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Gründerstory

Aus einem Segeltörn entstand eine Geschäftsidee: Wie Linus Ziervogel, Noah Häfner und Rafael Kalin die maritime Community digital vernetzen wollen

Kelly Ejiofor

31. Aug 2026

Drei Monate lang lebten Linus Ziervogel und Noah Häfner nach dem Abitur auf einem Segelboot. Sie segelten entlang der Ostsee, durch Dänemark, Schweden und Polen, organisierten Törns, suchten Kontakte und bewegten sich täglich in einer Community, die überraschend analog funktionierte. Erst nach ihrer Rückkehr merkten sie, dass aus genau diesen Erfahrungen eine Geschäftsidee geworden war. Gemeinsam mit ihrem dritten Mitgründer Rafael bauen sie heute MaluNautics – eine Plattform, die die maritime Community endlich an einem Ort zusammenbringen soll. 

I · Warum die maritime Welt noch immer über Facebook-Gruppen organisiert wird

Wer heute einen Segeltörn plant, sucht selten nur nach einem Boot. Oft geht es gleichzeitig darum, Mitsegler zu finden, freie Crewplätze zu entdecken, einen Skipper zu buchen oder kurzfristig einen Job an Bord zu bekommen. Theoretisch gibt es dafür bereits unzählige Plattformen. Praktisch verteilt sich all das bis heute auf Facebook-Gruppen, Messenger-Chats, Vereinswebseiten und einzelne Foren.

Für jemanden, der bereits tief in der Segelwelt steckt, ist das mühsam. Für Neueinsteiger ist es oft der Grund, warum sie den Einstieg gar nicht erst schaffen.

Genau diese Erfahrung machten Linus und Noah während ihrer Reise über die Ostsee. Obwohl sie selbst Teil der Community waren, verbrachten sie erstaunlich viel Zeit damit, Informationen an unterschiedlichsten Stellen zusammenzusuchen. Wer eine Crew suchte, musste sich durch Facebook scrollen. Wer einen Törn anbieten wollte, nutzte eine andere Plattform. Jobs wurden wieder woanders veröffentlicht.

Die eigentliche Community existierte längst – sie war nur digital nie wirklich zusammengewachsen.

„Selbst die größten Plattformen sind ungefähr so groß wie eine größere Facebook-Gruppe.“

Für die Gründer war genau das das eigentliche Marktpotenzial. 

II · Wie aus einer gemeinsamen Reise und einer langjährigen Freundschaft ein Gründerteam entstand

Linus und Noah kennen sich nicht erst seit der Unternehmensgründung.

Kennengelernt haben sie sich bereits als Kinder, später besuchten sie dieselbe Klasse in Potsdam. Nach dem Abitur war für beide klar, dass sie zunächst gemeinsam auf Reisen gehen wollten.

Aus dieser Reise wurde schließlich der Ausgangspunkt für MaluNautics.

Während sie monatelang auf einem Segelboot lebten, lernten sie den maritimen Alltag aus nächster Nähe kennen – mitsamt all seiner organisatorischen Schwächen.

Zurück in Deutschland begann die Suche nach einer Lösung.

Kurz darauf stieß Linus über sein Netzwerk auf Rafael, einen Softwareentwickler aus München, der heute die technische Entwicklung verantwortet. Während Linus den wirtschaftlichen Aufbau, Marketing sowie rechtliche Themen übernimmt und Noah sich um Produktentwicklung und Design kümmert, bringt Rafael die technische Expertise mit, die für den Aufbau der Plattform notwendig ist.

Gerade diese klare Rollenverteilung sehen die Gründer heute als einen ihrer größten Vorteile.

III · Was MaluNautics eigentlich baut – und warum es bewusst nicht nur eine weitere Segelplattform werden soll

Die Plattform soll langfristig deutlich mehr sein als eine klassische Jobbörse oder Crewvermittlung.

Das Ziel besteht darin, möglichst viele Prozesse rund um das Thema Segeln und maritime Reisen an einem Ort zusammenzuführen.

Wer einen Törn plant, Mitsegler sucht, einen Job an Bord finden oder seine Reise organisieren möchte, soll künftig nicht mehr zwischen verschiedenen Webseiten wechseln müssen. Stattdessen soll MaluNautics Schritt für Schritt zu einem zentralen Marktplatz für die maritime Community werden.

Dabei gehen die Gründer bewusst iterativ vor.

Zunächst veröffentlichen sie eine erste Version mit mehreren Funktionen, beobachten genau, welche Bereiche von den Nutzern tatsächlich verwendet werden, und entwickeln daraus die Plattform weiter.

Die eigentliche Produktentwicklung beginnt für das Team deshalb nicht mit Annahmen, sondern mit echtem Nutzerverhalten.

IV · Erst verstehen, dann bauen: Warum die Marktanalyse länger dauerte als die eigentliche Idee

Bevor überhaupt die erste Zeile Code geschrieben wurde, investierten die Gründer viel Zeit in Marktanalyse.

Sie wollten vermeiden, eine Lösung für ein Problem zu entwickeln, das niemand wirklich hat. Deshalb analysierten sie zunächst bestehende Plattformen, beobachteten Communities und sprachen mit Menschen aus der Segelszene. Erst danach begann die eigentliche Entwicklung.

Rückblickend sehen sie genau darin einen wichtigen Grund dafür, dass die Zusammenarbeit bislang so reibungslos funktioniert. Jeder kennt seinen Verantwortungsbereich, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und die Kommunikation läuft klar.

V · Zwischen Millionen Reichweite und den ersten echten Nutzern

Noch bevor das eigentliche Produkt veröffentlicht wurde, begann das Team mit dem Aufbau einer Community.

Statt sofort Werbung für eine Plattform zu machen, die noch nicht fertig war, entschieden sie sich für einen anderen Weg. Über Instagram, TikTok, Facebook und LinkedIn veröffentlichen sie Inhalte rund ums Segeln: Tipps für Törns, Checklisten, Memes aus dem Segelalltag oder praktische Informationen für Einsteiger.

Das Ziel dahinter ist einfach: Menschen sollen MaluNautics zunächst als hilfreiche Quelle kennenlernen – nicht als Werbung. Und diese Strategie scheint aufzugehen, denn bereits nach wenigen Wochen erreichten ihre Inhalte mehr als eine Million Aufrufe.

Für die Gründer ist das jedoch nur der erste Schritt.

VI · Warum beglaubigt.de für die Gründer vor allem eines bedeutete: weniger Reibung

Die eigentliche Unternehmensgründung wollten Linus, Noah und Rafael möglichst unkompliziert hinter sich bringen.

Über eine Internetrecherche stießen sie auf beglaubigt.de.

Für Linus war dabei vor allem entscheidend, möglichst wenig Zeit mit organisatorischen Abläufen zu verlieren.

„Ich wollte möglichst wenig Kopfschmerzen mit dem ganzen Zeug haben.“

Besonders angenehm empfand er, dass viele Schritte bereits vorbereitet waren und der Kontakt zum Notar auf ein Minimum reduziert wurde. Gerade weil keiner der drei zuvor eine Kapitalgesellschaft gegründet hatte, nahm ihnen dieser strukturierte Prozess viel Unsicherheit.

VII · Die Vision: Eine Plattform, die den maritimen Markt endlich zusammenführt

Langfristig denken die Gründer deutlich größer als nur an einzelne Funktionen.

Sie wünschen sich eine Plattform, auf der sich nahezu alles rund um Segeln und maritime Reisen organisieren lässt – von der Crewsuche über Jobs bis hin zur Reiseplanung.

Ob daraus irgendwann der größte digitale Marktplatz der europäischen Segelbranche wird, können sie heute noch nicht sagen.

Sicher sind sie sich jedoch bei einem Punkt: Sie möchten dazu beitragen, dass sich eine bislang stark fragmentierte Community einfacher vernetzen kann. Und vielleicht irgendwann selbst wieder auf einem Boot sitzen.

„Irgendwann eine große Stahljacht kaufen und dann hauen wir ab.“

VIII · Was Linus, Noah und Rafael anderen Gründern mitgeben würden

Für beide Gründer beginnt eine erfolgreiche Gründung lange vor der eigentlichen Geschäftsidee.

Linus rät dazu, früh für finanzielle Stabilität zu sorgen und ehrlich zu prüfen, ob alle Beteiligten wirklich dieselbe Zeit und Motivation investieren können.

Noah hebt dagegen einen anderen Punkt hervor.

„Kommunikation ist das Wichtigste.“

Gerade im Gründerteam entstünden viele Probleme nicht durch das Produkt oder den Markt, sondern dadurch, dass Erwartungen nie ausgesprochen würden. Wer von Anfang an offen über Verantwortlichkeiten, Zeit und Ziele spricht, könne sich viele Schwierigkeiten später ersparen.

Für MaluNautics scheint genau das bislang zu funktionieren.

Und vielleicht begann deshalb alles nicht erst mit einer Geschäftsidee, sondern schon viel früher – auf einem Segelboot irgendwo zwischen Dänemark und Schweden.

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