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Gründerstory

Von Indien nach Berlin: Wie Shruti sich gegen den traditionellen Weg entschied, um ihrem Traum vom Gründen zu folgen

Alina Hoinski

2. Apr 2026

Wie viel kann man bei einem Exit von fünf Millionen wohl behalten? An genau das dachte Shruti Kuber schon, noch bevor sie ihre eigene Holding gründete.

Bei Shruti ist das keine Selbstüberschätzung, sondern ihre Denkweise: immer einen Schritt voraus, immer auf das vorbereitet, was noch nicht da ist. Diese Haltung hat sie von Indien nach Berlin gebracht, durch Visa-Grenzen und ein Gründungssystem, das sie sich selbst beibringen musste. Und am Ende zu ihrer eigenen Holding.

Shrutis einzige Verbindung zu Deutschland waren die Geschichten ihres Vaters, welcher Ende der Neunziger für zwei Jahre in Deutschland lebte. Damals war das Internet noch nicht in jedem Haushalt vorhanden, also schrieb er ihr Briefe, in welchen er von seinem Leben in Deutschland berichtete. Sie war ein Kind, fasziniert von einem Land, das sie nur aus seinen Beschreibungen kannte.

Das war alles, was sie hatte, als sie 2016 ankam: kein Netzwerk, keine Deutschkenntnisse und keine Familie in Deutschland. Nur die Entschlossenheit, genau das aufzubauen.


Von Indien nach Berlin

Shruti kommt aus Pune, einer Universitätsstadt in Indien, in der IT-Industrie und akademisches Milieu dicht nebeneinander liegen. Shrutis Familie passt in dieses Bild: Ingenieure, sichere Jobs, zwei Generationen ohne Unternehmer. Dieser Weg wäre ihr gesichert gewesen.

Doch Shruti entschied sich zu gehen. Nicht weil es zuhause schlecht war, sondern weil es zu gut war. Sie hatte keinen konkreten Plan, sie wusste nur, sie müsse weg, bevor die Bequemlichkeit zur Gewohnheit wird. Shruti bringt es selbst auf den Punkt: Sie wurde zu bequem, und sie wusste, wenn sie sich nicht selbst raus zwingt, würde sie es nie machen.

2016 kam sie über das EIT-Programm der EU nach Europa, eines der ehrgeizigsten Förderinstrumente für Tech-Startups auf dem Kontinent, zunächst nach Stockholm und dann nach Berlin.

Ihr Deutsch beim Ankommen: nahezu null. Sie erinnert sich, dass sie Wörter aufschrieb und Menschen ihr Handy hinhielt, um sich verständlich zu machen. Was sie mitgebracht hat, war kein Netzwerk und keine Sprachkenntnisse, sondern die Entschlossenheit, sich beides aufzubauen und ihre Ideen ehrgeizig zu verfolgen.

TU Berlin, Autonomous Systems, Business Modeling, Pitching Practice. Und dann, 2017, ein Hackathon bei TechCrunch Berlin, den sie gewann. Das Thema: Parkraum-Findung per Geotagging. Den Preis stellte Daimler bereit.

Der Plan war von Anfang an da: eine eigene Firma. Doch Deutschland lässt das nicht einfach zu. Als Studentin durfte sie nicht gründen. Mit dem Blue Card danach auch nicht. Also arbeitete sie in Startups, später kurz in einem VC-Unternehmen, um zu verstehen, wie Finanzierungsrunden wirklich funktionieren. Sie sparte Geld für zwei Jahre finanzielle Unabhängigkeit, die sie sich selbst versprochen hatte. Keine Absicherung, sondern ein strategischer Schritt: Sie wollte sich die Zeit nehmen, etwas zu gründen, hinter dem sie wirklich steht.

Der Beginn von CapitalSnapshot

Zwölf Jahre in der Startup-Welt haben Shruti eine Beobachtung mitgegeben: Die meisten Frühphasengründer arbeiten im Blindflug. Kein CFO, keine Buchhaltungsabteilung, dafür eine Tabelle, in der jemand Zahlen einträgt und hofft, dass die Runway-Berechnung irgendwie stimmt. Wer zu lange wartet, bis er seinen tatsächlichen Burn Rate versteht, trifft keine strategischen Entscheidungen mehr. Er reagiert nur noch. Shruti sagt es direkt: Series B aufwärts haben die Leute große Buchhaltungsteams. Davor ist es ziemlich blind.

Das Unternehmen heißt CapitalSnapshot. Die Plattform hilft Frühphasengründern, ihre wichtigsten Finanzkennzahlen in Echtzeit zu überblicken und daraus operative Entscheidungen zu treffen. Wann kann ich einstellen? Wann muss ich anfangen zu fundraisen? Wie lange reicht mein Kapital noch, wenn ich jetzt drei Engineers hire?

Die Idee entstand aus einer WhatsApp-Gruppe. Ihr Mitgründer Mark McHugh, ein dreifacher Gründer aus Belfast, hatte ein Demo gepostet, das auf einer einfachen Beobachtung basierte: Reporting für VCs ist inkonsistent. Der aktuelle Fokus liegt auf Fundraising-Datenräumen: ein strukturiertes, sofort verwendbares Dokument, das Gründer direkt in VC-Gespräche mitnehmen können. Deutsche Banken wie Sparkasse und Postbank lassen sich bereits über eine Banking-API direkt anbinden.

Eine Holdingstruktur für den optimalen Start

Was an Shrutis Geschichte auffällt, ist nicht nur was sie aufgebaut hat, sondern wie. Ohne Anwalt, ohne Steuerberater, ohne jemanden, der ihr das deutsche Gründungssystem erklärt. Sie hat es sich selbst beigebracht. Mit Claude und ChatGPT als Sparringspartnern, weil diese zugänglicher waren als Kanzleien und ehrlicher über Wissenslücken.

Das Ergebnis: eine eigene Analyse der optimalen Unternehmensstruktur für ihre Situation. Shruti fand heraus, dass sich durch den Paragrafen 8b KStG die Steuerlast bei einem Exit etwa halbieren lässt. Von einem vorgezeichneten Ingenieurweg in Pune zur eigenen Holding in Berlin, erarbeitet auf eigene Faust und mit dem Blick auf das große Ziel.

Die Lösung: eine UG als Holding in Deutschland, so schnell und einfach wie möglich.

Den Hinweis auf beglaubigt.de bekam Shruti durch eine andere Gründerin in ihrem Netzwerk. Bis dahin: Notare mit sechs bis acht Wochen Wartezeit, ein Steuerberater-Paket im vierstelligen Bereich.

Das größte Hindernis war nicht der Prozess selbst, sondern eine Voraussetzung. Die Holding brauchte eine Geschäftsadresse. Shruti fragte bei ihrer Hausverwaltung an, ob sie die eigene Wohnung als Sitz eintragen darf. Die Antwort kam nach fast zwei Monaten, aber sie kam: Ja, solange keine Laufkundschaft zu erwarten sei.

Sobald das Genehmigungsschreiben vorlag, übernahm beglaubigt.de den Rest. Ramona, ihre Ansprechpartnerin, koordinierte alles, klärte eine kurze Doppelung bei der Terminbuchung und setzte den Notartermin auf. Shruti fasst es selbst zusammen: Nachdem sie den Brief von der Hausverwaltung hatte, dauerte der gesamte Prozess noch eine Woche. Das war wirklich beeindruckend.

Der Kontrast zu den Notaren, die sie direkt angeschrieben hatte, spricht für sich: Monate gegen eine Woche.

Rat an andere Gründerinnen und Gründer

Shrutis Rat ist direkt: Redet über eure Ideen. Hört auf, sie zu schützen.

Sie begegnet regelmäßig Gründern, die ein NDA fordern, bevor sie erklären, woran sie arbeiten. Ihre Einschätzung ist klar: Die Idee ist nicht das Besondere. Die Umsetzung ist es. Wer nicht spricht, validiert nicht. Wer nicht validiert, dreht sich im Kreis. Shruti sagt es unverblümt: Wenn jemand eine Idee hat, soll er darüber reden. Niemand stiehlt sie. Sie ist nicht so einzigartig. Und selbst wenn, kommt es darauf an, wer sie umsetzt.

Und dann noch eines, das nicht aus einem Ratgeber kommt, sondern aus zwölf Jahren im System: Plant für den besten Fall, nicht für den sicheren. Wer sich fragt, wie die Steuerstruktur bei einem Exit von fünf Millionen aussieht, noch bevor die erste Zahlung eingegangen ist, denkt nicht naiv groß, sondern strategisch voraus. Genau das ist der rote Faden in Shrutis Geschichte, von Pune nach Berlin, von der Ingenieurfamilie zur eigenen Holding, immer mit dem Blick auf das, was möglich ist, wenn man bereit ist, den unbequemen Weg zu gehen.


Kontakt und Links

Gründer: Shruti Kuba, Co-Founder und CEO von CapitalSnapshot und Holding 

Website CapitalSnapshot: https://www.capitalsnapshot.com/ 

LinkedIn Capital Snapshot: https://www.linkedin.com/company/capitalsnapshot/

Shruti auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/shruti-kuber/