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Gründerstory

Sicherheit, bevor man sie braucht: Wie drei Gründer den blinden Fleck im Alltag zu Hause schließen

Alina Hoinski

19. May 2026

Die meisten Menschen denken erst an die Sicherheit ihrer Angehörigen zu Hause, wenn etwas passiert ist. Dabei entsteht eine Hilfsbedürftigkeit in den Momenten, in denen alles normal wirkt und niemand hinschaut.

Ein Sturz ist nur das sichtbarste Beispiel. Manchmal dauert es Stunden, im Extremfall Tage, bis einem gestürzter Menschen geholfen wird. Nicht, weil niemand helfen will, sondern weil niemand weiß, dass etwas passiert ist.

Für die drei Gründer von sensea.ai ist genau das der Ausgangspunkt. Nicht nur Pflege. Sondern auch die Zeit davor.

Das Problem, das im Alltag entsteht

Immer mehr Menschen leben allein und oft weit entfernt von ihren Angehörigen. Während im Alltag alles gut wirkt, gibt es einen massiven blinden Fleck: Es gibt keinen Moment, in dem jemand überprüft, ob wirklich alles in Ordnung ist, wenn es darauf ankommt. Regelmäßige Kontrollanrufe sind lästig und fühlen sich eben genau danach an: Kontrolle.

Wie kann man also sicherstellen, dass es Freunden oder Familie gut geht, ohne das Gefühl von permanenter Kontrolle zu vermitteln, und vor allem ohne ständig vor Ort zu sein?

Das Problem mit aktuellen Health Lösungen

Die meisten Lösungen setzen voraus, dass sie aktiv getragen oder bedient werden: Eine Smartwatch. Ein Notrufknopf für Ernstfälle oder sogar direkt Videoüberwachung.

Technisch funktioniert das Meiste zwar, aber genau in den Momenten, in denen es darauf ankommt, hilft es oft nicht.

„Wearables sind gut, solange man sie trägt, der Notrufknopf funktioniert nur, wenn man ihn ständig bei sich hat und im Ernstfall auch bedienen kann. Auch muss das Tragen und Bedienen der Gerätschaften gewollt sein; eine Voraussetzung die nicht immer gegeben ist.“, sagt Sebastian, einer der Gründer von sensea.ai. „Aber nachts oder beim Spülen in der Küche liegen die Geräte meist auf dem Nachttisch oder in der Schublade. Genau dort können sie im Ernstfall nicht helfen. So entsteht hier eine Lücke, welche die Geräte nicht abdecken.“

 

Drei Gründer, ein Perspektivwechsel

Die Geschichte von sensea.ai beginnt nicht mit einem Consumer-Produkt, sondern in der Pflege.

Die drei Gründer - Tobias, ein erfahrener IT-Manager mit Erfahrung und Leidenschaft für sichere und skalierbare Soft- und Hardware, Damian, ein KI-Entwickler mit Fokus auf Radar-Algorithmen, und Sebastian, verantwortlich für Business, Finanzen und Strategie – arbeiteten zuvor an einem Sensorsystem für stationäre Pflegeheime. So konnten die drei Gründer schon reichlich Erfahrungen in der Pflege-Branche sammeln und dabei lernen, wo die Grenzen von bestehenden Technologien liegen.

Das Unternehmen wurde bewusst geschlossen. Nicht weil die Idee falsch war. Sondern weil der Kontext es nicht zuließ: Ein System, das nicht absolut zuverlässig ist, wird in der Pflege schliccht nicht genutzt.
Ein Fehlalarm reicht. Das Vertrauen ist weg. Dazu kam die Komplexität, zu viele Sensoren und zu aufwendige Installation.

Doch in jedem Gespräch, auf jeder Messe und in jedem Pflegeheim kam immer wieder dieselbe Frage:
„Kann ich das für zu Hause kaufen?" Damals lautete die Antwort nein. Heute ist genau daraus das neue Produkt entstanden. „Wir haben verstanden, dass die eigentliche Nachfrage viel früher entsteht, bevor professionelle Pflege überhaupt ein Thema ist.“

 

Was sensea.ai anders macht

Das Gerät selbst wirkt unscheinbar. Etwa so groß wie ein moderner Lautsprecher, gedacht für Wohn- oder Schlafzimmer. Dahinter steckt eine einfache Frage: Ist alles in Ordnung – oder nicht?

Um diese Frage zu beantworten, kombiniert sensea.ai hier zwei Schlüssel-Technologien:

Ein Radarsensor erkennt Bewegungen und Stürze. Ein Thermalsensor erkennt Wärmebilder und Körperpositionen. Zusammen verifizieren sie sich gegenseitig und gleichen die Schwächen des jeweils anderen algorithmisch aus.

Warum beide? Weil die Praxis gezeigt hat: Eine Technologie allein reicht nicht.

Erst durch diese Kombination entsteht ein System, das im Alltag wirklich zuverlässig ist. Nicht im Labor. Im Alltag. Und wenn etwas passiert, entscheidet nicht das System. Sondern der Mensch. Wird ein relevantes Ereignis erkannt, sehen Angehörige eine rekonstruierte Darstellung der Situation, dreißig Sekunden davor, dreißig Sekunden danach. Keine Kamera. Keine Videoüberwachung. Keine Identität. Aber genug Kontext, um zu entscheiden: Muss ich handeln, oder ist alles in Ordnung.

 

Zwischen Alltag und Ernstfall

Im Alltag bedeutet das vor allem eines: Gewissheit.

Nicht durch tägliche Kontrollanrufe. Nicht durch ständiges Nachfragen. Sondern einfach wissen, ohne dass jemand fragen muss. Im Ernstfall bedeutet es etwas anderes. Sofort wissen, dass etwas passiert ist. Sofort reagieren können. Egal wo man gerade ist.

„Egal wo ich bin, ich kann sehen, ob wirklich etwas passiert ist. Und ich kann handeln." Genau das ist der Unterschied. sensea.ai ist nicht nur für den Ausnahmezustand gebaut, sondern auch für den Alltag.
Und genau deshalb funktioniert es auch dann, wenn Hilfe wirklich gebraucht wird.

 

Vom Pflegeprodukt zum Consumer-Gerät

Das Team entwickelt das Produkt bewusst nicht als klassisches Pflegeprodukt. Die Installation ist einfach: hinstellen, einschalten, fertig. Keine komplexe Sensorik, keine aufwändige Installation, keine Konfiguration vor Ort.

Parallel spricht das Team mit Experten aus Pflege, Versicherungen, Consumer Electronics und Finanzwesen. Das Feedback ist konsistent: Der Bedarf ist da, aber er beginnt früher als im Markt bisher angenommen.

 

Gegründet in Tagen, nicht in Wochen

Der Weg zur neuen Firma war zunächst problematisch. Banken blockierten, Prozesse zogen sich, Konten wurden nicht eröffnet. Statt Zeit zu verlieren, traf das Team eine klare Entscheidung: eine Neugründung.

Über beglaubigt.de wurde die GmbH vollständig digital gegründet, inklusive Konto, Transparenzregister und Anmeldung beim Finanzamt. „Wir wollten keine Zeit verlieren. Also haben wir den schnellsten Weg genommen.“

 

Wo sensea.ai hin will

In den nächsten Jahren will das Team zu den Anbietern gehören, die den Alltag zu Hause neu definieren. Europa ist der Startpunkt, weitere Märkte wie Australien, Nordamerika und der arabische Raum folgen. Der Anspruch ist bewusst einfach formuliert: Sicherheit soll sich nicht erst dann einschalten, wenn etwas passiert ist, sondern vorher schon Teil des Alltags. „Wenn Sicherheit zu Hause zur Selbstverständlichkeit wird, dann haben wir unser Ziel erreicht.“

 

Rat an andere Gründer

„Nicht gründen ohne eine klare Idee.“ Und dann: „Trau dich. Was hast du zu verlieren? Ein bisschen Zeit, ein bisschen Energie.“

Und wenn es nicht funktioniert? „Mit einer neuen Perspektive auf das gleiche Problem, mit einer besseren Lösung im richtigen Moment.“


Kontakt und Links

Die Gründer von sensea.ai: Sebastian Wünsche, Damian Mavrudis und Tobias Borlinghaus