Bereits über 25.000 Beglaubigt.de Kund:innen
Google 4.9 von 5 Sterne bewertetStars
beglaubigt.de
Gründerstory

Free the Craft: Wie Ireneusz Szumlanski kreativen Teams Zeit zurückgibt

Kelly Ejiofor

9. Jun 2026

Free the craft

Wer heute mit der Tonfabrik arbeitet, erlebt weniger Studio-Logik und mehr Produktionsfluss. Entscheidungen werden klarer, Prozesse ruhiger, und kreative Energie landet dort, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

Vieles, was früher aus Rückrufen, Terminabstimmungen und technischen Reibungsverlusten bestand, läuft heute leise im Hintergrund. Nicht weil weniger Menschen beteiligt sind, sondern weil die Infrastruktur klarer geworden ist.

Fast 25 Jahre Produktionspraxis und eine Pandemie haben Ireneusz Szumlanski gezeigt, wie viel kreative Energie frei wird, wenn man Prozesse radikal vereinfacht.

Lange funktionierte Audioproduktion nach denselben Ritualen. Texter stiegen in München in den Zug, Redakteure kamen aus Köln, Kunden saßen im Regieraum, irgendwo lief Kaffee durch die Maschine, man hörte gemeinsam ab, diskutierte Nuancen, verschob Takes um Millisekunden. Das Studio war nicht nur Produktionsort, sondern Treffpunkt, Kontrollraum und sozialer Raum zugleich.

Dann kam Corona. Die Regieräume blieben leer. Die technischen Möglichkeiten für verteilte Produktion gab es längst, sie waren nur nicht der Normalfall. Innerhalb weniger Monate wurde aus etwas Möglichem Standard. Sprecher mit Aufnahmeecken zu Hause, Kunden, die sich aus Küchen oder Hotelzimmern dazuschalteten, Abnahme remote. Und etwas Überraschendes passierte: Die Produktionen funktionierten weiter. Teilweise schneller und konzentrierter als zuvor.

„Ich arbeite hier in Berlin mit Menschen zusammen, die ich am Ende noch nie in echt gesehen habe, obwohl wir eigentlich nur irgendwie zehn Minuten voneinander weg sind."

Was zuerst nach Distanz aussah, war in Wahrheit eine neue Form von Zusammenarbeit. Nicht der Raum war entscheidend, sondern wie präzise Menschen, Entscheidungen und Produktionsschritte ineinandergriffen.

KI als Handwerkzeug, nicht als Versprechen

Die Audiopostproduktion war nie eine richtig glamouröse Branche. Zu wenig Zeit, zu viele Versionen, Budgets, die meistens viel kleiner sind als die Erwartungen. Wer darin über Jahrzehnte arbeitet, für den ist Effizienz kein Nice-to-have, sondern Überlebensvoraussetzung.

Für Ireneusz Szumlanski ist künstliche Intelligenz deshalb kein großes Zukunftsversprechen. Sondern einfach das nächste Werkzeug in einer langen Reihe von Werkzeugen, die helfen sollen, Produktionen schneller, verlässlicher und planbarer zu machen.

Erste Werkzeuge dieser Art, Transkription, einfache Bereinigungen, gehörten ohnehin schon zum Alltag, bevor das Thema KI in jedem Pitch-Deck stand.

Ein Teil der eigentlichen Veränderung beginnt jedoch dort, wo Audioproduktionen traditionell am verletzlichsten sind: bei Fehlern.

Ein Mikrofon fällt aus. Eine Szene rauscht. Eine Stimme trägt nicht. Kleine technische Probleme konnten früher ganze Produktionen aus dem Gleichgewicht bringen.

Es gab diese Momente im Schneideraum, in denen Cutter und Regie schon beim ersten Abhören wussten: Die Szene ist verloren. Neuaufnahme, Nachsynchronisation — oder irgendwie damit leben.

Heute entstehen aus genau solchen Situationen plötzlich wieder Möglichkeiten. Dinge, die früher technische oder finanzielle Sackgassen gewesen wären, lassen sich oft deutlich eleganter lösen.

Die Reaktion darauf ist selten technologische Begeisterung. Eher Erleichterung. Weil Produktionen plötzlich ruhiger, flexibler und insgesamt deutlich weniger fragil geworden sind.

Vom Druck zur Methode

Der Einstieg in die Branche begann in einem Werbestudio am Alexanderplatz, direkt neben dem Weekend Club. Studioarbeit, Nachtleben und Musikszene lagen damals dichter beieinander als heute.

Aus einzelnen Produktionen wurden Agenturjobs, aus Nebenprojekten größere Aufträge. Keine geplante Unternehmensgründung, sondern eher das langsame Entstehen einer eigenen Produktionswelt.

Die eigentliche Skalierung entstand nicht durch Wachstumsideen, sondern durch Produktionsdruck. Erst hunderte Branded-Entertainment-Formate für BMW. Danach Dokumentationen und Serienproduktionen für den Nachrichtensender WELT, parallel Lokalisation für Gymondo, Jahre permanenter Deadlines, Versionierungen und sich ständig verändernder Anforderungen.

Wer unter solchen Bedingungen dauerhaft liefern will, beginnt zwangsläufig damit, Prozesse radikal zu vereinfachen. Nicht aus Technikbegeisterung, sondern weil Komplexität sonst irgendwann jede kreative Arbeit auffrisst.

Wie moderne Audioproduktion funktioniert

Werbekampagnen mit dutzenden Versionen, internationale Sprachfassungen, Dokumentationen, Serien oder interne Kommunikationsformate laufen durch Systeme, die über Jahre hinweg auf Geschwindigkeit, Konsistenz und geringe Reibung optimiert wurden.

Hinter der Geschwindigkeit steckt keine Magie, sondern Infrastruktur. Vereinfacht, standardisiert, automatisiert. Viele Prozesse, die früher aus Wiederholungen, manueller Routine und technischen Korrekturen bestanden, laufen heute beinahe unsichtbar im Hintergrund.

Ein Teil dieser Infrastruktur sind eigens gebaute Werkzeuge, kleine Apps, Skripte, API-Verbindungen, die sehr spezifische Aufgaben übernehmen. Dinge, für die kein fertiges Tool existiert, weil sie sonst niemand genau so braucht. Generative KI läuft dabei nicht parallel zum Handwerk, sondern verschränkt sich damit.

Das heißt nicht, dass alles allein passiert. Auf der kreativen Seite arbeitet Ireneusz seit fast 20 Jahren mit Elias Struck zusammen, daneben mit einem festen Netzwerk weiterer Tonschaffender, Komponisten und Sprecher. Was sich verändert hat, ist nicht die Größe des Teams, sondern wie es organisiert ist.

Am Ende sitzt immer noch jemand mit Kopfhörern und entscheidet: ob ein Atem zu lang ist, ob eine Stimme an der richtigen Stelle einsetzt, ob eine Pause hält oder zu früh bricht. Und auf der größeren Ebene ,  wie ein Bild klingen soll. Welche Soundscapes es tragen, welche Atmosphären es öffnen, wo Stille mehr sagt als Klang. Solche Entscheidungen lassen sich nicht delegieren. Die gesamte Infrastruktur darum herum existiert, damit für sie Zeit bleibt.

Das Ziel war dabei nie Automatisierung um ihrer selbst willen. Sondern mehr Zeit für die Teile einer Produktion, die Aufmerksamkeit, Gefühl und menschliche Entscheidungen brauchen. Um Raum für die Gestaltung zu schaffen.

„Free the craft" steht auf der Website. Eigentlich ist es kein Slogan, sondern die Kurzform einer Haltung.

Die Gründung: so wenig Aufwand wie möglich

Ireneusz Szumlanski ist jemand, der Reibung aus Prozessen herausnehmen will. Das gilt für seine Audioproduktionen, und es galt auch für die Gründung selbst. Als er auf beglaubigt.de stieß, war die Entscheidung schnell getroffen.

Was ihn überzeugt hat, war nicht die Funktionalität allein, sondern die Haltung dahinter. Dass jemand verstanden hat, dass Bürokratie nicht kompliziert sein muss, nur weil sie notwendig ist. Für jemanden, der seinen gesamten Produktionsbetrieb auf Effizienz und Entschlackung ausgerichtet hat, war das keine kleine Sache.

„Es war überraschend positiv. Genau so entspricht das einfach meinem jetzigen Zustand."

Rat an andere Gründer

Die meisten Dinge in seinem Leben seien nie komplett durchgeplant gewesen, sagt Ireneusz Szumlanski. Wichtiger sei oft gewesen, überhaupt in Bewegung zu bleiben.

„Man merkt mit der Zeit, ob etwas wirklich eine Richtung hat. Dann muss man manchmal einfach weitermachen."

Und was würde er seinem jüngeren Ich sagen?

„Ein bisschen weniger feiern." Kurze Pause. „Nicht nur die Partys. Auch das ständige Inszenieren der eigenen Etappen. Manches darf einfach passieren, ohne dass man es zum Meilenstein erklärt."

Kontakt und Links

Die Gründer von Tonfabrik: Ireneusz Szumlanski