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Gründerstory

Was Leistungssport und Startups gemeinsam haben: radikales Feedback und keine Ausreden

Alina Hoinski

5. May 2026

Jeden Freitag setzen sich vier Gründer zusammen. “Drei gegen einen" wird reihum Feedback gegeben - jede Woche. Und vielleicht der Grund, warum sie in 9 Wochen von null auf 30 aktive Nutzer in 15 Steuerkanzleien gewachsen sind.

Die 4 Co-Founder sind alle erfahrene Unternehmer und konnten einiges aus den vergangenen Gründungen mitnehmen. Was sie diesmal anders machen, ist weniger eine Frage des Produkts als eine Frage der Struktur dahinter: Sie haben früh gelernt, nicht einfach das zu bauen, was sie selbst gut finden, sondern konsequent auf Kundenfeedback zu hören, echte Bedürfnisse zu priorisieren und deutlich schneller umzusetzen. 

Gleichzeitig adressieren sie eines der größten und oft verdrängten Risiken in der Frühphase aktiv: Founder Splits. In wöchentlichen Meetings sprechen sie offen über Entscheidungen, Spannungen und Fehler, schaffen klare Erwartungen und verhindern so, dass sich ein Team unter dem Druck distanziert und unvereinbare Spannungsfelder entstehen.

Das Problem, das erst jetzt wirklich lösbar geworden ist

Steuerberater verbringen einen erheblichen Teil ihrer Zeit nicht mit Steuerrecht, sondern mit E-Mails. Mandanten fragen, Fristen müssen kommuniziert werden, Dokumente werden angefordert, Rückfragen kommen. Der administrative Overhead in Kanzleien ist enorm, doch lange fehlte die technologische Grundlage, diesen Prozess sinnvoll zu automatisieren.

Erst mit leistungsfähigen KI-Modellen wird das nun möglich: Systeme, die komplexe Anfragen verstehen, qualifizierte Antworten vorbereiten und sich an bestehende Arbeitsprozesse anpassen können, ohne dabei spürbar an Qualität einzubüßen. Genau dort setzt Clara an.

Der KI-Agent des Berliner Startups Clara ist direkt an deutsche Gesetzesdatenbanken und Kommentardatenbanken angebunden, beantwortet nicht nur E-Mails, sondern bereitet qualifizierte Antworten vor und ist seit wenigen Wochen auch mit Datev integriert. Was früher mehrere Klicks und manuelle Aktennotizen bedeutete, ist durch Clara jetzt deutlich schneller umsetzbar.


Vier Gründer, viele Fehler später – diesmal mit System

Hinter Clara stehen vier erfahrene Gründer: Marc, Elias und Conrad, die zuvor bereits gemeinsam Binat aufgebaut haben, sowie Jona, der zuvor AtomicHub gegründet hat. Alle vier bringen operative Erfahrung, frühere Fehler und mehrere Gründungszyklen mit an den Tisch.

Marc beschreibt seinen Weg im Interview so: vom Leistungssportler über ein begonnenes BWL-Studium hin zum selbstständigen Berater in studentischen Unternehmensberatungen – und schließlich zum Co-Founder von Binat. Genau dort, sagt er, hätten er und Elias viele der wichtigsten Lektionen gelernt, die heute in Clara einfließen.

Der entscheidende Unterschied zum ersten Mal? Keine drei Wochen mehr für die Webseite. Keine voreiligen Einstellungen. Kein Aufbau ohne Marktvalidierung. Stattdessen: 300 Cold-E-Mails, 30 gebuchte Interviews, direkte Cold-Call-Sessions, bei denen der erste Anruf des Tages teilweise direkt auf eine Demo konvertiert.

Was das Unternehmen wirklich macht

Clara ist ein KI-gestützter Kommunikations-Agent für Steuerberatungskanzleien. Das Kernprodukt übernimmt heute den E-Mail-Verkehr mit Mandanten, bereitet Antworten auf Basis von deutschem Steuerrecht vor und dokumentiert Vorgänge automatisch in Datev DMS. Das klingt nach einem Feature. Es ist aber ein Eingriff in den täglichen Arbeitsablauf jedes Partners und jedes Mitarbeiters einer Kanzlei.

Der Ansatz des Teams: keine eigene Produktvision bauen, sondern ausschließlich nach dem gehen, was Nutzer sagen. Jede Woche sprechen sie mit jedem ihrer Kunden. Features entstehen aus diesen Gesprächen, nicht aus Brainstorming-Sessions.

„Wenn bei den meisten Kunden die Augen vor Vorfreude aufgehen, wenn wir Features zusammen erarbeiten, dann machen wir es halt. Egal ob es vorher nicht geplant war. Wir passen uns an"

Vom POC zum Rollout in Wochen

Mitte Januar gestartet, steht seit Februar ein erstes Produkt. Schon knapp über 1.000€ MRR, 30 Daily Active User, 15 Kanzleien im POC-Stadium. Erste Rollouts in größeren Kanzleien laufen nun an.Parallel läuft eine Pre-Seed-Angel-Runde, nicht weil Investment Non-Negotiable wäre, sondern weil der Markt Geschwindigkeit erfordert und Wettbewerber nicht schlafen.

Gebootstrappt haben sie ihre ersten Unternehmen. Die Lektion daraus: Manche Geschäftsmodelle funktionieren gebootstrappt nicht, oder zumindest langsamer, als der Moment es erlaubt.

Drei Monate, vier Gründer, eine ungewöhnliche Struktur

Das Ungewöhnlichste an Clara ist nicht das Produkt. Es ist der wöchentliche Feedback-Call.

Jeden Donnerstag  gehen die vier durch ein strukturiertes Format: drei gegen einen, reihum. Jeder sagt, was ihn in der letzten Woche gestört hat, was aufgefallen ist, was besser laufen könnte. Kein Feedback auf Feedback. Keine Rechtfertigungen. Wer etwas hört, nimmt es an oder nicht, aber widersprechen und Argumentieren ist nicht erlaubt.   

Die Idee kommt aus dem Leistungssport. Sowohl Marc, als auch Co-Founder Elias haben jahrelang im Leistungssport trainiert, mit Coaches, offenen Debriefings, einer Kultur, in der Fehler laut gemacht werden, damit man sie nicht zweimal macht. Diese Kultur haben sie in das Team übertragen.

„Im Leistungssport ist es normal, über seine Fehler 100% offen zu sprechen und sich gegenseitig Feedback zu geben. Das haben wir einfach übernommen."

Was einfach klingt, ist es nicht. Das Team besteht aus drei stark rational denkenden Persönlichkeiten und einer vierten, die stärker gefühlsbasiert agiert. Gerade diese Konstellation macht das Format anspruchsvoll und notwendig zugleich. Zu 80 Prozent kommunizieren heißt, 20 Prozent Delta im Raum zu lassen. Das Delta akkumuliert sich. Irgendwann bricht es.

Die Sitzungen dauern bis zu zwei Stunden. Danach ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas ändert, laut eigener Aussage maximal hoch, weil der Konflikt ausgesprochen wurde, nicht totgeschwiegen wird bis es knallt.


Strukturen, die Geschwindigkeit ermöglichen

Um das bisherige Wachstum zu ermöglichen, mussten zunächst die juristischen Strukturen stimmen. Alle vier Gründer haben private Holdings gegründet, bevor die operative GmbH folgt. Für drei der Gründer verlief der Prozess über beglaubigt.de, und das mit einer Geschwindigkeit, die ihn selbst überraschte.

„Ich hatte an einem Freitag meinen Notartermin und am Dienstag meine HRB-Nummer. Das war wirklich der smootheste Prozess."

Der Notartermin für die operative Gesellschaft ist als nächstes terminiert. Die Gründung läuft dem Wachstum hinterher, nicht umgekehrt.

Vision? Keine. Mission? Ganz klar.

Drei bis fünf Jahre, wo seht Ihr euch? 

Die Antwort kommt schnell und ist ungewöhnlich ehrlich: keine Produktvision für die nächsten sechs Monate. Wenn ein Investor fragt, wie das Produkt in einem halben Jahr aussieht, ist die Antwort: keine Ahnung. Wer seit drei Monaten in einer Branche ist, sollte keine sicheren Vorhersagen über das beste Produkt in einem halben Jahr machen. Die Wahrscheinlichkeit, damit falsch zu liegen, ist zu hoch.

Was bleibt, ist eine Mission: Steuerberatern maximal viel Zeit sparen. Alles, was dazu beiträgt, wird gebaut. Alles andere nicht.

„Die Industrie war mir schon immer egal. In jeder Industrie hast du geile Probleme."


Rat an andere Gründer

Nicht Resilienz sei der Schlüssel, sagt der Gründer, sondern der Wille zur Flexibilität. Wer ein festes Bild davon hat, wie sein Produkt in einem Jahr aussieht, baut für sich, nicht für den Markt. Der Markt sagt einem, was er braucht, wenn man oft genug fragt. Also fragen.

Und: Wer mit einem Co-Founder gründen will, sollte zuerst gemeinsam scheitern. Nicht im großen Stil, aber genug, um zu wissen, wie die andere Person unter Druck reagiert. Ein dreimonatiger Trial, bewusst mit Reibung, ist ehrlicher als das beste Kennenlerngespräch der Welt.

Links und Kontakt

Du willst mehr über Clara erfahren oder mit dem Team in Kontakt treten?

Gründer der Interconvo GmbH sind Marc Handschug, Jona Wilmsmann, Elias Bienek und Conrad Denzer.

Website Clara KI Agent

LinkedIn Clara KI Agent

LinkedIn von Marc, Conrad, Elias und Jona