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Gründerstory

Der Keller war voll – also gründete Sophia Scharte einen Marktplatz: Wie HÜA Ordnung ins Second-Hand-Chaos des Reitsports bringen will

7. Sep 2026

Sophia Scharte sitzt im Homeoffice, während neben ihr ihre wenige Monate alte Tochter langsam einschläft. Das Timing für eine weitere Unternehmensgründung könnte auf den ersten Blick kaum ungewöhnlicher sein. Für Sophia war es allerdings genau der richtige Moment.

Denn während ihrer Elternzeit passierte etwas, das sie aus ihrem bisherigen Berufsleben kaum kannte: Sie hatte plötzlich Zeit, eine Idee weiterzudenken, die schon länger in ihrem Kopf existierte. Ihr Partner konnte einen Teil ihrer bisherigen Mandate übernehmen, ihre Tochter schlief überraschend gut – und irgendwann wurde aus dem Gedankenexperiment ein Gespräch mit einem Entwickler, daraus ein Termin bei der Bank und schließlich eine Unternehmensgründung.

Die Idee selbst lag dabei schon seit Jahren direkt vor ihr. Genauer gesagt: in ihrem Keller.

Sättel, Reitstiefel, Gamaschen, Bandagen, Gebiss, Decken und anderes Equipment sammelten sich dort genauso wie bei ihrer Mutter und vielen Freunden aus dem Reitsport. Die Artikel waren hochwertig und zu schade zum Wegwerfen, aber sie vernünftig weiterzuverkaufen bedeutete, sich zwischen Facebook-Gruppen, Kleinanzeigen, Flohmärkten und verschiedenen Plattformen zu bewegen.

Sophia fragte sich deshalb: Warum gibt es für einen so großen Markt eigentlich keinen spezialisierten digitalen Marktplatz?

Heute entwickelt sie mit HÜA genau diese Plattform.

I · Warum hochwertige Reitsportartikel in Kellern liegen, obwohl es längst Käufer dafür gäbe

Reitsport ist kein günstiges Hobby. Gute Sättel, Reitstiefel, Helme, Decken oder Stallzubehör können erhebliche Summen kosten. Gleichzeitig verändern sich Anforderungen ständig: Pferde wechseln, Kinder wachsen aus ihrer Ausrüstung heraus, ein Sattel passt nicht mehr oder das nächste Paar Stiefel ersetzt das alte.

Ein funktionierender Gebrauchtmarkt wäre deshalb eigentlich naheliegend.

Das Problem ist nicht, dass dieser Markt nicht existiert. Er ist nur über viele Orte verteilt.

Ein Teil läuft über Facebook-Gruppen, anderes über Kleinanzeigen. Einzelne Kleidungsstücke landen auf Vinted, wieder anderes wird auf Flohmärkten oder direkt im Stall verkauft. Wer etwas Bestimmtes sucht, muss entsprechend mehrere Plattformen durchsuchen. Und wer verkaufen möchte, muss entscheiden, wo ein bestimmter Artikel überhaupt die richtigen Interessenten erreicht.

Sophia kannte dieses Problem nicht aus einer Marktstudie, sondern aus dem eigenen Alltag.

„Mein Keller ist voll, der Keller meiner Mama ist voll.“

Irgendwann musste sie sogar Dinge bei Verwandten unterbringen, weil schlicht kein Platz mehr vorhanden war. Gleichzeitig lagen dort keine wertlosen Gegenstände, sondern teilweise hochwertige Reitsportartikel, die andere Menschen problemlos weiterverwenden könnten.

Genau darin erkannte Sophia die Lücke: Der Markt existiert bereits, Käufer und Verkäufer ebenfalls. Was fehlt, ist ein digitaler Ort, der speziell für ihre Bedürfnisse gebaut wurde.

II · Vom Steuerrecht zum Tech-Start-up: Warum Sophia nach zwei Unternehmen noch einmal ganz von vorne anfängt

HÜA ist nicht Sophias erste Gründung.

Beruflich kommt sie ursprünglich aus einer vollkommen anderen Welt. Sie studierte Wirtschaftsrecht, arbeitete als Steuerfachangestellte und Finance Managerin und gründete später eine eigene Buchhaltungsfirma. Dort spezialisierte sie sich unter anderem auf Digitalisierungsprozesse für Kanzleien, deren Mitarbeitende und Mandanten.

Sie half Unternehmen dabei, Papierbuchhaltung abzubauen, DATEV-Prozesse sinnvoll aufzusetzen und Arbeitsabläufe digitaler zu organisieren. Ihre bestehenden Unternehmen laufen bis heute weiter.

Reitsport begleitet sie dagegen schon deutlich länger.

Trotzdem wollte sie ihr Hobby lange bewusst nicht zum Beruf machen. Der klassische Rat „Mach dein Hobby niemals zum Beruf“ war auch bei ihr hängen geblieben.

Bei HÜA sieht sie das inzwischen etwas anders.

Sie möchte kein romantisiertes Pferdeprojekt aufbauen und spricht selbst scherzhaft davon, dass es ihr nicht um den „Wendy-Romantik/Pferd-im-Sonnenuntergang-Vibe “ gehe. Sie betrachtet HÜA vielmehr als modernes Technologieunternehmen, das zufällig einen Markt bedient, den sie seit ihrer Kindheit kennt.

„Ich will eine tolle App bauen, die uns Reiter:innen einen Mehrwert bietet.“

Dass sie die Zielgruppe selbst versteht, ist dabei ein Vorteil. Die Motivation für die Gründung bleibt jedoch dieselbe wie bei einem klassischen Tech-Start-up: ein konkretes Problem finden und ein Produkt entwickeln, das es besser löst.

III · Was HÜA eigentlich baut – und warum es mehr werden soll als Kleinanzeigen für Pferdesachen

HÜA wird als App-first C2C-Marktplatz entwickelt. Privatpersonen sollen dort gebrauchte Reitsportartikel direkt untereinander kaufen und verkaufen können. Das Sortiment reicht dabei praktisch über die gesamte Branche: Sättel, Stiefel, Reithelme, Halfter, Pferdedecken und Stallbedarf ebenso wie Kleidung und weiteres Zubehör.

Der entscheidende Unterschied soll allerdings nicht allein darin liegen, dass ausschließlich Reitsportartikel angeboten werden. Sophia möchte die Plattform konsequent um die tatsächliche Nutzung innerhalb der Reitsport-Community herum entwickeln.

Das beginnt bereits bei scheinbar kleinen Funktionen.

HÜA´s konkretes Differenzierungsmerkmal ist die gezielte Suche nach bestimmten Artikeln, durch fachspezifische Filter, Kategorien und Attribute.

Denn wer einen gebrauchten Springsattel, Reitstiefel oder eine bestimmte Schabracke sucht, braucht andere Kategorien, Filter und Produktinformationen als auf einem allgemeinen Kleinanzeigenportal. Genau hier liegt eine konkrete Produktstärke von HÜA: die gezielte Suche nach bestimmten Artikeln durch fachspezifische Filter, Kategorien und Attribute. Diese Spezialisierung soll dafür sorgen, dass Käufer schneller finden, was sie tatsächlich suchen – und Verkäufer ihre Artikel genau dort anbieten können, wo die passende Zielgruppe bereits ist.

Das zeigt sich auch in kleineren Funktionen: Favoriten sollen beispielsweise nicht in einer endlosen Liste verschwinden, sondern sich in eigenen Bereichen strukturieren lassen – ähnlich einem Moodboard. Wer nach verschiedenen Artikeln sucht, könnte so etwa eigene Bereiche für Sättel, Stiefel oder Helme anlegen. Für Sophia sind solche Details Teil eines größeren Anspruchs: HÜA soll sich nicht wie ein allgemeiner Marktplatz mit Pferdekategorie anfühlen, sondern wie eine Plattform, die von Grund auf für den Reitsport entwickelt wurde.

Das grundlegende Kaufen und Verkaufen soll dabei kostenlos bleiben. Monetarisiert werden soll HÜA langfristig über eine Premium-Version mit zusätzlichen Funktionen. Sophia will also nicht einfach eine bestehende Plattform kopieren und Pferdeprodukte darauf platzieren. Das Ziel ist ein Produkt, bei dem Nutzer merken, dass jemand die Branche tatsächlich verstanden hat.

IV · Warum Sophia die App nicht allein am Schreibtisch entwickeln will

Eine der größten Fragen bei neuen Plattformen lautet: Baut man tatsächlich das, was Nutzer brauchen – oder lediglich das, was das Gründerteam für eine gute Idee hält?

Sophia versucht dieses Risiko möglichst früh zu reduzieren.Dafür hat sie einen eigenen Founders Club aufgebaut. Darin befinden sich Menschen aus unterschiedlichen Bereichen des Reitsports: Turnierreiter, Freizeitreiter, Trainer, Stallbesitzer und Tierärzte. Diese Gruppe soll HÜA bereits vor dem öffentlichen Launch testen.

In regelmäßigen kurzen Fragebögen geben die Mitglieder Feedback, äußern Wünsche und bewerten neue Funktionen. Dabei hat Sophia bewusst darauf geachtet, unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Branche zusammenzubringen.

Für sie ist der Founders Club damit mehr als eine Testgruppe. Es ist ein Weg, das Produkt gemeinsam mit der späteren Community zu entwickeln. Gerade weil HÜA als Marktplatz funktionieren soll, ist dieses frühe Feedback besonders wichtig. Eine App kann technisch hervorragend funktionieren und trotzdem scheitern, wenn Käufer oder Verkäufer keinen Grund sehen, sie regelmäßig zu öffnen.

V · Das eigentliche Problem beginnt erst beim Launch: Käufer und Verkäufer müssen gleichzeitig kommen

Technisch eine App zu entwickeln, bereitet Sophia vergleichsweise wenig Sorgen. Die technische Entwicklung ist eine Herausforderung – die größere unternehmerische Aufgabe sieht sie jedoch im Aufbau eines funktionierenden Marktplatzes. Denn Marktplätze haben ein Problem, das klassische Onlineshops nicht in derselben Form kennen: Sie benötigen zwei funktionierende Seiten gleichzeitig. Verkäufer brauchen Käufer – und Käufer brauchen von Anfang an ein relevantes Angebot.

Genau deshalb beginnt der Markteintritt für HÜA nicht erst am Launch-Tag. Bereits im Pre-Launch liegt ein besonderer Fokus darauf, erste Verkäufer zu gewinnen und gezielt die Angebotsseite aufzubauen. Wenn die App öffentlich startet, sollen Käufer nicht auf einen leeren Marktplatz treffen, sondern bereits einen Grund haben, zu suchen, zu stöbern und wiederzukommen.

Sophia nennt es den nötigen „Kawumm“: HÜA soll nicht erst nach dem Launch langsam versuchen, Angebot und Nachfrage aufzubauen. Die Grundlage dafür soll bereits vorher geschaffen werden. Der Founders Club, Partnerschaften innerhalb des Reitsports und die geplanten Marketingmaßnahmen sind deshalb nicht nur klassische Markenkommunikation, sondern ein wichtiger Teil der Marketplace-Strategie.

Sophia weiß, dass genau darin eine der größten Herausforderungen liegt: „Das Produkt zu bauen ist einfacher, als den Markt zu erklimmen.“ Entscheidend ist für sie deshalb nicht allein, eine technisch funktionierende App zu veröffentlichen, sondern vom ersten Tag an die Voraussetzungen für einen lebendigen Marktplatz zu schaffen.

VI · Warum ausgerechnet Logo und Name zu einem der schwierigsten Meilensteine wurden

Sophia hat bereits Unternehmen gegründet. Sie kennt Buchhaltung, Steuerrecht und Unternehmensprozesse deutlich besser als die meisten Erstgründer.

Trotzdem fühlte sich HÜA von Anfang an anders an.

Ihre bisherigen Firmen waren Dienstleistungsunternehmen, deren Erfolg unmittelbar an ihrer eigenen Arbeit hing. Der Markt war bekannt, die Nachfrage vorhanden und die Kundenkontakte bereits da. Wenn sie ihre Arbeit vernünftig erledigte, konnte sie relativ gut einschätzen, dass das Geschäftsmodell funktionieren würde.

HÜA besitzt diese Sicherheit nicht.

Die Entwicklung der App kostet Geld, bevor überhaupt klar ist, wie der Markt reagiert. Nutzer müssen überzeugt werden. Marketing muss funktionieren. Und eine neue Marke muss sich erst einen Platz in den Köpfen der Zielgruppe erarbeiten.

Gerade deshalb wurde eine vermeintlich kleine Entscheidung plötzlich erstaunlich schwierig: Wie soll diese Marke eigentlich aussehen?

„Mein größter Meilenstein war, glaube ich, wirklich Logo und Name.“

Sophia beschreibt sich selbst als perfektionistisch. Sie könnte problemlos eine Woche darüber nachdenken, ob ein Farbton minimal anders sein oder eine Schrift einen halben Punkt größer werden sollte. Während der Entwicklung von HÜA musste sie deshalb lernen, Entscheidungen früher abzuschließen.

Treffen. Weitergehen. Später verbessern.

Der Name HÜA war ursprünglich sogar nur ein Arbeitstitel. Mit der Zeit blieb er hängen: kurz, einprägsam und mit einem subtilen Bezug zum Reitsport, ohne wie eine klassische Pferdemarke zu klingen.

Heute steht er für das, was Sophia langfristig aufbauen möchte.

VII · Wie beglaubigt.de eine Gründung möglich machte, ohne dass Sophia das Homeoffice verlassen musste

Bei der eigentlichen Unternehmensgründung kam noch eine sehr praktische Herausforderung hinzu. Sophias Tochter war gerade wenige Monate alt – und Autofahren gehört nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Klassische Termine vor Ort waren deshalb unnötig kompliziert.

beglaubigt.de kannte Sophia bereits aus ihrem beruflichen Umfeld. In der Kanzlei hatte sie mehrere Start-ups erlebt, die ihre Gründung über den Service abgewickelt hatten. Die Erfahrungen waren positiv, also entschied sie sich diesmal selbst dafür.

„Es ging schnell, ich konnte es online machen.“

Gerade in ihrer Situation machte das einen erheblichen Unterschied. Der Prozess lief über den Online-Ausweis, Fragen konnten kurzfristig geklärt werden und ein persönlicher Ansprechpartner war schnell erreichbar.

„Ich hatte einen super Ansprechpartner und eine rundum gute Erfahrung.“

Was normalerweise aus Terminfindung, Fahrt und organisatorischem Aufwand bestanden hätte, konnte sie so von zu Hause erledigen – im Grunde unter denselben Bedingungen, unter denen auch dieses Interview stattfand: mit Baby, Homeoffice und möglichst wenig unnötiger Reibung.

VIII · Die Vision: Wenn im Stall irgendwann jeder automatisch fragt „Hast du schon bei HÜA geschaut?“

Sophia formuliert ihre langfristige Vision erstaunlich konkret. Sie spricht nicht zuerst über Nutzerzahlen, Unternehmensbewertungen oder internationale Expansion. Sie möchte einen Satz hören.

„Hast du schon mal bei HÜA geguckt?“

So selbstverständlich, wie Menschen heute bei gebrauchter Mode an Vinted denken, soll die Reitsport-Community irgendwann HÜA öffnen, wenn sie einen gebrauchten Sattel, neue Stiefel oder einen Reithelm sucht.

Das wäre für Sophia der eigentliche Beweis, dass die Plattform funktioniert. Nicht nur Downloads. Sondern Gewohnheit.

HÜA soll Teil des normalen Reitsportalltags werden und einen Markt bündeln, der längst existiert, bislang aber über unzählige kleine Kanäle verteilt ist.

Bis dahin wartet allerdings noch die schwierigste Phase: der Launch im Herbst und die Frage, ob aus positivem Feedback tatsächlich aktive Nutzer werden.

Sophia kennt dieses Risiko. Und genau darin unterscheidet sich HÜA fundamental von ihren bisherigen Unternehmen. Diesmal weiß sie nicht, ob es funktioniert. Sie macht es trotzdem.

IX · Was Sophia anderen Gründern rät: Planen, aber irgendwann trotzdem springen

Sophia gehört nicht zu den Menschen, die unvorbereitet in ein Projekt laufen.

Im Gegenteil.

Sie beschreibt sich selbst als jemanden, der am liebsten jede Eventualität vorher durchdenkt und „10.000 Szenarien“ im Kopf durchspielt. Durch ihre berufliche Erfahrung kennt sie Zahlen, Risiken und Unternehmensstrukturen gut genug, um zu wissen, was schiefgehen kann. Gerade deshalb ist ihr Rat an andere Gründer bemerkenswert.

„Man kann nie alles planen.“

Natürlich sollte man Worst-Case-Szenarien kennen. Man sollte Risiken realistisch einschätzen und nicht blind Kapital in eine Idee investieren. Aber irgendwann werde Planung selbst zum Hindernis.

Bei HÜA bedeutete das für Sophia, eine funktionierende berufliche Situation nicht vollständig aufzugeben, aber trotzdem Raum für etwas Neues zu schaffen. Einen Entwickler anzurufen. Mit der Bank zu sprechen. Eine Gesellschaft zu gründen. Geld in eine App zu investieren, von der noch niemand sicher wissen kann, ob sie funktioniert.

Und gleichzeitig zu akzeptieren, dass nicht jede Entscheidung perfekt sein wird.

Vielleicht ist das die treffendste Beschreibung ihrer bisherigen Gründung. Denn HÜA entstand nicht, weil Sophia plötzlich mehr Sicherheit hatte. Sondern weil sie irgendwann entschieden hat, dass eine gute Idee nicht sicher sein muss, bevor man anfängt.

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