfüllt diese Anforderungen? Welche Rezepte schmecken? Wie lässt sich das mit einem normalen Arbeitstag vereinbaren? Welches Training passt dazu?

HerPhase soll genau diese Übersetzungsarbeit übernehmen.

II · Von der Ingenieurin zur Health-Tech-Gründerin: Warum aus persönlicher Recherche irgendwann ein Unternehmen wurde

Julia arbeitet weiterhin Vollzeit als Ingenieurin bei Helsing. Die Gründung entstand also nicht aus einer beruflichen Auszeit oder dem Wunsch, möglichst schnell den klassischen Job zu verlassen.

Das Thema Gesundheit entwickelte sich zunächst vollkommen unabhängig davon.

Sport gehört seit Jahren zu ihrem Leben. Besonders das Kitesurfen spielt dabei eine große Rolle. Für Julia war körperliche Leistungsfähigkeit deshalb nie nur eine abstrakte Frage nach Gesundheit, sondern etwas sehr Praktisches: stark sein, Verletzungen vermeiden, genügend Energie haben und dem eigenen Körper langfristig vertrauen können.

Je tiefer sie sich in Nutrition und Training einlas, desto stärker entstand jedoch der Eindruck, dass dieses Wissen für die meisten Menschen unnötig schwer zugänglich ist.

Der Fall ihrer Mutter gab schließlich den entscheidenden Anstoß. Julia hatte über Osteoporose und Knochendichte recherchiert und war auf einen Ansatz der Ärztin und Forscherin Dr. Vonda Wright gestoßen. Ihre Mutter begann daraufhin, gezielter zu trainieren. Als sich ihre Knochendichte verbesserte, stellte Julia sich eine einfache Frage: Was wäre passiert, wenn niemand in der Familie zufällig auf diese Informationen gestoßen wäre?

Sie begann, nach bestehenden Lösungen zu suchen. Eine App, die wissenschaftliche Erkenntnisse speziell für Frauen bündelt und daraus praktische Nutrition- und Trainingspläne entwickelt, fand sie nach eigener Recherche nicht in der Form, die sie sich vorstellte.

Die Idee war damit da. Der Schritt zur Gründung dauerte trotzdem länger.

„Es hat mich eine lange Zeit Überwindung gebraucht, tatsächlich etwas zu machen.“

Irgendwann entschied sie sich, nicht weiter zu recherchieren, sondern zu bauen.

III · Was HerPhase wirklich machen soll: Forschung in Essen, Training und konkrete Routinen übersetzen

Der Anspruch von HerPhase ist nicht, möglichst viele Gesundheitsdaten auf einem Dashboard zu sammeln. Julia möchte den Schritt danach lösen.

Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass bestimmte Ernährungsweisen, Nährstoffe oder Trainingsreize für Frauen in einer bestimmten Lebensphase sinnvoll sind, soll die Plattform daraus konkrete Empfehlungen entwickeln.

Das kann ein personalisierter Ernährungsplan sein, ein Rezept oder ein Workout. Statt Nutzerinnen mit der Information allein zu lassen, dass sie beispielsweise einen bestimmten Nährstoff benötigen, soll die App zeigen, wie sich dieser Bedarf praktisch in den Alltag integrieren lässt.

„Ich möchte die Recherche nehmen und etwas Praktisches damit machen.“

Zunächst konzentriert sich das Produkt deshalb auf zwei Säulen: Nutrition und Workout.

Die erste Version soll bewusst kleiner bleiben. Julia möchte nicht von Beginn an jede denkbare Gesundheitsfunktion integrieren, sondern zunächst eine Basis schaffen, die zuverlässig funktioniert und tatsächlich genutzt wird.

Aktuell befindet sich die Web-App noch in der Testphase. Funktionen werden überprüft, Nutzerführung und Aufbau weiter verbessert. Gegen Ende des Jahres ist ein Soft Launch beziehungsweise eine Beta geplant, um erstmals mit echten Nutzerinnen zu testen, wie groß die Nachfrage ist und welche Teile des Produkts besonders relevant sind.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die eigentliche App anschließend folgen.

Langfristig denkt Julia bereits weiter: Community-Funktionen, mentale Gesundheit und Wearable-Daten könnten HerPhase irgendwann zu einem umfassenderen persönlichen Begleiter machen.

IV · Wie Julia ohne klassischen Programmierhintergrund ihre erste App gebaut hat

Eine der größten Überraschungen während der Entwicklung war für Julia nicht, wie kompliziert Softwareentwicklung sein kann. Sondern wie zugänglich sie inzwischen geworden ist.

Obwohl sie Ingenieurin ist, kommt sie nicht aus der klassischen App-Entwicklung. Noch vor wenigen Jahren hätte die erste Version ihrer Idee deshalb vermutlich ein Entwicklerteam, erhebliches Startkapital oder zumindest umfangreiche Programmierkenntnisse vorausgesetzt.

Heute sieht das anders aus.

Für den ersten Prototypen arbeitete Julia mit einem KI-basierten Entwicklungstool. Sie beschrieb, welche Funktionen sie benötigt, wie einzelne Bereiche aufgebaut sein sollen und wie Nutzerinnen durch das Produkt geführt werden sollen. Daraus entstand innerhalb kurzer Zeit eine funktionierende Web-App.

Das bedeutet nicht, dass damit das Produkt fertig war. Im Gegenteil.

Seitdem wird getestet, verändert und vereinfacht. Die Herausforderung verschiebt sich damit zunehmend vom reinen Programmieren zur Produktentwicklung: Welche Funktionen braucht eine Nutzerin tatsächlich? Was wirkt verständlich? Wo entstehen unnötige Schritte? Welche Informationen sind hilfreich und welche überfordern?

KI hat die Einstiegshürde gesenkt. Die eigentliche Produktarbeit nimmt sie Julia jedoch nicht ab.

V · Warum HerPhase irgendwann eine Co-Founderin brauchte – und Julia sie beim Kitesurfen längst gefunden hatte

Die zweite Gründerin kam nicht über LinkedIn, ein Founder-Matching-Programm oder eine Stellenausschreibung dazu.

Julia kannte sie bereits seit Jahren.

Kennengelernt hatten sich die beiden beim Kitesurfen in Kapstadt. Seitdem trafen sie sich regelmäßig, insbesondere während der Wintermonate in Südafrika. Ihre heutige Co-Founderin ist selbst Profiathletin und beschäftigt sich entsprechend intensiv mit Training, Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

Als Julia mit der ersten Version der App bereits begonnen hatte, trafen sich die beiden auf einen Kaffee.

Julia erzählte von der Idee und die Reaktion kam schnell.

„Sie war super Feuer und Flamme bei dem Thema.“

Für Julia passte der Zeitpunkt. Sie wusste ohnehin, dass sie ein solches Projekt langfristig nicht allein aufbauen wollte.

Vor allem ergänzen sich ihre Fähigkeiten. Julia beschreibt sich selbst als analytisch und produktorientiert. Strategie, Business, Zahlen und Produktentwicklung liegen ihr. Marketing dagegen weniger. Ihre Co-Founderin bringt genau dort Erfahrung mit. Als Profiathletin hat sie bereits eigene Social-Media-Kanäle aufgebaut, kennt Content Creation und verfügt über Material und Erfahrung aus ihrem Sportlerinnen-Alltag. Heute übernimmt sie deshalb schwerpunktmäßig Marketing und Content, während Julia Businessstrategie und Produkt verantwortet.

Unterstützung bekam das Team zusätzlich über ein Incubation-Programm der Hochschule, in dem Julia viel über den Aufbau eines Start-ups lernen konnte.

Gerade diese Mischung aus wissenschaftlichem Interesse, Produktdenken und praktischer Erfahrung aus dem Profisport soll langfristig zu einem der Fundamente von HerPhase werden.

VI · 40 Stunden Hauptjob plus Start-up: Warum Julia freie Wochenenden inzwischen bewusst einplanen muss

HerPhase entsteht bislang nicht im klassischen Vollzeit-Gründeralltag.

Julia arbeitet weiterhin 40 Stunden pro Woche in ihrem Hauptberuf. Die App entsteht deshalb vor allem nach Feierabend und am Wochenende.

Das funktioniert, aber nicht automatisch.

„Eine Balance zu halten, ist schwierig.“

Meetings müssen teilweise zwischen andere Termine geschoben werden, Produktarbeit landet am Abend und größere Aufgaben werden auf das Wochenende gelegt. Gerade weil das Thema sie interessiert, wäre es leicht, jede freie Stunde weiterzuarbeiten. Julia hat deshalb gelernt, etwas einzuplanen, das im Start-up-Alltag schnell vergessen wird: Wochenenden, an denen bewusst nichts für die Firma passiert.

„Ich muss mir auch immer wieder aktiv Wochenenden reinlegen, wo ich nichts mache.“

Die Gründung ist für sie deshalb weniger die Geschichte von maximaler Hustle-Kultur als die Suche nach einem Rhythmus, der langfristig funktioniert. Denn selbst wenn sie irgendwann vollständig von HerPhase leben kann, glaubt Julia nicht daran, dass Unternehmertum plötzlich weniger Arbeit bedeuten wird. Die Frage ist eher, ob die Arbeit an etwas fließt, das sie selbst aufbauen möchte.

VII · Wie beglaubigt.de die Gründung aus der ohnehin vollen Woche herausgehalten hat

Auch die formale Gründung musste in diesen Alltag passen.

Auf beglaubigt.de stieß Julia über Qonto. Dort wurde ihr das Gründungspaket angeboten – und für sie war die Rechnung relativ einfach: Wenn ein Prozess weniger eigene Zeit benötigt, ist das gerade in ihrer Situation ein Vorteil.

„Weniger Aufwand, weniger Zeit zum Investieren – passt auch.“

Besonders wichtig war die Terminplanung. Für den Notartermin stand dem Team nur ein bestimmter Tag zur Verfügung. Dass genau dieser Termin organisiert werden konnte und der weitere Ablauf schnell funktionierte, blieb Julia positiv in Erinnerung.

„Das hat super funktioniert. Ich bin sehr happy.“

Für jemanden, der bereits Hauptjob, Produktentwicklung und Unternehmensaufbau parallel koordiniert, war die Entlastung weniger Komfort als schlicht eine Frage verfügbarer Stunden.

VIII · Die Vision: Von Nutrition und Workouts zum persönlichen Gesundheitsbegleiter für Frauen

Für die ersten Jahre formuliert Julia ihre Ziele bewusst pragmatisch.

Finanziell möchte sie zunächst den Punkt erreichen, an dem die bisherigen Investitionen wieder eingespielt sind und das Unternehmen sich selbst tragen kann. Gleichzeitig soll rund um HerPhase eine Community entstehen, in der Frauen nicht nur ein Produkt nutzen, sondern Wissen bekommen, das ihnen bislang gefehlt hat.

Social Media spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Instagram-Kanal soll bewusst nicht ausschließlich Werbung für die App sein. Geplant sind Wissensinhalte, Reels und Posts rund um Frauengesundheit, Ernährung und Training. Die Community soll also bereits außerhalb des Produkts entstehen.

Langfristig wird die Vision größer.

Wearables könnten Daten direkt in die Plattform einspeisen. Empfehlungen könnten dadurch persönlicher werden. Mentale Gesundheit könnte als weitere Säule hinzukommen. Und aus einer App für Nutrition und Workout könnte Schritt für Schritt ein Begleiter entstehen, der Frauen durch unterschiedliche gesundheitliche Phasen ihres Lebens unterstützt.

Für Julia wäre genau das der langfristige Erfolg: wissenschaftliches Wissen nicht nur zugänglich zu machen, sondern so konkret, dass Frauen es tatsächlich jeden Tag verwenden können.

IX · Was Julia anderen Gründern rät: KI nutzen, aber nicht blind vertrauen

Fragt man Julia, was sie heute anderen Menschen mit einer eigenen Idee empfehlen würde, landet sie schnell bei einem Werkzeug, das auch ihre eigene Gründung stark geprägt hat: künstliche Intelligenz.

Nicht nur bei der Entwicklung der ersten Web-App. Auch bei all den Fragen, die nach einer Gründung plötzlich auftauchen.

Welche Anmeldungen fehlen noch? Welche Versicherungen braucht ein digitales Unternehmen? Was muss bei Cybersecurity bedacht werden? Welche administrativen Schritte kommen nach dem Notartermin? Julia nutzte Claude immer wieder als Ausgangspunkt, um sich in solche Themen einzuarbeiten.

„Ich weiß gar nicht, wie die Leute das vor zehn oder fünfzehn Jahren ohne KI gemacht haben.“

Ihr Rat ist allerdings nicht, jede Antwort ungeprüft zu übernehmen.

„Klar, immer überprüfen – aber es hilft.“

Vielleicht beschreibt das auch ihren gesamten Ansatz bei HerPhase ziemlich gut. Information allein reicht nicht. Entscheidend ist, sie zu prüfen, zu verstehen – und anschließend etwas Praktisches daraus zu machen.


Kontakte und Links