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Gründerstory

16 Jahre, zwei Start-ups, Investoren und Millionenbewertung: Wie Merita Spahiu und ihr Team den internationalen Zahlungsverkehr neu denken wollen

Kelly Ejiofor

17. Aug 2026

Mit 16 Jahren beschäftigen sich viele Jugendliche mit der Führerscheinprüfung oder den letzten Schuljahren. Merita Spahiu spricht stattdessen über internationale Zahlungs Infrastruktur, Blockchain, Compliance-Regulierung und Unternehmensbewertungen in Millionenhöhe.

Als das Gespräch beginnt, fällt schnell auf, dass sie nicht nur eine Idee verfolgt. Gemeinsam mit ihrem Team baut sie gleich zwei Unternehmen auf: CashXChain, eine Infrastruktur für internationale B2B-Zahlungen, und BESAVO, eine KI-Plattform, die regulatorische Prüfprozesse automatisieren soll. Beide Unternehmen greifen ineinander – denn wo Geld international bewegt wird, braucht es auch Compliance.

I · Warum internationale Zahlungen trotz Digitalisierung oft noch erstaunlich langsam funktionieren

Für viele Unternehmen gehört es zum Alltag, Waren oder Dienstleistungen aus dem Ausland zu beziehen. Besonders im Handel mit asiatischen Lieferanten entscheidet eine funktionierende Zahlungsabwicklung oft darüber, wie schnell Ware produziert oder verschickt werden kann. Genau dort beobachteten Merita und ihr Team immer wieder dieselben Probleme.

Ein Freund aus ihrem Umfeld half im Unternehmen seines Vaters aus und kümmerte sich regelmäßig um internationale Überweisungen nach China. Immer wieder dauerte es mehrere Tage, bis Zahlungen ankamen. Gleichzeitig entstanden Gebühren, Zwischenbanken und zusätzliche Wartezeiten, die den gesamten Prozess verlangsamten.

Für Privatpersonen mag das ärgerlich sein.

Für Unternehmen wird daraus schnell ein wirtschaftliches Problem.

Statt diesen Prozess einfach als gegeben hinzunehmen, begann das Team zu überlegen, wie sich moderne Blockchain-Technologie nutzen ließe, ohne Unternehmen mit Kryptowährungen oder Wallets zu konfrontieren. Daraus entstand schließlich CashXChain – eine Infrastruktur, die internationale B2B-Zahlungen im Hintergrund über Blockchain-Technologie verarbeitet, während der Nutzer selbst weiterhin ganz normal Geld überweist.

„Der User hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Im Hintergrund wird alles automatisch abgewickelt.“

Die Idee war dabei nie, Kryptowährungen zu verkaufen. Das eigentliche Ziel bestand darin, die bestehende Infrastruktur schneller, günstiger und einfacher zu machen.

II · Warum aus einer Idee plötzlich zwei Unternehmen wurden

Während CashXChain entwickelt wurde, stieß das Team jedoch auf ein Problem, das sie zunächst gar nicht auf dem Schirm hatten.

Internationale Zahlungen funktionieren nur dann, wenn sämtliche regulatorischen Anforderungen eingehalten werden. Jedes Unternehmen muss überprüft werden, Dokumente müssen kontrolliert, Eigentümer identifiziert und mögliche Geldwäsche verhindert werden. Genau diese sogenannten Compliance-Prozesse kosten Finanzunternehmen heute enorme personelle Ressourcen und dauern häufig deutlich länger, als den Beteiligten lieb ist.

Je intensiver sich Merita mit diesem Bereich beschäftigte, desto klarer wurde ihr, dass hier ein eigenes Produkt entstehen könnte.

Aus dieser Erkenntnis entstand BESAVO.

Während CashXChain Geld bewegt, soll BESAVO künftig mithilfe künstlicher Intelligenz genau diese regulatorischen Prüfungen automatisieren. Dokumente werden analysiert, Unternehmensdaten überprüft und Entscheidungsprozesse beschleunigt – nicht, um Menschen zu ersetzen, sondern um den manuellen Aufwand deutlich zu reduzieren.

Gerade weil beide Produkte dieselbe Branche bedienen, ergänzen sie sich nahezu perfekt.

„CashXChain funktioniert eigentlich gar nicht ohne Compliance.“

Aus einer einzelnen Geschäftsidee wurden dadurch zwei Unternehmen, die langfristig dieselbe Infrastruktur aus unterschiedlichen Richtungen verbessern sollen.

III · Mit 16 Jahren ein internationales Team führen

Vielleicht der ungewöhnlichste Teil der Geschichte ist gar nicht die Technologie.

Es ist das Alter.

Merita ist 16 Jahre alt und besucht noch die Schule. Weil sie noch nicht volljährig ist, musste BESAVO zunächst über ihre Mutter gegründet werden. Inhaltlich führt sie das Unternehmen jedoch selbst.

Gemeinsam mit ihrem Mitgründer koordiniert sie heute ein Team aus Entwicklern und Praktikanten, die über mehrere Länder verteilt arbeiten. Menschen aus Indien, Pakistan, England und Deutschland entwickeln gemeinsam an den beiden Plattformen.

Während sich die Entwickler vollständig auf Softwarearchitektur und technische Umsetzung konzentrieren, übernehmen Merita und ihre Mitgründer Geschäftsführung, Vertrieb, Investorenkontakte, Marketing und strategische Entscheidungen.

Dass ein internationales Team in diesem Alter überhaupt funktioniert, führt sie vor allem auf klare Kommunikation und gemeinsame Ziele zurück. Viele Teammitglieder arbeiten zunächst freiwillig oder im Rahmen von Praktika mit, weil sie das langfristige Potenzial der Projekte überzeugt.

IV · Wie zwei Teenager Investoren überzeugten – und warum sie bewusst auf den richtigen Zeitpunkt gewartet haben

Viele Start-ups suchen möglichst früh nach Investoren. Oft steht die Finanzierung sogar noch vor einem fertigen Produkt im Mittelpunkt. Für Merita und ihr Team war das nie der Plan.

Statt möglichst schnell Kapital einzusammeln, konzentrierten sie sich zunächst darauf, den tatsächlichen Wert ihres Unternehmens zu steigern. Über Monate entwickelte das Team die Technologie weiter, arbeitete an Patenten, sprach mit potenziellen Kunden und baute ein belastbares Netzwerk innerhalb der FinTech-Branche auf. Erst als klar war, dass aus der ursprünglichen Idee ein ernstzunehmendes Unternehmen geworden war, begann die eigentliche Investorensuche.

Dieser Ansatz hatte einen einfachen Grund. Wer zu früh Kapital aufnimmt, gibt häufig einen großen Teil seines Unternehmens ab.

Merita beschreibt diesen Zusammenhang erstaunlich reflektiert. Solange die Unternehmensbewertung niedrig sei, müsse man für vergleichsweise kleine Investments viele Anteile verkaufen. Deshalb entschied sich das Team bewusst dafür, zunächst möglichst viel selbst aufzubauen und erst später in Finanzierungsrunden zu gehen.

Diese Geduld zahlte sich aus.

Für CashXChain konnten bereits mehrere Investoren gewonnen werden. Eine erste Finanzierungsrunde über 300.000 Euro wurde vereinbart, zusätzlich kamen weitere Investments hinzu. Gleichzeitig stieg die Unternehmensbewertung auf mehrere Millionen Euro. Damit verbesserten sich auch die Bedingungen für zukünftige Finanzierungsrunden erheblich.

Mindestens genauso wichtig war jedoch die Art und Weise, wie diese Investoren gewonnen wurden.

Merita glaubt nicht an die Kaltakquise oder daran, Investoren mit einem einzigen Pitch zu überzeugen. Stattdessen setzt sie auf langfristige Beziehungen.

„Man muss die Beziehungen auf Zeit aufbauen.“

Konferenzen, persönliche Gespräche und regelmäßiger Austausch seien aus ihrer Sicht deutlich wertvoller als jede spontane Präsentation. Vertrauen entstehe nicht innerhalb weniger Minuten, sondern über Monate hinweg. Genau dieses Vertrauen bildete schließlich die Grundlage dafür, dass Investoren bereit waren, in ein Team zu investieren, dessen Gründer teilweise noch zur Schule gehen.

V · Der Moment, in dem aus einem Schulprojekt plötzlich internationale Aufmerksamkeit wurde

Zu Beginn fühlte sich vieles noch wie ein ambitioniertes Nebenprojekt an.

Merita, ihre Mitgründer und das Team arbeiteten parallel zur Schule an ihren Produkten, entwickelten Prototypen und nahmen an ersten Veranstaltungen der Start-up-Szene teil. Mit jedem Event wuchs nicht nur das Netzwerk, sondern auch das Verständnis dafür, welche Probleme Finanzunternehmen tatsächlich lösen wollten.

Einen entscheidenden Wendepunkt markierte schließlich ein Businessplan-Wettbewerb in Bayern.

Das Team schaffte es unter die besten zwanzig Projekte. Was zunächst wie ein einzelner Wettbewerbserfolg wirkte, entwickelte sich überraschend schnell zu deutlich mehr. Mehrere Zeitungen berichteten über die jungen Gründer und ihre beiden Unternehmen. Innerhalb kurzer Zeit erreichte die Geschichte Menschen weit über Deutschland hinaus.

Besonders eindrucksvoll blieb Merita eine Geschichte aus ihrem privaten Umfeld in Erinnerung.

Ein Freund ihres Bruders, der zu diesem Zeitpunkt ein Auslandsjahr in Kanada verbrachte, hatte dort bereits von ihrem Unternehmen gehört. Für das Team war das ein Moment, der zeigte, wie weit sich ihre Geschichte inzwischen verbreitet hatte.

„Wir waren wirklich geschockt, wie weit diese Nachricht eigentlich erreicht hat.“

Mit der wachsenden Aufmerksamkeit kamen auch neue Kontakte, Gespräche mit Unternehmen und weitere Interessenten. Gleichzeitig bestätigte der Wettbewerb dem Team, dass ihre Ideen nicht nur technisch spannend waren, sondern auch außerhalb ihres direkten Umfelds auf großes Interesse stießen.

Heute gehören Konferenzen und Branchenevents fest zur Unternehmensstrategie. Dort trifft das Team genau die Menschen, für die CashXChain und BESAVO entwickelt werden: Banken, FinTechs, Finanzdienstleister und regulatorische Institutionen. Für Merita sind diese Veranstaltungen deshalb weit mehr als Networking-Events. Sie sind der Ort, an dem Partnerschaften entstehen und Vertrauen aufgebaut wird.

VI · Warum Geschwindigkeit bei der Gründung entscheidend war – und weshalb sich Merita für beglaubigt.de entschied

Während CashXChain bereits im US-Bundesstaat Delaware gegründet wurde, stand für BESAVO eine neue Unternehmensgründung an. Da Merita noch minderjährig ist, musste diese zunächst über ihre Mutter erfolgen. Umso wichtiger war es, dass der organisatorische Aufwand möglichst gering blieb.

Auf beglaubigt.de wurde sie durch eine Empfehlung aus ihrem Netzwerk aufmerksam.

Entscheidend war für sie vor allem die Möglichkeit, möglichst viele Schritte digital abzuwickeln. Gerade in einer Phase, in der parallel Produktentwicklung, Investorengespräche, Schulalltag und Teamkoordination stattfinden, wollte sie sich nicht wochenlang mit organisatorischen Prozessen beschäftigen.

„Ich wollte es einfach so schnell wie möglich hinter mir haben.“

Für Merita ist Zeit die wichtigste Ressource eines jungen Unternehmens.

Jede Woche, die in organisatorischen Abläufen verloren geht, fehlt bei der Produktentwicklung oder im Austausch mit potenziellen Kunden. Deshalb bewertet sie eine Gründung nicht danach, wie kompliziert sie ist, sondern danach, wie schnell sich Gründer wieder auf das konzentrieren können, worauf es eigentlich ankommt: das Unternehmen aufzubauen.

Gerade für junge Gründerinnen und Gründer, die häufig zum ersten Mal ein Unternehmen gründen, sieht sie darin einen großen Vorteil. Wenn administrative Prozesse möglichst einfach funktionieren, bleibt mehr Raum für Innovation – und genau diese Innovation möchte sie mit BESAVO und CashXChain in den kommenden Jahren weiter vorantreiben.

VII · Zwischen Schule und Start-up: Warum Merita ihre Zukunft bewusst offen hält

Wer mit Merita spricht, vergisst schnell, dass sie noch zur Schule geht.

Investorengespräche, Produktentwicklung, internationale Teammeetings und Konferenzen bestimmen inzwischen ihren Alltag genauso wie Klausuren oder Hausaufgaben. Einen klassischen Feierabend gibt es kaum. Stattdessen wechseln sich Phasen ab, in denen die Schule im Mittelpunkt steht, mit Tagen, an denen sich nahezu alles um CashXChain und BESAVO dreht. Genau diese Realität möchte sie auch nicht romantisieren.

„Perfekt zu sein – so etwas gibt es nicht.“

Sie beschreibt ihren Alltag als ständigen Balanceakt. Es gebe Tage, an denen sie sich vollständig auf die Schule konzentrieren müsse. An anderen Tagen verlangen die Unternehmen ihre volle Aufmerksamkeit. Gleichzeitig versucht sie, Zeit für Sport, Gesundheit und ihr Privatleben zu finden. Eine perfekte Routine habe sie bis heute nicht gefunden – und sie glaubt auch nicht, dass es sie überhaupt gibt.

Dennoch verfolgt sie einen klaren Plan.

Gemeinsam mit ihren Mitgründern besucht sie ein Programm, das es ihnen ermöglicht, die elfte Klasse zu überspringen und das Abitur früher abzulegen. Der Gedanke dahinter ist einfach: Je früher sie die Schule abschließen, desto früher können sie sich vollständig auf ihre Unternehmen konzentrieren.

Nach dem Abitur möchte sich Merita alle Möglichkeiten offenhalten. Ein Studium – idealerweise im Ausland und mit Schwerpunkt International Business – kann sie sich gut vorstellen. Gleichzeitig möchte sie die nächsten Jahre nutzen, um BESAVO und CashXChain weiter aufzubauen, erste große Kunden zu gewinnen und die nächsten Finanzierungsrunden erfolgreich abzuschließen.

VIII · Warum Vertrauen die wichtigste Währung eines Start-ups ist

Fragt man Merita nach ihrem wichtigsten Rat für andere Gründerinnen und Gründer, spricht sie erstaunlicherweise weder über Technologie noch über Finanzierung.

Sie spricht über Vertrauen.

Gerade in der Start-up-Welt entstehe häufig der Eindruck, dass sich alles möglichst schnell um Wachstum, Bewertungen und Kapital drehen müsse. Aus ihrer Sicht sei das jedoch der falsche Ausgangspunkt. Wer ausschließlich auf die nächste Finanzierungsrunde oder den nächsten Umsatz schaue, verliere leicht aus dem Blick, worauf langfristige Unternehmen tatsächlich aufgebaut werden.

Dieses Vertrauen beginnt für sie bei den Menschen, mit denen man täglich arbeitet. Es betrifft ebenso Kunden wie Investoren, Partner oder Mitarbeitende. Beziehungen entstehen nicht über Nacht. Sie wachsen durch Zuverlässigkeit, Offenheit und kontinuierliche Zusammenarbeit.

Merita ist überzeugt, dass genau dieses Fundament später über den Erfolg eines Unternehmens entscheidet. Ein Produkt könne sich verändern, Märkte könnten sich weiterentwickeln und Geschäftsmodelle angepasst werden. Das Vertrauen, das Menschen einmal aufgebaut haben, bleibe dagegen oft über Jahre bestehen.

Mit 16 Jahren baut Merita bereits Unternehmen, führt ein internationales Team und spricht mit Investoren über Millionenbewertungen. Trotzdem reduziert sie Unternehmertum nicht auf Zahlen oder Kapital.

Jeder, der sich was mitnehmen will, kann sich das merken. Erfolgreiches Gründen beginnt mit einer einfachen Frage:

Wie schafft man etwas, dem Menschen langfristig vertrauen können?

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