Bereits über 25.000 Beglaubigt.de Kund:innen
Google 4.9 von 5 Sterne bewertetStars
beglaubigt.de
Gründerstory

Das Backup ist da – aber funktioniert es auch? Wie David Huber eine der lästigsten Aufgaben der IT automatisieren will

Kelly Ejiofor

14. Oct 2026

Ein Backup vermittelt Sicherheit. Daten werden regelmäßig gesichert, irgendwo liegt eine Kopie und im Ernstfall lässt sich der ursprüngliche Zustand wiederherstellen. Zumindest theoretisch.

David Huber kennt die andere Seite.

Als DevOps Engineer gehörten Datensicherungen zu seinem beruflichen Alltag. Dabei bemerkte er ein Problem, das erstaunlich banal klingt: Unternehmen erstellen zwar Backups, überprüfen aber längst nicht immer konsequent, ob diese Sicherungen im Ernstfall tatsächlich wiederhergestellt werden können.

Denn ein Backup zu erstellen ist automatisierbar. Es regelmäßig zu laden, zu prüfen und sicherzustellen, dass die enthaltenen Daten wirklich verwendbar sind, bedeutet dagegen Arbeit. Eine halbe Stunde hier, eine Stunde dort. Ein Ticket im Board, das keinen unmittelbaren Umsatz bringt und deshalb immer wieder nach unten rutscht. Bis etwas passiert.

Heute baut David genau für diesen Prozess ein Unternehmen auf. Seine Software soll Datensicherungen automatisiert validieren, direkt auf der Infrastruktur des Kunden und ohne dass sensible Daten das Unternehmen verlassen müssen. Besonders relevant ist das für regulierte Unternehmen, die aufgrund von Compliance-Anforderungen ohnehin nachweisen müssen, dass ihre Backups funktionieren.

I · Warum ein vorhandenes Backup noch lange nicht bedeutet, dass ein Unternehmen seine Daten zurückbekommt

In vielen IT-Abteilungen ist die Datensicherung längst automatisiert. Datenbanken werden nach einem festen Zeitplan gesichert, Backups gespeichert und Prozesse dokumentiert. Das vermittelt Sicherheit.

Die entscheidende Frage kommt allerdings erst danach: Lässt sich diese Sicherung tatsächlich wiederherstellen?

David beschreibt die regelmäßige Prüfung von Backups als eine dieser Aufgaben, deren Bedeutung jedem bewusst ist und auf die trotzdem kaum jemand Lust hat.

„Das ist so klassischerweise ein Ticket, das im Board immer weiter runterfällt.“

Eine manuelle Prüfung kann je nach System eine halbe bis anderthalb Stunden dauern. Ein Mitarbeiter muss die Sicherung laden, Wiederherstellungsschritte durchführen, überprüfen, ob die Daten vollständig und verwendbar sind, und den Vorgang anschließend dokumentieren. Solange nichts passiert, ist es leicht, diesen Prozess aufzuschieben.

Wie riskant das sein kann, wurde David besonders in Gesprächen mit potenziellen Kunden bewusst. Er war überrascht, wie viele Unternehmen bereits erlebt hatten, dass Backups im entscheidenden Moment nicht so funktionierten wie erwartet.

Genau hier setzt sein Produkt an. Der Kunde hinterlegt einmalig, wo die Sicherungen gespeichert sind, um welche Daten es sich handelt, nach welchem Zeitplan sie geprüft werden sollen und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Backup als tatsächlich wiederherstellbar gilt.

Danach läuft der Prozess automatisiert. Entscheidend ist dabei, dass die Daten auf der Infrastruktur des Kunden bleiben. Gerade bei sensiblen Unternehmensdaten ist das ein zentraler Teil des Produkts.

Besonders relevant wird diese Prüfung für regulierte Unternehmen. Frameworks und Standards wie ISO 27001, oder C5 können Anforderungen an regelmäßige Backup-Prüfungen mit sich bringen. Was andernorts leicht aufgeschoben wird, ist dort Teil eines Compliance-Prozesses.

David automatisiert damit keine besonders glamouröse Aufgabe.Aber eine, deren Bedeutung oft erst dann sichtbar wird, wenn sie zu lange niemand gemacht hat.

II · Sechs Jahre DevOps-Erfahrung – und ein Problem, das David irgendwann lieber selbst lösen wollte

Die Idee entstand nicht aus einer klassischen Start-up-Suche nach einer möglichst großen Marktlücke. David kannte das Problem aus seinem eigenen Beruf. Irgendwann wurde aus der Beobachtung ein Produktgedanke.

Seit dem ersten Quartal des Jahres arbeitet David an der Lösung. Rund acht Monate Entwicklung liegen zum Zeitpunkt des Interviews hinter ihm. Und er baut das Unternehmen bislang allein.

Einen Co-Founder sucht er bewusst nicht. Technisch hält er das Produkt für allein umsetzbar. Sobald genügend Kapital vorhanden ist und das Unternehmen zusätzliche Kapazitäten benötigt, würde er deshalb eher Mitarbeiter einstellen, als Unternehmensanteile an einen weiteren Gründer abzugeben.

Die größte Herausforderung dieser Phase ist für ihn nicht unbedingt technischer Natur. Es ist die Ungewissheit.

Acht Monate konsequent an einem Produkt zu arbeiten, ohne zu wissen, ob der Markt später genauso reagiert wie erhofft, verlangt eine andere Form von Disziplin als ein klassisches Kundenprojekt. Im schlimmsten Fall, sagt David, könnte die investierte Zeit am Ende schlicht „in den Sand gesetzt“ sein.

Die Alternative wäre allerdings, nie herauszufinden, ob es funktioniert hätte.

III · Der erste Kunde möchte Referenzen sehen – aber ohne ersten Kunden gibt es keine Referenzen

Technisch ist die Lösung inzwischen so weit, dass David mit Designpartnern arbeitet. Der öffentliche Launch ist für die erste Novemberhälfte geplant.

Damit verschiebt sich das schwierigste Problem zunehmend von der Entwicklung zum Vertrieb. Und dort wartet ein klassisches Problem vieler B2B-Start-ups.

„Der erste Kunde möchte den ersten Kunden sehen.“

Gerade bei einem Produkt, das tief in die IT-Infrastruktur eines Unternehmens eingreift und mit geschäftskritischen Datensicherungen arbeitet, spielt Vertrauen eine enorme Rolle. Ein potenzieller Kunde möchte wissen, welche anderen Unternehmen das Produkt bereits einsetzen, bevor er selbst damit beginnt.

Nur entstehen diese Referenzen naturgemäß erst, wenn die ersten Kunden zusagen. Für David ist dieser Vertrauensaufbau momentan schwieriger als die technische Entwicklung.

Einen wichtigen Schritt machte er deshalb auf der Bits & Pretzels in München. Dort sprach er mit potenziellen Partnern, Partnermanagern und IT-Verantwortlichen und erhielt mehrere positive Zusagen für Folgegespräche.

Für jemanden, der sich selbst eher als typischen Informatiker beschreibt, war gerade die persönliche Komponente überraschend positiv.

Aus dieser Erfahrung entstand auch einer seiner wichtigsten Ratschläge für andere Gründer: mit Menschen sprechen, bevor alle Voraussetzungen perfekt erfüllt sind. Gerade bei großen, regulierten oder öffentlichen Kunden fehlen jungen Unternehmen häufig zunächst Zertifizierungen oder Referenzen. Das bedeutet nicht, dass ein Gespräch sinnlos wäre. Im Gegenteil.

„Selbst wenn man mit Leuten redet, mit denen man noch keinen Deal machen kann, lohnt es sich trotzdem.“

Unternehmen können erklären, welche Anforderungen später erfüllt werden müssen, welche Wege andere Anbieter genommen haben oder welche Partnerschaften überhaupt realistisch sind.

Für David ist das inzwischen Teil der Produktentwicklung. Nicht jedes Gespräch muss sofort Umsatz bringen. Manche verhindern lediglich, dass man monatelang in die falsche Richtung baut.

IV · 10.000 Euro Cloud-Credits und direkter Zugang zu Technikern: Der erste größere externe Vertrauensbeweis

Kurz vor dem Interview erreichte David ein weiterer Meilenstein.

Sein Unternehmen wurde in das Startup-Programm von OVHcloud aufgenommen.

OVHcloud gehört zu den großen europäischen Cloud-Anbietern und positioniert sich insbesondere als souveräne europäische Alternative im Cloud-Computing. Für Davids Produkt ist diese Nähe besonders relevant, weil Infrastruktur nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern unmittelbar zum Geschäftsmodell gehört. Über das Programm erhält das Unternehmen Cloud-Credits im Wert von 10.000 Euro für ein Jahr.

Für ein gebootstrapptes Softwareunternehmen ist das bereits ein konkreter finanzieller Vorteil. Mindestens genauso interessant ist für David allerdings der technische Zugang.

Im Rahmen des Programms kann er direkt mit OVHcloud-Technikern über Infrastruktur- und Architekturfragen sprechen und gleichzeitig Teil des entsprechenden Startup-Netzwerks werden.

„Man hat direkt Zugang zu deren Technikern, um Infrastrukturfragen und Architekturfragen zu klären.“

Zusammen mit den Gesprächen auf der Bits & Pretzels entsteht langsam genau das, was jungen B2B-Unternehmen am Anfang fehlt: externe Validierung.

Nicht in Form von großen Werbekampagnen. Sondern durch Partner, technische Netzwerke und erste Unternehmen, die bereit sind, genauer hinzusehen.

V · Warum David weniger an klassische Werbung glaubt als an den einen Klick beim richtigen Partner

Nach dem öffentlichen Launch soll Marketing stärker in den Mittelpunkt rücken. David denkt dabei allerdings nicht zuerst an große Werbekampagnen.

Sein Produkt richtet sich an eine relativ spezifische Zielgruppe. Entsprechend interessant sind Orte, an denen diese Unternehmen ohnehin bereits arbeiten. Seine Vision für die nächsten ein bis zwei Jahre ist deshalb, die Backup-Validierung direkt in bestehende Systeme zu integrieren.

Compliance-Plattformen oder Hosting-Anbieter könnten die Lösung beispielsweise als Plugin anbieten. Der Endkunde müsste dann nicht erst nach einem eigenständigen Anbieter suchen, sondern könnte die Validierung dort aktivieren, wo er seine Infrastruktur oder Compliance ohnehin verwaltet.

„Dass der Endkunde uns mit einem Mausklick kann.“

Damit würde sich auch die Vertriebslogik verändern. Statt jeden Kunden einzeln über klassische Werbung zu gewinnen, könnten Partnerschaften, Vertriebspartner und Integrationen zu einem zentralen Wachstumskanal werden.

Langfristig reicht Davids Vision allerdings über Datenbanken hinaus. Aktuell konzentriert sich die Lösung auf die Validierung von Datenbank-Backups. In drei bis fünf Jahren soll daraus ein deutlich breiteres Backup-Validierungs-Ökosystem entstehen.

Alles, was ein Unternehmen sichern kann, soll im Idealfall auch automatisiert überprüft werden können. Das Ziel wäre dann nicht mehr nur die Antwort auf die Frage, ob eine einzelne Datenbank wiederhergestellt werden kann. Sondern eine belastbare Aussage über die gesamte Backup-Infrastruktur eines Unternehmens: Wenn morgen ein Angriff passiert oder Systeme ausfallen – bekommen wir wirklich alles zurück? Genau diese Sicherheit möchte David langfristig als Produkt anbieten.

VI · Warum beglaubigt.de für einen technischen Solo-Gründer vor allem eines übernehmen sollte: den Teil, auf den er keine Lust hatte

Produktentwicklung, Infrastruktur, Kundengespräche und ein paralleler Angestelltenjob füllen Davids Woche bereits ausreichend. Entsprechend wenig Interesse hatte er daran, die Gesellschaftsgründung zu einem eigenen Nebenprojekt zu machen.

Auf beglaubigt.de stieß er über das Partnerangebot von. Dort wurde ihm im Zusammenhang mit dem Geschäftskonto auch das Gründungspaket angeboten. David schaute sich das Angebot an und entschied sich vor allem aufgrund eines ziemlich pragmatischen Kriteriums dafür:

„Ich fand das Preis-Leistungs-Verhältnis vernünftig.“

Der größere Punkt liegt allerdings in der Zeitersparnis.

Notartermine organisieren, Dokumente vorbereiten und den formalen Ablauf selbst koordinieren gehören für ihn zu den Dingen, die zwar notwendig sind, aber keinen direkten Beitrag zur Produktentwicklung leisten.

„Ich glaube, so geht es vielen technischen Gründern, dass man auf Notartermine vereinbaren und auf das Ausetzen eines Gesellschaftervertrages keine Lust hat.“

Gerade als Solo-Founder ist dieser Unterschied relevant. Es gibt keinen zweiten Gründer, der sich währenddessen um andere Bereiche kümmern kann. Jede Stunde, die David in Administration investiert, fehlt an anderer Stelle.

VII · Was David anderen Gründern rät: Nicht warten, bis man alle Voraussetzungen erfüllt

Davids Unternehmergeist begann lange bevor er wusste, was DevOps oder Backup-Validierung überhaupt bedeutet. Er wuchs weit außerhalb von München in Niederbayern auf – an einer Straße, an der nach seiner Beschreibung mehr Kühe als Menschen vorbeikommen.

Als Kind stellte er sich trotzdem mit einem Getränkestand an die Straße und wollte Limonade verkaufen. Das Problem: Es kamen vielleicht zwei Autos am Tag vorbei. Wirtschaftlich war das Geschäftsmodell ausbaufähig. Der Impuls dahinter ist geblieben.

„Ich habe es mir eigentlich seit ich ein paar Jahre alt war nie nehmen lassen, mich damit zu beschäftigen, wie man etwas bauen kann.“

Heute ist das Produkt technisch deutlich komplexer als ein Limonadenstand. Das grundlegende Prinzip ist allerdings ähnlich: etwas selbst aufbauen und anschließend Verantwortung dafür übernehmen.

Sein wichtigstes Learning der vergangenen Monate ist deshalb auch kein technischer Rat. Es ist die Erfahrung, dass andere Menschen häufig hilfsbereiter sind, als Gründer erwarten. Man muss nicht erst das perfekte Produkt, alle Zertifikate oder eine beeindruckende Kundenliste besitzen, bevor man mit potenziellen Partnern spricht. Oft entsteht gerade aus diesen frühen Gesprächen das Wissen, das später überhaupt erst zu einem Deal führt.

Und was würde David seinem jüngeren Ich sagen? Die Antwort braucht nicht viele Worte.

„Mach einfach.“

Vielleicht passt sie gerade deshalb. Denn David weiß noch nicht, wie der Markt nach dem Launch reagieren wird. Er weiß nicht, wie schnell aus Designpartnern zahlende Kunden werden oder wann aus dem gebootstrappten Solo-Projekt ein größeres Team entsteht.

Aber nach acht Monaten Entwicklung, ersten Partnergesprächen und der Aufnahme ins OVHcloud-Programm kommt jetzt der Moment, in dem sich genau das herausfinden lässt.

Das Backup wird schließlich auch erst dann wertvoll, wenn man überprüft, ob es wirklich funktioniert.


Kontakte und Links