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Gründerstory

„Tu es einfach" – Wie Vanessa mit 21 Jahren der Raumfahrtbranche eine Stimme gibt

Alina Hoinski

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Keine Raketenwissenschaftlerin. Keine Ingenieurin. Marketing-Studentin, dual, mitten in Berlin, noch mitten im Studium und jetzt Gründerin und Geschäftsführerin ihrer eigenen Agentur. Und überzeugt: Dass die spannendste Industrie der Welt gerade an einem Problem scheitert, das nichts mit Physik zu tun hat.

Europa fliegt in den Weltraum. Und redet darüber nicht.

Wir sind mitten im Space Race 2.0. USA, China, Europa, alle bauen, alle forschen, alle wollen als erste auf dem Mars sein. Aber während SpaceX eine globale Marke ist und Elon Musk die Vision der Menschheit nach oben verkörpert, kennt kaum jemand die Namen der europäischen Unternehmen, die dieselbe Arbeit leisten.

Nicht weil die Technologie schlechter ist. Sondern weil niemand darüber spricht.

Vanessa hat das auf der Space Tech Expo in Bremen live erlebt. Ingenieure, die Komponenten für Trägerraketen bauen, stehen am Messestand und können nicht erklären, was sie tun. Nicht weil sie es nicht wissen. Sondern weil sie nie gelernt haben, es zu erzählen. Investoren gehen vorbei. Deals platzen. Finanzierungsrunden scheitern nicht an der Technologie, sondern an der Präsentation.

Das ist kein Einzelfall. Das ist das strukturelle Problem einer ganzen Branche.

Die meisten Gründerinnen und Gründer in der New-Space-Industrie sind Ingenieure. Sie haben ihr Leben damit verbracht, Probleme zu lösen, die die meisten Menschen nicht einmal formulieren könnten. Aber wenn es dann darum geht, eine Finanzierungsrunde zu pitchen, einen Investor in zehn Minuten zu überzeugen oder eine Pressemitteilung zu schreiben, die irgendjemanden interessiert, stehen sie vor einer Wand. Und hinter dieser Wand warten Kapital, Sichtbarkeit und Wachstum, die ihre Unternehmen dringend brauchen.

"Wenn es niemand versteht, wird es auch niemand abkaufen. Egal wie gut die Technologie ist." -Vanessa Gerstädt

Die Lücke, die sie schon als Kind gesehen hat

Vanessa hat sich ihr Leben lang für Raumfahrt interessiert. Nicht aus der Ferne, sondern wirklich. Welche Raumschiffe gerade im Orbit sind, welche Missionen laufen, was als nächstes kommt, welche Unternehmen gerade aufsteigen. Als sie dann Marketing studiert und in verschiedenen Praxisstationen merkt, dass gute Kommunikation überall gebraucht wird, ist die Verbindung plötzlich offensichtlich.

Gerade da. Gerade jetzt. Gerade weil niemand anderes es macht. Also gründet sie outerspace., um die Kommunikation im Weltraumsektor maßgeblich zu prägen.

Was sie von einer normalen Kommunikationsagentur unterscheidet, ist nicht das Handwerk. Es ist das Verständnis. Wenn sie im ersten Call mit einem NewSpace-Unternehmen sitzt und deren Technologie erklärt bekommt, stellt sie keine allgemeinen Verständnisfragen. Sie stellt Fachnachfragen. Das Gegenüber merkt sofort: Hier sitzt jemand, der die Sprache der Branche spricht.  Mit dem Ziel aus einer Erklärung über Antriebssysteme eine Geschichte zu machen, die ein Investor versteht, ein Journalist weitererzählt und ein potenzieller Kunde nicht vergisst.

Sie gründet keine Agentur, die zufällig auch mal Space-Kunden betreut. Sie baut von Anfang an für genau diese eine Industrie. Storytelling, Fundraising-Kommunikation, strategische PR für New-Space-Unternehmen, die technologisch brillant sind, aber noch nicht wissen, wie sie das der Welt zeigen sollen.

Konkret bedeutet das: Pitch Decks für Finanzierungsrunden, Investorenkommunikation, die komplex genug ist, um ernst genommen zu werden, aber klar genug, um zu überzeugen, und Öffentlichkeitsarbeit, die Technologie greifbar macht, ohne sie zu verwässern. Für Ingenieure, die gleichzeitig Gründer sind und eigentlich ihre gesamte Energie in die Technologie stecken sollten, ist das keine zusätzliche Dienstleistung.  Es ist der Unterschied zwischen einer innovativen Technologie und einer innovativen Technologie mit Erfolg. 

Gründen mit 21, digital, flexibel, ohne zu warten

Typisch Gen Z: Vanessa wartet nicht darauf, dass der richtige Moment kommt. Sie schafft ihn.

Mitten im dualen Studium, gründet sie die Kapitalgesellschaft. Der Gedanke dahinter ist pragmatisch: Während Studium und Beruf, darf der Gründungsprozess an sich keine Kapazitäten bündeln. Es muss unkompliziert und flexibel sein.

Also digital. Schnell. Ohne bürokratischen Stillstand, ohne monatelange Wartezeiten beim Notar, ohne den Prozess einem Zufall zu überlassen.

"Bei diesem ganzen Bürokratiewahnsinn ist es Gold wert zu wissen, dass man damit nicht allein ist und dass man nicht selbst schauen muss, was der nächste Schritt ist. Man bekommt automatisch zugespielt, was als nächstes kommt." -Vanessa Gerstädt

Was sie an dem Prozess hervorhebt, ist nicht die Geschwindigkeit allein, sondern die Orientierung. Kein Abarbeiten von Formularen ins Leere, kein ständiges Fragen, ob man gerade den richtigen Schritt macht. Ein System, das einem zeigt, wo man steht, und das einem abnimmt, was man nicht selbst wissen muss.

 Daher appelliert sie an ihre Generation: Kein Overthinking, kein Warten auf Erlaubnis, kein "erst wenn ich alles weiß". Einfach machen, jetzt, weil der Moment nie besser sein wird als heute.

Und das gilt nicht nur für die Gründung selbst. Vanessa hat schon während des Studiums mehrfach ihren Praxispartner gewechselt, wenn sie das Gefühl hatte, nicht mehr zu wachsen. Hat sich ein Netzwerk aufgebaut, das vorher nicht existierte. Hat die Internationalisierung von Anfang an mitgedacht, nicht als spätere Option, sondern als Grundvoraussetzung, weil die Raumfahrtbranche global ist und eine Agentur, die nur den deutschen Markt bedient, von Anfang an zu klein denkt.

"Gerade das ist das Alter, wo man am wenigsten verlieren kann. Man hat noch nicht das Haus, die Familie, die festen Strukturen. Wenn die Idee da ist: jetzt." -Vanessa Gerstädt

Was Europa von Amerika lernen muss

Es gibt einen Satz, den Vanessa immer wieder sagt: Wir haben die Menschen. Wir haben die Technologie. Wir müssen aufhören, so leise zu sein.

Dahinter steckt eine konkrete Beobachtung. In Europa gilt es oft als unangemessen, laut über die eigene Arbeit zu sprechen. Bescheidenheit wird mit Seriosität verwechselt. Wer zu viel über sich redet, wirkt angeberisch. Wer eine große Vision formuliert, wird skeptisch beäugt.

In Amerika ist es umgekehrt. Wer keine Vision hat, wird nicht ernst genommen. Wer nicht kommuniziert, existiert nicht.

Das Ergebnis: Wenn jemand an Raumfahrt denkt, denkt er an Elon Musk. An SpaceX. An Amerika. Nicht an die Ariane Group. Nicht an die Dutzenden europäischen NewSpace-Startups, die gerade an Technologien arbeiten, die mindestens genauso relevant sind.

Vanessa will das ändern. Nicht durch Lautstärke um der Lautstärke willen, sondern durch Kommunikation, die echte Substanz hat. Europäische Raumfahrtunternehmen sollen lernen, ihre Technologie so zu präsentieren, dass Investoren investieren, Talente bleiben und die Öffentlichkeit versteht, was gerade passiert.

Dieses Jahr wird sie selbst zur Space Tech Expo in die USA fahren. Nicht als Touristin, sondern um den Kontrast direkt zu erleben. Um zu sehen, wie amerikanische Unternehmen kommunizieren, was sie anders machen und was  Europa davon übernehmen muss.

Das Ziel ist nicht die nächste Finanzierungsrunde

Vanessa denkt nicht in Quartalen. Ihr Maßstab ist der Mars.

Genauer gesagt: eine multiplanetare Gesellschaft. Menschen, die nicht nur auf der Erde leben, sondern irgendwann auch anderswo. Das klingt nach Science-Fiction, aber wer in der Branche steckt, weiß, dass es das nicht mehr ist. Es ist ein konkretes Ziel, auf das ein Großteil der Industrie aktiv hinarbeitet, mit Technologien, Zeitplänen und Budgets.

Vanessas Rolle in diesem Bild ist klar: Sie will sicherstellen, dass Europa in diesem Rennen nicht nur technologisch mitspielt, sondern auch wirtschaftlich. Dass Talente nicht mehr in die USA abwandern, weil sie dort mehr Sichtbarkeit und bessere Chancen sehen. Dass europäische Unternehmen die Finanzierung bekommen, die ihre Technologie verdient. Und dass die Kommunikation, die dafür notwendig ist, nicht länger das schwächste Glied in der Kette ist.

Jedes Pitch Deck, das überzeugt. Jede Finanzierungsrunde, die gewonnen wird. Jede Geschichte, die hängenbleibt. All das ist ein kleines Puzzleteil in einem viel größeren Bild.

"Wir haben die Menschen, wir haben die Technologie. Wir müssen aufhören, so leise zu sein." -Vanessa Gerstädt

Ihr Rat an andere junge Gründerinnen und Gründer:

Gerade als junger Mensch ist der Moment günstiger als er je wieder sein wird. Kein Haus. Keine Familie. Keine festen Strukturen, die man riskiert.

Wenn die Idee da ist und die Passion – dann jetzt.

„Es ist viel, viel schlimmer, diesen Weg gar nicht erst zu gehen, als ihn zu gehen und dabei zu stolpern." -Vanessa Gerstädt

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